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Hier kann man (noch) keine KI nutzen: Diese Jugendlichen üben auf der Ausbildungsmesse für das Handwerk an den Flottmann-Hallen.

Ausbildungsmesse für Schüler in den 'Flottis' war gut besucht

Wie KI und Handwerk zusammenpassen

Wie passen Künstliche Intelligenz (KI) und das Handwerk zusammen und muss diese Berufsgruppe die KI fürchten? Um diese Fragen, aber noch um viel mehr, ging es bei der Ausbildungsmesse zum Handwerk für Herne und Bochum am Dienstag (21.4.2026) an den Flottmann-Hallen. Rund 1.000 Schüler fanden sich ein, ebenso 50 verschiedene Unternehmen, um sich gemeinsam austauschen, die Berufe kennenzulernen und sogar vielleicht schon Praktika zu vereinbaren oder Bewerbungsunterlagen abzugeben.

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„Die Vorteile vom Handwerk und der Ausbildungsmesse liegen auf der Hand: Man kann sich hier ausprobieren, man hat etwas in der Hand und am Ende des Tages sieht man, was man geschafft hat“, erläutert Christopher Meier, Chef der Agentur für Arbeit Bochum, zu der auch Herne gehört. „Zudem bietet eine Ausbildung im Handwerk enorme Vielfalt, Kreativität und hervorragende Karrierechancen. Unsere Messe bringt junge Menschen direkt mit den Betrieben zusammen.“

Digitalisierung im Handwerk längst Alltag

Ferner führt er aus: „Wer glaubt, das Handwerk sei von gestern, liegt falsch: Auch hier findet Transformation statt. Digitalisierung ist längst Alltag. Das macht die Berufe nicht nur anspruchsvoller, sondern vor allem eines: spannender und zukunftsfähiger.“

Christopher Meier (re.), Chef der Arbeitsagentur Bochum, engagierte sich tatkräftig am Stand der Firma Karwat.

Das unterstreicht Jens Probst, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Ruhr. „KI unterstützt bereits jetzt insbesondere bei der Organisation in den Firmen, zum Beispiel bei den Aufträgen oder der Abwicklung. Zudem gibt es immer mehr hilfreiche Tools, die im Bürokratie-Wahnsinn helfen. Klar ist aber auch: Die Farbe an der Wand, die Fliese auf dem Boden oder die Steine für einen Neubau wird die KI nicht ersetzen“, sagt Probst.

'Weit mehr als ein Wirtschaftsfaktor'

Stadträtin Stephanie Jordan, unter anderem zuständig für die Fachbereiche Kinder-Jugend-Familie und Soziales sowie das Themenfeld Arbeit, betont, wie wichtig die Messe für die Stadt ist: „Das Handwerk ist weit mehr als ein Wirtschaftsfaktor - es ist ein Fundament für soziale Teilhabe, Perspektiven für junge Menschen und gelebte Gemeinschaft.“

Auf dem Parkplatz waren zahlreiche größere Stände zum Ausprobieren aufgebaut.

Sie ergänzt: „Ich freue mich über den regen Zulauf, so wird ein wichtiger Impuls gesetzt. Hier können die Jugendlichen abstrakte Begriffe praktisch erfahren. Ich hoffe, dass sich hier viele Matches finden.“ Insgesamt sei das Handwerk für sie eine unterschätzte Säule.

Dem Fachkräftemangel entgegen wirken

Schuldezernent Andreas Merkendorf freut, dass das sich wiederholende Format immer besser ankommt und auch das Wechselspiel als Ausrichter mit der Stadt Bochum gut funktioniert: „Wir wollen hier Jugendliche fit machen für die Zukunft und sie ermutigen, im Handwerk mitzumachen und dort eine Ausbildung angefangen. Vor allem im Hinblick auf den bereits vorherrschenden Fachkräftemangel, der noch zunehmen wird, ist das wichtig. Wichtig ist ebenfalls, falls mal die erste oder auch die zweite Wahl den Azubis nicht zusagt, dranzubleiben und die dritte Wahl auszuprobieren.“

Wie funktioniert ein Müllwagen? Das probierten (v.li.) Stadträtin Stephanie Jordan und Christopher Meier, Chef der Arbeitsagentur Bochum, aus.

Bei ihren Rundgängen konnten die Schüler sowohl draußen auf dem Parkplatz, als auch innen in den Flottmann-Hallen viele verschiedene Firmen und deren Ausbildungsberufe kennenlernen. Viele der Unternehmen hatten direkt eigene Azubis mitgebracht, die wertvolle Erfahrungen teilen konnten. Vor allem draußen konnten die Schüler auch mal direkt in einen Bagger einsteigen, einen Müllwagen bedienen, Steine pflastern oder Beton zerkleinern.

Viele persönliche Gespräche

Insgesamt zogen die Unternehmen ein zufriedenes Fazit, vor allem weil auch viele Schüler direkt ihre Kontaktdaten für mögliche Praktika hinterließen. Durch die persönlichen Gespräche dürften sie ohnehin viele Erfahrungen mit nach Hause genommen haben.

Auch an einem Bagger vom Straßen- und Landschaftsbau konnten die Jugendlichen üben.
Freitag, 24. April 2026 | Autor: Marcel Gruteser