Verdienstmedaille für den Mann mit dem Zylinder

Graf Hotte ordentlich ausgezeichnet

Verleihung Bundesverdienstorden an Horst Schröder
Verleihung Bundesverdienstorden an Horst Schröder Foto: Björn Koch
Verleihung Bundesverdienstorden an Horst Schröder
Verleihung Bundesverdienstorden an Horst Schröder Foto: Björn Koch

Großer Bahnhof für einen Freund mit Zylinder: Die komplette Mondritterschaft von Wanne-Eickel versammelte sich am Mittwoch (27.5.2020) - nun gut, nicht in voller Montur, aber jeder mit seinem schwarzen Ritter-T-Shirt - im großen Sitzungssaal des Herner Rathauses - alle, bis auf Ehrenritter Pfarrer Horst Heinrich. In ihrer Mitte Graf Hotte, der im bürgerlichen Leben Horst Schröder heißt. Er bekam vom Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Überreicht wurde sie ihm an diesem Morgen vom Oberbürgermeister der Stadt Herne, Dr. Frank Dudda.

„Ehre, wem Ehre gebührt"

Graf Hotte singt das Steigerlied in der Halle der Veranstaltungstechnik MMT in Holsterhausen.
Graf Hotte singt das Steigerlied in der MMT Halle in Corona-Zeiten. Foto: Carola Quickels

„Ehre, wem Ehre gebührt - auch in Corona-Zeiten“, sagte Dr. Dudda gleich zu Beginn und verwies darauf, dass er so noch nie eine Ehrung vorgenommen hätte: Kein Händeschütteln zur Begrüßung, kein Schütteln zur Ehrung, kein Überreichen der Urkunde und vor allen Dingen „darf ich Ihnen auch die Medaille nicht nicht anheften“ bedauerte der OB, der sich freute einem „Weggefährten und Freund“ diese besondere Auszeichnung überreichen zu dürfen. „Verliehen wird dieser Orden nur für Leistungen, die in besonderem und außergewöhnlichem Maße im politischen, sozialen, wirtschaftlichen Sinne der geistigen Arbeit unseres Staates dienen.“

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Verleihung des Bundesverdienstordens an Horst Schröder

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„Das ist ganz großes Kino“

Kilometerfresser übergaben die Spende.
Ein Assistenzhund für Daimon: Kilometerfresser übergaben die Spende. Foto: Robert Freise

Damit verwies der Oberbürgermeister auf das Engagement, mit dem sich Horst Schröder seit Jahren unermüdlich für die unterschiedlichsten sozialen Belange in seiner Heimatstadt Wanne-Eickel einsetzt, die es so ja eigentlich nicht mehr gibt. Sie wurde am 1. Januar 1975 mit der kreisfreien Stadt Herne zusammengeschlossen. Aber Schröders Wirken überschreitet auch Stadtgrenzen. Wer in finanzieller Not ist, der kann mit seiner Unterstützung rechnen. Dafür trällert er Solo, oder bis August 2019 auch mit seiner Rockformation - Good Vibration - um seine Hilfsbereitschaft zu finanzieren. Der eingefleischte Wanne-Eickeler hat den Vorteil, dass er nicht von seiner Musik leben muss. So ist es ihm schon seit Jahren möglich, alle Einnahmen für die unterschiedlichsten sozialen Projekte zu verwenden.

„Im Fokus die Schwachen“

Der Nikolaus und die Mondritter.
Der Nikolaus und die Mondritter. Foto: Stefan Kuhn

Im Oktober 2010 gründetet er mit Freunden die Mondritterschaft von Wanne-Eickel. Diese Zusammenkunft aus Unternehmern und Künstlern organisiert gemeinsam Stadtteil- und Familienfeste, mit dem so eingenommenem Geld können weitere unzählige Hilfsorganisationen finanziert werden. Zentrale Figur aller Aktivitäten ist dabei immer Horst Schröder. Aus der Urkunde zur Verleihung der Medaille liest Dudda - der bei der Gründung der Mondritter von einer Spaßrunde ausging - die Begründung vor: „Ihr persönlicher Einsatz für Ihre Heimatstadt ist vorbildlich und beispielhaft.“

Aus der Mondritterschaft heraus kam auch die Idee, den Freund und Mondritter - Graf Hotte - für die Verleihung des Ordens vorzuschlagen. Mondritter Reinhold Frank: „Ich bin auf die Idee gekommen, als ich von den vielen Prominenten gelesen haben, die viel Geld haben, sich für bestimmte Projekte einsetzen und dafür die Medaille erhalten. Da war es für mich überhaupt keine Frage: Wenn nicht unser Graf Hotte, wer dann? Schließlich ist er seit Jahren für andere unterwegs.“

Sandra und Horst packen Weihnachtstüten für die Heimkinder.
Sandra und Horst packen Weihnachtstüten für die Heimkinder. Foto: Carola Quickels

