Skulpturen für den Emscherkunstweg

'Neustadt' auf Reisen

'Neustadt'- eine großflächige Installation aus Gebäudeskulpturen, entworfen von Julius von Bismarck in Zusammenarbeit mit Marta Dyachenko, startete am Sonntag, 28.3.2021, die Reise von Berlin nach Duisburg.
'Neustadt'- eine großflächige Installation aus Gebäudeskulpturen, entworfen von Julius von Bismarck in Zusammenarbeit mit Marta Dyachenko, startete am Sonntag, 28.3.2021, die Reise von Berlin nach Duisburg. Foto: Heinrich Holtgreve

Unter dem Titel 'Neustadt' hat der Künstler Julius von Bismarck in Zusammenarbeit mit der Künstlerin Marta Dyachenko eine großflächige Installation aus Gebäudeskulpturen entworfen. Seit Sonntag (28.3.2021) sind die Skulpturen auf einem Binnenschiff ab Berlin in Richtung Ruhrgebiet - Duisburger Hafen - unterwegs. Die Skulpturen 'Neustadt' sollen in Duisburg den Emscherkunstweg erweitern. Möglich macht dieses 'Kunststück' die Kooperation der Partner Urbane Künste Ruhr, Emschergenossenschaft und Regionalverband Ruhr.

Das Werk umfasst 21 Skulpturen, die am Berliner Borsighafen auf ein Pontonschiff verladen wurden. Quer durch Deutschland geht es jetzt über den Mittellandkanal, den Dortmund-Ems-Kanal und den Rhein-Herne-Kanal bis nach Duisburg. Der ungewöhnliche Kunsttransport ist Teil des künstlerischen Konzepts von 'Neustadt', das aus Gebäuden besteht, die seit der letzten Jahrtausendwende im Ruhrgebiet abgerissen wurden. Im Maßstab 1:25 haben Marta Dyachenko und Julius von Bismarck ehemalige Wohnhäuser, Schulen, Spaßbäder, Kirchen, Bunker und weitere Gebäude als skulpturale Modelle aus Beton und Stahl wieder zum Leben erweckt. Am Landschaftspark Duisburg-Nord entsteht so eine fiktive Stadtstruktur aus abgerissenen Gebäuden im Modellformat.

Mit der Arbeit werfen von Bismarck und Dyachenko nicht nur Fragen zur Entwicklung von Städten und zur Bewertung von Architektur auf, sondern auch zur Nachhaltigkeit. Die ökologischen Fragestellungen spiegeln sich in ihrer Entscheidung, die Skulpturen per Schiff zu transportieren. Einerseits beziehen sie sich auf die Bedeutung der Wasserwege für den Gütertransport und der damit verbundenen Umgestaltung der Landschaft. Andererseits widerspricht es schlicht unserer gewohnten Zeitökonomie, den Transport zu entschleunigen und auf mehrere Tage auszudehnen. Vielmehr begreifen die Künstler den Transport als performativen Akt.

Sie sind selbst Passagiere und dokumentieren die Schifffahrt, ihre eigene Reise und die der Gebäudeskulpturen sowohl filmisch und fotografisch als auch über Gespräche, die aufgezeichnet werden. Nicht zuletzt erzeugt der performative Akt das Bild einer schwimmenden Stadt, die urbane und ländliche Gebiete durchquert und unsere Perspektive verdreht: Statt, dass die Landschaft an uns vorbeizieht, weil wir uns in einem Fahrzeug bewegen, schwimmt beim Kanalspaziergang plötzlich eine Stadt an uns vorbei. Wer einen Blick auf die schwimmende Stadt erhaschen möchte, kann die Fahrt des Pontonschiffes 'MUDLON 09' unter diesem Link verfolgen.

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