Stralsund - Blutige Fährte

Krimi mit Wotan Wilke Möhring

Die Stralsunder Kommissarin Nina Petersen (Katharina Wackernagel) und ihr Kollege Benjamin Lietz (Wotan Wilke Möhring) waren früher mal ein Paar.
Die Stralsunder Kommissarin Nina Petersen und ihr Kollege Benjamin Lietz waren früher mal ein Paar. Foto: ZDF/Georges Pauly

Meerwasseraquarium Stralsund. Ein junger Mann, der sich offenbar bewusst im Halbschatten aufhält, beobachtet ein Pärchen. Und verfolgt es bis an den Strand, wo die beiden sich im Auto lieben. Doch die Frau beschleicht das Gefühl, beim Sex beobachtet zu werden. Sie hat sich nicht getäuscht...

Sex hatten offenbar auch Nina Petersen (Katharina Wackernagel) und Benjamin Lietz (der Herner Schauspieler Wotan Wilke Möhring). Nicht zum ersten Mal. Aber erstmals wieder nach längerer Zeit: „Dies ist ein Neuanfang, oder?“ fragt er seine BKA-Kollegin. Bevor er zu einem Einsatz gerufen wird, während sie noch im Bett bleiben kann.

Nina Petersen (Katharina Wackernagel) muss mir ihrem Kollegen Karl Hidde (Alexander Held, r.) bei ihrem Vorgesetzten Meyer (Michael Rotschopf) antanzen.
Nina Petersen (Katharina Wackernagel) muss mit ihrem Kollegen Karl Hidde (Alexander Held, r.) bei ihrem Vorgesetzten Meyer (Michael Rotschopf) antanzen. Foto: ZDF/Georges Pauly

„Bleib' aus der Schusslinie“, ruft Nina ihm noch nach. Aber Benjamin scheint das Pech nachgerade anzuziehen. Eigentlich stürmt das SEK nur die Wohnung eines Dealers. Doch bereits ein Stockwerk tiefer kommt es zu einem folgenreichen Schusswechsel, nachdem sich sein Chef Gregor Meyer (Michael Rotschopf) gezwungen sieht, Lietz aus dem Verkehr zu ziehen.

Der hat nämlich das Feuer durch eine geschlossene Wohnungstür erwidert, um seinem verletzten Kollegen Gelegenheit zu geben, sich in Sicherheit zu bringen. Dem ersten Augenschein nach, hat Lietz den Mann, der auf einen Bürostuhl gefesselt für die Beamten unsichtbar hinter der Wohnungstür saß, erschossen. Allerdings den Blutspuren nach zu urteilen auch den durch ein Fenster geflüchteten Täter getroffen.

Nun muss Nina nicht nur für den vom Fall abgezogenen Benjamin einspringen, sondern ihn auch noch als Zeuge verhören. Lietz, der mit einem internen Verfahren wegen fahrlässiger Tötung rechnen muss, kann ein Phantombild des Täters erstellen, dass zunächst aber nicht weiterhilft. Der Polizeitechniker Stein (Andreas Schröders) wird zum wichtigsten Mann, denn die Ermittlungen konzentrieren sich auf den getöteten Webdesigner Alex Berger. Der war Geschäftsführer einer offenbar seriösen Online-Partnervermittlungsagentur. Auch im privaten Umfeld des Ermordeten gibt es keinerlei Hinweise auf ein mögliches Motiv.

Stein sorgt zumindest im Team für Entspannung, als sich herausstellt, dass die tödliche Kugel im Körper Bergers nicht aus der Polizeiwaffe Benjamins stammt. Lietz ist wieder dabei – und doch auch befangen. In der Wohnung sind auf dem Schreibtisch Fotos u.a. von vier Frauen gefunden worden, deren Rückseiten jeweils mit einem Kreuz und einem Datum versehen sind. Handelt es sich um eine Todesliste? Bei der Auswertung entdecken die Ermittler, dass auf einem Foto ihr Kollege Benjamin Lietz zu sehen ist.

