„WeltHütte“ am Schauspielhaus Bochum

Zwei Online-Premieren am 2. Mai

Jele Brückner bestreitet mit „Liebe - Eine argumentative Übung“ am 2. Mai 2021 den Auftakt der neuen Spielstätte „WeltHütte“ am Schauspielhaus Bochum.
Jele Brückner bestreitet mit „Liebe - Eine argumentative Übung“ am 2. Mai 2021 den Auftakt der neuen Spielstätte „WeltHütte“ am Schauspielhaus Bochum. Foto: Birgit Hupfeld

Mit der „WeltHütte“ eröffnet das Schauspielhaus Bochum am 2. Mai 2021 eine neue Spielstätte im Mittleren Foyer des Theaterschiffs an der Königsallee. Sie ist durch die große Fensterfront zum Theatervorplatz auch von außen gut sichtbar als kalkulierter Fremdkörper im legendären 1950er-Jahre-Design des Gebäudes: eine Blechhütte, die einerseits Schutzraum und Zuhause sein kann als auch Assoziationen weckt an unmenschliche Orte wie Hangar, Scheunen und Lager. „WeltHütte“ bedeutet: Dorf trifft Welt, Heimat trifft Fremde, Schutz trifft Unsicherheit, „ich“ trifft „ihr“, Isolation trifft Freiheit.

Das Gebäude wurde ursprünglich von der Künstlerin Anna Viebrock für eine Inszenierung der Ruhrtriennale 2018, „Universe Incomplete“ in der Jahrhunderthalle Bochum entworfen. Im Schauspielhaus sollen nun rund um das Gebäude Aufführungen entstehen, die eine besondere Nähe zwischen Publikum und Akteuren ermöglichen – sobald es das Corona-Infektionsgeschehen wieder zulässt. In der Zwischenzeit werden die Inszenierungen als adaptierte Filmversionen online zu sehen sein.

Den Auftakt machen am Sonntag, 2. Mai 2021, um 18 Uhr zwei Inszenierungen, die, inspiriert vom Aufführungsort, einen Blick hinter die bürgerliche Fassade „unter deutsche Dächer“ werfen und dort sowohl auf neue Konfliktfelder stoßen als auch auf utopische gesellschaftliche Visionen.

Bernd Rademacher, hier links als Polonius im „Hamlet“ neben Dominik Dos-Reis, spielt in Sibylle Bergs „Viel gut essen“.
Bernd Rademacher, hier links als Polonius im „Hamlet“ neben Dominik Dos-Reis, spielt in Sibylle Bergs „Viel gut essen“. Foto: JU Bochum

„Liebe - Eine argumentative Übung“ von der israelischen Autorin Sivan Ben Yishai ist ein modernes, virtuoses Beziehungsdrama, in dem das Publikum bei Comic-Held Popeye durchs Schlüsselloch blickt aus der Perspektive seiner oft übersehenen Freundin Olivia Öl (Jele Brückner). Sie wird hier zur Hauptfigur: Mit ihr lernen die Zuschauer das Paar bis in seine intimsten Begegnungen kennen. Tabulos und mit viel Humor will das Stück einen Reflexionsraum für Männer und Frauen schaffen, der nur scheinbar eine private Geschichte erzählt. Den Monolog inszeniert die Bochumer Regieassistentin Zita Gustav Wende, die in Wien, Berlin und Stuttgart studierte und u.a. bei René Pollesch und Johann Kresnik an der Volksbühne Berlin lernte.

Im direkten Anschluss folgt „Viel gut essen“. Darin lässt die mehrfach ausgezeichnete Autorin Sibylle Berg einen modernen Jedermann über den Zustand unserer Gesellschaft schimpfen, klagen, räsonieren: Ein Mann (Bernd Rademacher) steht am heimischen Herd, und während er aus feinsten Zutaten ein mehrgängiges Menü kocht, lässt er seinen Gedanken freien Lauf. Weiß, heterosexuell, gut bürgerlich und gesund, hat er beruflich nicht ganz das Erwartete erreicht, nicht ganz die erhoffte Familie gegründet, und nun wird auch noch sein Wohnviertel gentrifiziert. Das von Anna Stiepani (zuletzt „Robinson“ im Fiege-Brauereihof) inszenierte „feel good“-Essen gerät zu einem explosiven Cocktail aus Selbstmitleid und Wut, denn es braut sich etwas zusammen im Staate Deutschland.

Beide Filmadaptionen der Inszenierungen werden am Sonntag, 2. Mai 2021, ab 18 Uhr nacheinander erstmals online gestreamt. Am Premierenabend wird es jeweils nach den Filmen kurze Nachgespräche mit den Regisseurinnen und Schauspielern geben, an denen sich das Publikum per Live-Chat beteiligen kann. Nach dem Premierentag sind die Filme bis zum 31. Mai 2021 als Videos on demand im Online-Spielplan des Schauspielhaus Bochum zu sehen. Der Vorverkauf für die Doppelpremiere in der neuen WeltHütte läuft über die Website des Schauspielhauses Bochum. Dabei haben die Interessenten die Möglichkeit, einen individuellen und selbstbestimmten Eintritt zu bezahlen, der vom „Low-Budget-Ticket“ für 5 Euro über das reguläre Ticket für 15 Euro bis zum „Ermöglicher-Ticket“ für 50 Euro reicht – für diejenigen, die den Kartenkauf mit einer Spende verbinden möchten.

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Sonntag, 02. Mai 2021, um 18 Uhr
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