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Grundschüler der Laurentiusschule mit ihren neuen Rädern: Die Sitzprobe ist schon einmal gelungen, gleich startet die Runde über den Schulhof.

Mondritter helfen Kindern auf den Drahtesel

Sieben Fahrräder für die Laurentiusschule

Die Männer der Mondritterschaft von Wanne-Eickel sind gerade in der Vorweihnachtszeit gefragt: Waren sie in dieser Woche schon in Sachen Obst unterwegs (halloherne berichtete), so sind sie nur wenige Tage später in Sachen Fahrräder aktiv.

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Um es gleich vorwegzunehmen: Nein, die Räder sind nicht für die Ritter, sondern für die Grundschüler der Laurentiusschule in Unser Fritz. Am Mittwoch (29.11.2023) fuhr ein Anhänger an besagter Schule vor – beladen mit sieben Kinderfahrrädern für die Schüler.

Kinder und Verkehrssicherheit

Natürlich nehmen die Grundschüler die neuen Fahrräder sofort genau unter die Lupe.

Denn an dieser Grundschule wird das Thema „Kinder und Verkehrssicherheit“ besonders großgeschrieben. Schulleiterin Martina Nissalk: „Die Verkehrserziehung fängt bei uns im ersten Schuljahr – mit der Schulwegbegehung – an. Das Thema begleitet die Kinder durch ihre Grundschulzeit, wird im dritten Schuljahr im Sachunterricht behandelt und mündet im vierten Schuljahr in einem intensiven Radfahrtraining mit einer fahrpraktischen Übung auf der Straße unter Aufsicht eines Verkehrssicherheitsberaters und der Bezirksbeamten der Polizei.“

Leihfahrräder gesucht

Einige der Grundschüler testen die neuen schuleigenen Fahrräder natürlich sofort auf dem Schulhof.

Allerdings nutzen Kinder heute immer seltener ein Fahrrad und sind somit immer seltener sichere Fahrradfahrer. Und es gibt in jeder Klasse Kinder, die gar kein eigenes Fahrrad haben. Vor diesem Hintergrund kamen die Kollegen auf ihre Schulleiterin zu und sagten: „Wir bräuchten dringend Leihfahrräder, damit wir alle Kinder ordnungsgemäß auf die Radfahrübung vorbereiten können.“

Klar, die neuen Räder müssen sofort ausprobiert werden.

Mit dem Leihräder-Vorschlag rannten sie bei der Tochter eines Verkehrssicherheitsberaters der Polizei in Gelsenkirchen, die seit Kindertagen eine erhöhte Aufmerksamkeit für dieses Thema hat, offene Türen ein. „Die Fähigkeit ein Rad sicher zu führen, nimmt immer weiter ab, während der Verkehr immer komplexer wird“, unterstreicht Martina Nissalk die Wichtigkeit dieses Themas.

„Wir hatten an der Schule schon immer Kinder, die kein eigenes Rad hatten, allerdings werden es immer mehr. Aktuell ist die Haushaltssituation in den einzelnen Familien noch viel angespannter. Da kaufst du nicht mal eben für 300 Euro ein Fahrrad fürs Kind“, weiß die Schulleiterin.

Schulleiterin weiß Rat

Die neuen schuleigenen Fahrräder im Test.

Aber Nissalk wusste – zumindest für 'ihre‘ Schulkinder – Rat. Sie nahm Kontakt mit Horst Schröder von den Mondrittern auf und erzählte von ihrem Bedarf an Kinderrädern – drei Stück sollten es sein. Klar, dass die Mondritter da sofort ihre Hilfe zusagten.

Schröder ging also zum Wanner Fahrradhändler seines Vertrauens – Zweirad Reinhardt – und wollte die Kinderräder bestellen. Der Chef, Frank Reinhardt, nahm die Bestellung zwar auf, sagte dann aber: „Ich finde die Idee so toffte, die Räder bezahlen wir!“

Zweirad Reinhardt für die gute Sache

Frank Reinhardt, Inhaber von Zweirad Reinhardt.

Für Reinhardt sei es keine Frage gewesen, sich für diese gute Sache zu engagieren und sagt: „Jedes Kind sollte die Chance haben, das Radfahren zu erlernen. Ein eigenes Fahrrad, das ist heute leider keine Selbstverständlichkeit mehr, darum möchte ich ein klein wenig dazu beitragen, dass mehr Kinder die Möglichkeit haben, mit einem (eigenen) Leihfahrrad die Sicherheit des Radelns zu erlernen."

In der Zeit bis die bestellten Fahrräder geliefert wurden, „das dauert ja immer ein paar Tage“, erzählt Horst Schröder, „haben wir vier weitere (gebrauchte) Kinderfahrräder gekauft. Die wurden kostenfrei in der Werkstatt von Zweirad Reinhardt – vom Chef und seinem Mitarbeiter Jürgen Apostel – fahrtechnisch auf Vordermann gebracht.“ Außerdem versichern Chef und Mitarbeiter, dass sie selbstverständlich den Support der insgesamt sieben schuleigenen Leihräder übernehmen.

Freude bei allen Beteiligten

Auf dem Schulhof der Laurentiusschule werden die neuen Räder sofort getestet.

An der Laurentiusschule ist die Freude darüber groß – sowohl bei den Schülern, beim gesamten Kollegium als auch bei der Schulleiterin, die im halloherne-Gespräch sagt: „Dass wir den Kindern die Chance geben, das zu lernen was notwendig ist, das hat natürlich auch was mit Bildungsgerechtigkeit zu tun.“

Aber auch die Kinder strahlen. Miley (10), Joseph (9), Tayler (10) und auch Linus (9) sagen stellvertretend für alle Schüler unisono: „Jetzt können auch die Kinder, die kein Fahrrad haben, mit uns auf dem Schulhof üben und müssen nicht nur zuschauen. Das macht doch viel mehr Spaß.“

Zudem können nun alle Kinder gemeinsam auf dem Platz der nahegelegenen stationären Jugendverkehrsschule – die im April 2022 eröffnet wurde – das sichere Radeln üben. Sozusagen auf fast eigenen Rädern.

stehend v.l. Frank Reinhardt und Jürgen Apostel von Zweirad Reinhardt; auf den Rädern v.l. Mondritter Horst Schröder, Volker Lange und Gerd Herzog.
| Autor: Carola Quickels