5.000 Euro für Schattenlicht

Einnahmen von 'Rock im Hof' gehen an die Beratungsstelle

Spendenübergabe an Schattenlicht.
Dicker Scheck: Spendenübergabe an Schattenlicht. Foto: Julia Blesgen

Am Samstag (4.9.2021) war es soweit: Bereits zum zehnten Mal fand die Veranstaltung 'Rock im Hof' statt. In diesem Jahr allerdings im Hof der Firma Müntefering Industrie- und Städtereinigung und unter der Schirmherrschaft des neu gegründeten Vereins Herner Mittelstand. 550 Gäste waren an diesem Abend gekommen, um der Musik der Cool Runnings und den Los Gerlachos zu lauschen, bei leckerem Essen und Getränken. Doch die Einnahmen der Veranstaltung kamen nicht etwa den Veranstaltern und den spielenden Bands zugute, sondern sie wurden an die Schattenlicht Beratungs- und Kontaktstelle für Frauen und Mädchen e.V. gespendet.

halloherne war am Dienstag (21.9.2021) bei der Spendenübergabe der Band Cool Runnings und dem Verein Herner Mittelstand an Annelie Gogolla und Antonie Brieske von der Beratungsstelle Schattenlicht dabei. „Die Veranstaltung war ein voller Erfolg und wir können verkünden, dass wir heute die Einnahmen unserer Veranstaltung 'Rock im Hof' von 5.000 Euro an Schattenlicht übergeben", so Oliver Mann.

Planung begannen im Februar 2021

Mit der Planung für 'Rock im Hof' haben die Bandmitglieder von Cool Runnings bereits im Februar 2021 begonnen, etwa zu dieser Zeit gründete sich auch der Herner Mittelstand e.V.. Nach kurzer Zeit war den Beteiligten klar, dass sie die Veranstaltung gemeinsam, unter den geltenden Corona-Regelungen, durchziehen wollen. „Wir bedanken uns auch ausdrücklich bei der Stadt Herne, die sehr hilfsbereit war und uns unterstützt hat", so Mann.

Es wurde ein Hygienekonzept und sogar eine eigene App entwickelt, um die einfache Rückverfolgung bei der Veranstaltung zu garantieren. Jedoch war allen Beteiligten klar, dass aufgrund der pandemischen Lage die Veranstaltung auch kurzfristig hätte abgesagt werden müssen. Das war zur Freude aller aber nicht der Fall. So konnte der 'Rock im Hof' planmäßig stattfinden.

„Ich bin immer noch ganz überwältigt von dem großen Engagement der einzelnen Firmen und deren Mitarbeiter, die an diesem Abend unentgeltlich die Veranstaltung gerockt haben", berichtete Nadine Kleinschmidt, Geschäftsführerin der Firma Bertram und Mitglied vom Verein Herner Mittelstand. „Wir haben uns überlegt, dass wir mit dem Verein karitativ tätig sein wollen und Menschen sowie Organisationen in Herne unterstützen wollen. 'Rock im Hof' war dazu ein toller Auftakt und wir freuen uns, dass wir Schattenlicht unterstützen können."

Entscheidung schnell gefallen

Die Entscheidung, Schattenlicht zu unterstützen, sei innerhalb einer Minute gefallen, berichten alle Beteiligten unisono. „Gewalt an Frauen und Mädchen ist immer noch ein Tabuthema. Wir wollen es in die Öffentlichkeit bringen und die Aufmerksamkeit auf die wichtige Arbeit der Beratungsstelle richten", so Oliver Mann.

Symbolbilder Einsamkeit und Depression.
Der Corona-Lockdown hat die Situation für Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, noch einmal verschärft (Symbolbild). Foto: Pixabay

Der Verein Herner Mittelstand besteht aus sieben Herner Firmen: Müntefering GmbH, Diekmann Bedachungen, der Firma Bertram, Tewes-Kampelmann, der LCT-Gruppe, Oliver Mann und fischBade. Sie haben gemeinsam mit den Bands Cool Runnings und den Los Gerlachos ihre Kräfte und Kontakte gebündelt, um für die Besucher ein tolles Fest zu organisieren und der Beratungsstelle einen Erfolg zu bescheren.

„Was uns auch sehr freut ist, dass die Los Gerlachos sich ebenfalls dazu entschieden haben, ihre gesamte Gage zur Verfügung zu stellen", so Martin Diekmann von Diekmann Bedachungen und Mitglied der Cool Runnings. Überhaupt spendeten alle weiteren beteiligten Firmen ihre Einnahmen.

Schattenlicht überglücklich

Annelie Gogolla und Antonie Brieske von der Beratungsstelle Schattenlicht waren sichtlich gerührt vom Engagement der Veranstalter. „Wir sind ganz sprachlos. Das, was Sie geleistet haben, sollte Sie stolz machen. Wir freuen uns sehr, denn das Jahr 2020 war hart. Alles brach weg", so Antonie Brieske. „Diese Spende gibt uns die Möglichkeit, unsere Arbeitszeit in die Frauen zu investieren."

Die Beratungsstelle, die zum Dachverband der autonomen Frauenberatungsstellen NRW gehört, muss aus eigenen Mitteln für den Erhalt der Beratungsstelle jährlich 25.000 bis 30.000 Euro aufbringen, da sie nur eine Bezuschussung für Personalkosten vom Land NRW von 67 Prozent erhält und eine Unterstützung der Stadt Herne bekommt. Denn Beratungsstellen und auch Frauenhäuser haben immer noch den „Projektstatus“ und müssen Fördermittel in regelmäßigen Abständen beantragen.

„Der Lockdown hat die Situation für Frauen, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind, nochmals verstärkt. Die Beratungsanfragen sind während des ersten Lockdowns stark zurückgegangen. Die Isolierung und die Kontrolle durch die Partner über die Frauen hat massiv zugenommen, da auch Kontrollinstanzen wie Arbeit oder Schulen wegfielen. Das haben uns auch die Frauen bestätigt, als sie sich nach den Lockerungen wieder bei uns melden konnten", so Brieske weiter.

Zusätzlich Präventionsarbeit

Schattenlicht berät nicht nur Frauen, die häusliche Gewalt erfahren, sondern leistet auch Präventionsarbeit. Annelie Gogolla bietet besonders jungen Mädchen und auch Mädchen mit Fluchtgeschichte Angebote, bei denen sie in ihrer Selbstwahrnehmung gestärkt werden sollen, über ihre Rechte aufgeklärt werden und toxische Beziehungsmuster erkennen lernen (halloherne berichte und berichtete).

„Die Projekte entstanden, da meine Kolleginnen bemerkten, dass immer mehr junge Mädchen unsere Beratungsstelle aufsuchten, da auch sie schon massive Gewalt in ihren Beziehungen erlebten. Wir möchten Mädchen dahingehend stärken, dass sie Warnsignale ernst nehmen und auf ihr Bauchgefühl hören“, erzählte die Diplom-Sozialwissenschaftlerin Annelie Gogolla. „Mich freut es immer sehr, wenn ich sehe, dass das, was wir machen, bei den Mädchen ankommt und sie ihre eigenen Denkmuster hinterfragen."

Demnächst möchte das Team von Schattenlicht ihr Angebotsfeld auch noch für ältere Frauen mit Kriegstraumatisierungen erweitern. „Wir sehen, dass auch hier der Bedarf einer Beratung groß ist. Momentan stehen wir noch in der Planung für ein Projekt", so Brieske. Im nächsten Jahr feiert Schattenlicht Beratungs- und Kontaktstelle für Frauen und Mädchen e.V. ihr 30-jähriges Bestehen.

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