Das Team versucht die Identitäten der anderen auf der Liste zu klären. Sie stehen vor der Frage, ob sie die Fotos veröffentlichen sollen, um die Betroffenen zu warnen, oder ob sie sie zurückhalten sollen, um dem Mörder nicht zu signalisieren, dass sie ihm auf den Fersen sind. Lietz hat auf einem Bild die Frau erkannt, mit der er sich vor vier Monaten, als die Freundschaft mit der Kollegin Nina zerbrach, einmal getroffen hat: Sina Müller alias Britta Kamps (Isabell Gerschke). Kennengelernt hat er sie über die Internet-Partnervermittlung Alex Bergers. Als er Britta als potentielles nächstes Opfer des Mörders warnen will, findet er sie in ihrer Wohnung tot auf.

Währenddessen hat Stein über die Rekonstruktion gelöschter Festplatten herausgefunden, dass der Täter den Geschäftsführer der Online-Agentur gezwungen hat, sich von außen in das System zu loggen. So ist er wahrscheinlich an die persönlichen Daten seiner Opfer gekommen. Doch nach welchem Muster sucht er diese aus? Fest steht, dass er vier Malven-Sträuße auf dem Blumen-Großmarkt gekauft hat. Für Nina Petersen und Benjamin Lietz beginnt ein gnadenloser Wettlauf gegen die Zeit...

„Blutige Fährte“ des Kölner Regisseurs Martin Eigler („Schatten der Angst“, „Blutgeld“, „Freigang“) nach einem Drehbuch von Sven Poser offenbart die akribische Recherchearbeit der Kriminalpolizei. Wer der Täter ist, ein gewisser Boris Gerg (Manuel Rubey), ist für den Zuschauer sogleich klar. Auch wer die Frau ist, die sich im vierrädrigen Liebesnest zwischen Strandkörben zu recht beobachtet fühlte: die ebenfalls zum Pool der Dating-Agentur gehörende Apothekerin Maria Dahlke (Sandra Borgmann). Zu der sich der schwer verwundete Gerg flüchtet, nachdem seine Identität durch die vergleichende Untersuchung der Anruf- und Kundenlisten des Getöteten aufgeflogen ist.

Spannung erzeugt der von Christoph Chassée konventionell gedrehte TV-Serienkrimi ausschließlich aus dem Wettlauf zwischen der Polizei und dem psychopathischen Frauenhasser, welcher nun schon zwei Menschen auf seinem Gewissen hat. Martin Eigler hat mehrere auf den ersten Blick überflüssige Nebenhandlungen eingefügt, von der angezweifelten Einsatzfähigkeit des beinamputierten Kriminalhauptkommissars Karl Hidde (Alexander Held) über das meereswellenartige Auf und Ab der Beziehung zwischen den beiden Kriminalkommissaren Nina und Benjamin bis hin zu Ninas in der Hafenkneipe „Zum goldenen Anker“ Schach spielendem und offenbar betreuungsbedürftigem Vater Niklas Petersen (Dietmar Mues).

Auf den zweiten Blick sind diese Nebenkriegsschauplätze notwendige Ablenkungsmanöver, um die Spannung bis zum dann doch überraschenden Showdown aufrecht zu erhalten: In „Blutige Fährte“ gibt es nämlich keine falschen Spuren, sondern nur die eine Fährte zu einem für die Zuschauer schon gleich zu Beginn enttarnten Mörder. Die Network Movie-Produktion Wolfgang Cimeras aus dem Jahr 2011, Folge drei der ersten „Stralsund“-Staffel, strahlt ZDF Neo am Sonntag, 22. November 2020, um 21:45 Uhr aus. Sie ist am gleichen Tag bereits ab 10 Uhr sowie in der Folgezeit kostenlos in der ZDF-Mediathek abrufbar.

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Sonntag, 22. November 2020, um 21:45 Uhr
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