Schutz für das Shoah-Denkmal

Das Shoah-Denkmal.
Das Shoah-Denkmal. Foto: Robert Freise

Die Entwicklung der Schutzvorrichtung für das Shoah-Denkmal auf dem Willi-Pohlmann-Platz ist auf einem guten Weg, dauert aber länger als anfangs vermutet. Der Grund: Nach mehrfachen Überarbeitungen wird ein spezieller Prototyp der Konstruktion erstellt. Vertreter des städtischen Gebäudemanagement und der beteiligten Firmen sowie der Künstler Winfried Venne trafen sich am Mittwoch (31.10.2018) in Waltrop zum Probelauf für die von der Firma Middeldorf und Söhne entwickelte Öffnungsmechanik.

Schneckengetriebe

Ulrich Graeve vom Gebäudemanagement testet das Schneckengetriebe. Dieter Röber (Statiker), Dirk Godau (Architekt) und der Künstler Winfried Venne beobachten den Vorgang genau.
Ulrich Graeve (r.) testet unter Beobachtung. Foto: Horst Martens, Stadt Herne

Das mehrfach geschändete Shoah-Denkmal soll durch ein Portalsystem geschützt werden, das sich auf Schienen nach zwei Seiten hin öffnet und schließt. Das Konstruktionsbüro stellte nun den ersten von vier Teilen der Öffnungsmechanik vor. „Die Konstruktion soll einfach zu bedienen sein, gleichzeitig massiven Angriffen standhalten und wenig störanfällig sein“, sagte der Architekt Dirk Godau. Außerdem soll das Kunstwerk seine Strahlkraft behalten. Dabei sind die Entwickler auf eine Idee gekommen: Sie setzen eine Spindel in Form eines Schnecken-Getriebes ein, das verhindert, dass die Tore sich zu schnell schließen und dadurch beschädigt werden. Bevor die jetzt endgültige Variante abgesegnet wurde, waren unterschiedliche technische Lösungen ausprobiert worden. Einbezogen in die Planung, Konstruktion und Fertigung der Schutzvorrichtung waren auch die Schöpfer des Shoah-Denkmals, Winfried Venne und Gabriele Graffunder. In Waltrop betonte Venne: „Der Entwicklungsprozess ist eine komplexe Geschichte, deshalb zieht er sich so lange hin. Im Grunde genommen handelt es sich um eine Produktentwicklung. Wir haben aber Lösungen gefunden, die man nicht so einfach aus der Schublade zieht.“ Es sei keine industrielle Fertigung, die Teile würden handgefertigt.

Wie ein Segel im Wind

Details der Konstruktion.
Details der Konstruktion. Foto: Horst Martens, Stadt Herne

Ebenfalls dabei war der Ingenieur Dieter Röber, der für die Standsicherheit zuständig ist. „Die Schutzvorrichtung ist wie ein Segel im Wind“, erklärt Röber, „auf das große Kräfte wirken. Daher muss die Standsicherheit gewährleistet sein.“ Eine spezielle Befestigung ist not- wendig, denn diese schwere, aus Stahl bestehende Vorrichtung steht im Grunde auf der Tiefgarage des Kulturzentrums. „Die Lasten werden großflächig auf dem Boden verteilt“, so Röber. „Alles ist im Fluss“, bestätigt Ulrich Graeve vom städtischen Gebäudemanagement, „die Grundkonstruktion funktioniert.“ Das bedeutet: Die Konstruktionsfirma kann nach gleichem Muster die drei anderen Torteile (zwei vor dem Denkmal, zwei hinten) herstellen. Wenn die vier Tore fertig sind, werden sie nach Süddeutschland transportiert, wo eine Firma die Platten aus Baubronze montiert. Gestaltet werden die Platten mit dem Herner Stadtplan, auf dem die Nahtstellen der jüdischen Verfolgung eingraviert sind. In der Branche herrschen extreme Lieferzeiten: Solche Platten werden nicht auf Vorrat produziert, deshalb hatte sich die Beschaffung in die Länge gezogen. Anschließend gelangt die fertige Schutzvorrichtung – Grundkonstruktion und daran befestigte Platten – wieder nach Waltrop, wo dann das Finish erfolgt.

Umbau im Mai

Die Experten vor der Öffnungskonstruktion.
Die Experten vor der Öffnungskonstruktion. Foto: Horst Martens, Stadt Herne

Voraussichtlich von Mai bis Mitte Juni 2019 wird die Konstruktion dann installiert. Für die Montage auf dem Willi-Pohlmann-Platz sind bestimmte Witterungsbedingungen erforderlich: Wegen der Segelwirkung der Platten muss Windstille herrschen, außerdem sind Temperaturen von mehr als fünf Grad notwendig. „Sie ahnen nicht, wie viel Gehirnschmalz dahinter steckt“, sagt Ulrich Graeve vom Gebäudemanagement. Gut 30 Personen sind mit dem Werk befasst. Jetzt ist Graeve vom Ergebnis „beeindruckt und zufrieden“. Die Kosten stehen wie gehabt bei 235.000 Euro. „Wir haben mit großem ideellen Aufwand an den Verbesserungen gearbeitet“, resümiert Christian Lammers, der Geschäftsführer der Firma Middeldorf. „Dabei wurde von allen Beteiligten viel Interesse und Engagement eingebracht. Ich bin stolz, am Vorhaben mitgewirkt zu haben.“ Ist die Konstruktion installiert, wird sie tagsüber geöffnet und abends - zum Schutz des Denkmals - wieder geschlossen.

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