Projekt an der Quinoa-Sekundarschule
Schüler entwerfen ihren Unterricht selbst
Das ist der Hammer: Vor der Quinoa-Sekundarschule parkt der Wünschewagen des Arbeiter Samariter Bundes. Drinnen, mitten im bunten Treiben auf dem Flur, stellen Schüler Bildszenen alkoholisierter Menschen dar, aus einem Klassenraum wummert Haftbefehl, und als wäre alles nur ein Spiel, da stellt das Bestattungsunternehmen Wachtel auch noch einen echten Sarg zur Verfügung.
Was ist denn da los? Ist das wirklich Schule? Rektorin Barbara van der Wielen nimmt alles ganz gelassen, als gehöre es zum Konzept: „Ja. Statt Wissen einfach zu übernehmen, lassen wir die Schüler zuerst fragen – und entwickeln aus ihren Fragen Themen, die an wöchentlichen Projekttagen gründlich erkundet werden. Lernen ist dann am wirksamsten, wenn es aus eigenem Antrieb kommt.“
'Der Wissendurst ist riesig'
Der Wissensdurst der jungen Leute ist riesig. Die Fragen stehen im Raum wie kleine Scheinwerfer: Was geschieht, wenn man stirbt? Gibt es letzte Wünsche? Macht Alkohol glücklich? Was ist Sexismus – ist Frieden selbstverständlich? Drogen, Konsum, Genitalverstümmelung: ein ganzer Strauß an Themen klappt auf, kantig, mutig, manchmal verstörend – und gerade deshalb so notwendig. Doch wie nähert man sich in der Schule einem Thema wie dem „Tod“ – ohne dass man in Sprachlosigkeit verharrt? Die Antwort: Mit Wirklichkeit, die in die Klassenräume hineintritt. Ärzte erklären, was im Körper geschieht, Bestatter berichten aus der Praxis, ein Imam und eine katholische Religionslehrerin öffnen die religiösen Bilderwelten. Besonders eindrücklich: Der Wünschewagen Rhein/Ruhr. Hier werden tatsächlich „letzte Wünsche“ möglich gemacht.
Elisabeth Göhausen: „Vom Flug in einem Kampfjet bis zum Besuch der Schalker Arena ist alles dabei.“ Wie würden die jungen Leute selbst einen Wunsch formulieren? Die Antworten kommen leise und treffen dennoch. Shananya (Klasse 7): „Noch einmal ein Eis essen.“ Luca (Klasse 7): „Einmal noch Pizza!“ – unspektakulär, ergreifend, und gerade darum so großartig. Und dann wieder dieser Sarg: ein Möbelstück des Endes, plötzlich im Flur zwischen Ranzen, Gelächter und Pausenklingel. Macht so etwas Kindern Angst – oder gibt es ihnen Worte, wo sonst nur Schweigen ist?
Paul und Gabriel aus Klasse 6: „Angst? Nein.“ Die Bemalung sagt alles. Der Regenbogen-Sarg bedeutet Hoffnung und zeigt sich farblich bunt – und genau das steht für eine Verbundenheit, die bleibt. Über die Lebenswirklichkeit zur Selbstbildung: Vielleicht beginnt moderne Bildung genau dort, wo die Welt nicht draußen bleibt, sondern durch die Schultür hereinkommt.