Wo Schweine pfeifen

Tiergeschichten aus dem Ruhrgebiet

Eine Badewanne als Arche Noah ziert das Cover.
Eine Badewanne als Arche Noah ziert das Cover. Repro: Verlag Henselowsky und Boschmann

Dieses Buch zu lesen und dann auch zu empfehlen ist ein Vergnügen. Im wahrsten Sinn des Wortes obendrein ein tierisches, denn „Tiergeschichten aus dem Ruhrgebiet“, erzählt über pfeifende Schweine, moppernde Ziegen und Tauben, die an das Gute glauben. 32 Autoren aus dem Revier berichten auf äußert humorvolle Art und Weise über große und kleine Abenteuer sowie sonstwie bedenkenswerte Gegebenheiten über ihre kleinen Freunde, die da kreuchen und fleuchen.

Vier Erzähler stehen in enger Verbindung zu unserer Stadt, wobei die überraschendste Geschichte in diesem 260-Seiten-Produkt des Verlages Henselowsky Boschmann aus der Feder des Wanne-Eickeler Science-Fiction-Schriftstellers Hartmut Kasper stammt. Die wohl witzigste Auslassung mit großer Selbstironie verfertigt kommt von Ex-Ruhrnachrichten-Chefredakteur Hermann Beckfeld, den derbsten Humor steuert der Recklinghäuser Peter Bothe mit seiner Story über den Hahn Agamemnon bei.

Tiergeschichten aus dem Ruhrgebiet.
Tiergeschichten aus dem Ruhrgebiet. Foto: Verlag Henselowsky-Boschmann

Hartmut Kasper, der gebürtige Röhlinghauser Dr. Joachim Wittkowski, Mondpalast-Hausautor Sigi Domke und der einst in Wanne-Eickel lebende Internist und Lyrik-Wortzauberer Hubertus Janssen stehen mit ihren Beiträgen exemplarisch für die Vielfalt in thematischer und formaler Hinsicht.

Perry-Rhodan-Vater Kasper als Kurzgeschichtenschreiber zu goutieren – mit einer überaus überraschenden Pointe – das hat was. Wittkowski, Gymnasiallehrer und Lehrbeauftragter an der Ruhr-Uni Bochum, machte sich Gedanken und formulierte Notizen zum verblassenden sprachlichen Erbe der Brieftaubenzüchter im Ruhrgebiet. Sigi Domke gesteht es offen: „Wir haben eine Meise“. Ländlich im Revier wohnend, beschreibt der Schriftsteller seine Betrachtungen über flügge und groß werdende Vogelkinder auf seiner Terrasse. Last, but not least: Hubertus A. Janssens „Tierische Versgalerei“ bezeugt in sechs Gedichten die Begabung mit Worten zu zaubern und kleine lyrische Welten zu kreieren.

Liebevoll von Benjamin Bäder illustriert, finden sich auch Beiträge von Horst Dieter Gölzenleuchter, Gerd Herholz und Werner Streletz in diesem jetzt ganz aktuell erschienenen Buch, das die Bestell-Nummer ISBN 978-3-948566-02-9 trägt. Mehr Namen zu nennen ist an dieser Stelle nicht möglich. Doch jeder Autor und jede Geschichte steht stellvertretend für den „Homo ruhriensis“, der landsmannschaftlich ganz besonderen Mischung aus Cleverness, Offenheit und auch Fröhlichkeit. Dem Verleger Werner Boschmann sei gedankt.

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