Stadtwerke bauen grünes Wärmenetz

Arbeiten in Horsthausen, Wärme aus dem Blockheizkraftwerk

Fernwärme-Baustelle am Zechenring.
Die Fernwärme-Baustelle am Zechenring, die Arbeiten sollen insgesamt bis Ende 2022 dauern, die ersten Graben jedoch deutlich vorher wieder zu sein. Foto: Marcel Gruteser

In Horsthausen, genauer gesagt vor allem am Zechenring, rollen derzeit wieder die Bagger. Der Grund dafür ist, dass die Stadtwerke Herne dort mit dem Bau eines 3,5 Kilometer langen Wärmenetzes begonnen haben. Dafür werden Teile der Straßen aufgerissen. Das Besondere: Die Wärme kommt aus dem Blockheizkraftwerk (BHKW) am Zechenring, dass die Stadtwerke dort mit Grubengas betreiben. Daher sei es besonders klimafreundlich. Stadtwerke-Chef Ulrich Koch und Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda stellten das Projekt am Mittwoch (28.4.2021) vor.

Zudem wurde das neue Stadtwerke-Maskottchen Friedrich der Grüne - der Name angelehnt an den Klimaschutz - präsentiert. OB Dudda erinnerten die Farben an den Herner EV, der am Dienstagabend knapp im Meisterschaftsfinale unterlag (halloherne berichtete).

„Der Motor im Blockheizkraftwerk arbeitet mit Grubengas, welches wir aus 300 Metern Tiefe absaugen. Dies wird in die Gasmotoren geleitet, welche dann Strom erzeugen. Nun erweitern wir das um Wärmeerzeugung“, teilte Koch mit. Beim Projekt handelt es sich um eine Investition im Bereich von rund vier bis viereinhalb Millionen Euro. Das Gas kommt aus der ehemaligen Zeche Friedrich der Große, das sonst ungenutzt in die Atmosphäre entweichen würde. Gas aus den stillgelegten Bergbauschächten gilt als 21-mal schädlicher als CO².

Stellten das Fernwärme-Projekt vor: (v.li.) Angelika Kurzawa, Pressesprecherin der Stadtwerke, Maskottchen Friedrich der Grüne, Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda und Stadtwerke-Vorstand Ulrich Koch.
v.li. Angelika Kurzawa, Pressesprecherin der Stadtwerke, Maskottchen Friedrich der Grüne, Dr. Frank Dudda und Ulrich Koch. Foto: Marcel Gruteser

Während der Bauarbeiten werden nun die Wärmeleitungen aus dem BHKW heraus zu den Gebäuden in die Von-Waldthausen-Straße bis zur Holsterhauser Straße gelegt, außerdem in der Langforthstraße und in einem Abschnitt der Gneisenaustraße. Mit den neuen Möglichkeiten können Hausbesitzer sich von Öl- und Gasheizungen und vom Schornsteinfeger verabschieden. „Es macht natürlich nun Sinn, während der Bauarbeiten einen Anschluss ins Haus legen zu lassen, da nun alles offen ist. Daher sprechen wir auch aktiv die Anwohner an“, sagt Koch.

Sonderangebot für Anschluss

Einige Anwohner hätten auch schon zugesagt. Derzeit gebe es für normale Hausbesitzer ein Sonderangebot in Höhe von 3.500 Euro für den Anschluss, nähere Informationen erteilen die Stadtwerke dazu telefonisch oder unter www.stadtwerke-herne.de/zechenring. Dennoch, räumt Koch ein, wer erst vor wenigen Jahren eine neue Heizungsanlage gekauft hätte, für den wäre das Angebot womöglich noch nicht passend - es kann aber auch später nachgerüstet werden, nur wären dann die Kosten höher. „Klar ist auch, für 3.500 Euro bekommt man sonst keine neue Heizung ins Haus“, sagt Koch.

Zwei Großkunden, davon eine Wohnungsbaugesellschaft, die rund 50 Objekte mit im Schnitt drei Wohnungen mit Fernwärme versorgen will, sowie eine weitere Firma werden Teil der neuen Wärmezufuhr. Im BHKW würden zudem zwei Gaskessel für besonders kalte Winter entstehen. Diese würden aber, wenn überhaupt, nur wenige Tage im Jahr laufen, so Ulrich Koch.

Die Baustelle vom Zechenring aus mit Blick auf die Ilseder Straße.
Die Baustelle vom Zechenring aus mit Blick auf die Ilseder Straße. Foto: Marcel Gruteser

Für Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda ist das alles eine gute Sache: „Wir investieren hier Millionen für die Entwicklung eines Stadtbezirks. Wir richten den Stadtteil mit unserem Leitmotiv ,Urban. Digital. International.' wieder auf“, sagte der Oberbürgermeister. „Das Leitmotiv Urbanität ist hier voll getroffen. Wir leisten hier einen großen Beitrag zur Reduzierung von schädlichen Gasen, so kann Horsthausen ein grüner Stadtteil werden.“ 800 Tonnen CO² sparen die Stadtwerke pro Jahr damit an Emissionen ein.

Quartier wird aufgewertet

Man würde den Anwohnern einiges zumuten, doch am Ende des Tages hätte man eine Aufwertung des Quartiers und der Immobilien. Koch sagte, dass die Arbeiten vergleichsweise schnell voran gehen würden. Anfang April 2021 haben sie begonnen, bis Ende 2022 soll alles fertig sein. Die ersten Bauabschnitte sogar schon deutlich früher, da die Arbeiten immer ein Stück weiter rücken.

Mathias Grunert, SPD-Bezirksbürgermeister für Sodingen, überzeugte sich auch vor Ort von den Bauarbeiten, zu denen ein paar Beschwerden von Bürgern beispielsweise zu weggefallenen Parkplätzen eingegangen sind. „Es ist ein massiver Eingriff, aber wir haben in der Vergangenheit immer gesagt, es muss mal etwas passieren. Ich freue mich über die vielen verständnisvollen Bürger, denn alle können früher oder später davon profitieren.“

Ein Blick in ein Blockheizkraftwerk.
Ein Blick in das Blockheizkraftwerk. Foto: Marcel Gruteser
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