Um nur einige Projekte zu nennen die Horst Schröder ins Leben gerufen hat oder mit seinen Mannen unterstützt, kommt hier eine kleine Auswahl:

  • Die Mondritterschaft Wanne-Eickel hat die Zehn vollgemacht: Mittlerweile gibt es zehn Schul-Patenschaften für das Projekt Seepferdchen und zwei Patenschaften mit Kindergärten in Kooperation mit der DLRG Ortsgruppe Wanne-Eickel, die den Kindern das Schwimmen beibringen. Bezahlt von den Mondrittern.
  • Seit Jahren organisiert Schröder mit den Mondrittern Weihnachtsfeiern für über 160 Kinder aus den umliegenden Kinderheimen: Geschenke, Essen und Getränke, gemeinsames Singen und als Höhepunkt für die Kleinsten kommt der Weihnachtsmann vorbei.
  • Ebenfalls seit Jahren fest im Kalender notiert ist der gemeinsame Ausflug zur Cranger Kirmes mit dem Heimkindern. Speisen, Getränke und Fahrpässe für jedes Kind inklusive.
  • Jährliche Nikolaus-Feier in Verbindung mit dem Mondweihnachtsmarkt: Im Vorfeld werden 1.000 Nikolaustüten gefüllt und an alle Kinder im Stadtteil Unser-Fritz abgegeben.
  • Nicht zu vergessen die Weihnachtsfeier für Bedürftige, mit einem Weihnachts-Essen, Getränken und kleinen Geschenken.
  • Spenden an Bettzeug, Decken, Speisen und Getränke für Flüchtlinge vor Ort.
  • Als Osterhase war Horst Schröder jahrelang in seinem Heimatstadion - dem Horststadion - unterwegs.
  • Unzählige Hilfsaktionen hat er angestoßen, wie zum Beispiel die Finanzierung der Ausbildung eines Assistenzhundes für einen kleinen schwerbehinderten Jungen.
Graf Hoppel im Gespräch.
Graf Hoppel im Gespräch. Foto: Robert Freise

Seit Beginn des Jahres 2018 gehört Horst Schröder der Geschichtsgruppe Die Vier! an. Gemeinsam recherchieren sie die unterschiedlichsten stadtgeschichtlichen Themen - aus Herne und Wanne-Eickel. „Damit setzt er sich auch für die Stärkung des Heimatgefühls in seiner Heimatstadt ein und versteht sich als Brückenbauer für ein Zusammengehörigkeitsgefühl und gegenseitiges Verständnis unter den Bürgern“, so Dr. Dudda weiter.

Verleihung Bundesverdienstorden an Horst Schröder
Glückwunsch und ein ganz großes DANKE. Foto: Björn Koch

Für sein Gesamt-Engagement wurde Horst Schröder im August 2017 mit der Ehrenamtsnadel der Stadt Herne ausgezeichnet. OB Dr. Dudda sagte dazu am Mittwoch: „Das fanden wir damals ja schon ganz toll. Aber das hier, das ist eine ganz andere Nummer. Wir freuen uns, dass Sie nicht aufgehört haben und sich weiter engagieren. Sie sind geprägt von Sachverstand, Initiative und vor allem sind Sie mit ganzem Herzen dabei.“

Lange Wartezeit bis zur Ehrung

Ehrennadel für Graf Hotte - Horst Schröder.
Ehrennadel für Graf Hotte - Horst Schröder. Foto: Robert Freise

Über zwei Jahre hat es gedauert, vom ersten Anschreiben bis zur Bestätigung, dass der Vorgeschlagene die Ehrung erhält. Mondritter Reinhold Frank, der die Ritterschaft auf die Idee gebracht hat, Schröder für sein Engagement vorzuschlagen sagt: „Ich bekam erst am Samstag (23.5.2020) die positive Nachricht von der Staatskanzlei. Seit dem ersten Schriftwechsel zur Ordensanregung sind somit fast zwei Jahre vergangen. Ich bin wirklich froh darüber, dass es doch noch geklappt hat. Zwischenzeitlich habe ich schon gar nicht mehr damit gerechnet.“ Alle Mondritter hätten in dieser Zeit still gehalten und ihrem Grafen nichts von ihrem Vorhaben verraten.

Glückwunsch

Pressekonferenz zum 8. Mondweihnachtsmarkt.
v.l. Reinhold Frank, Gerd Herzog, Graf Hotte. Pressekonferenz zum 8. Mondweihnachtsmarkt. Foto: Carola Quickels

Wenn es mehr Personen vom Schlage Horst Schröders geben würde, sähe es in der Welt ein wenig besser aus. Viele Menschen haben Schröders unkonventionellem Engage­ment viel zu ver­danken!

Zu Recht bekam er dafür vom Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Die Mondritter warten auf der Rathaustreppe coronagerecht auf die Auszeichnung für ihren Hotte.
Die Mondritter warten auf der Rathaustreppe coronagerecht auf die Auszeichnung für ihren Hotte. Foto: Carola Quickels
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