Sattmanns bewegte Bochumer Jahre

Peter Sattmann.
Peter Sattmann. Foto: Andreas Amann

Peymann-Mime legt Biographie vor - Manchmal ist der Name Programm: Mit einer satten(!) Portion Selbstironie, einhergehend mit großer Offenherzigkeit und viel Freimut, flankiert mit der Gabe zur Selbstkritik würzt der ehemalige Peymann-Schauspieler Peter Sattmann seine Autobiographie „Mein Leben ist kein Drehbuch“, in dem er auch an sein Engagement am Bochumer Schauspielhaus unter der Intendanz Claus Peymanns erinnert. Längst ist der Mime, der in diesen Tagen seinen 72. Geburtstag feiert, einem breiten Fernsehpublikum bekannt, und pardon, seine Lebensliebe heißt Katja Riemann und die hat es immerhin neun Jahre lang in einer Partnerschaft mit ihm ausgehalten. Dieses Faktum bleibt in keiner Biographie unerwähnt. Doch auch so kann Sattmann auf reiche Jahre, turbulente Erfahrungen, Höhen und Tiefen und bewegte Zeiten zurückblicken.

Ausgelacht haben seine Schulkameraden ihn, als er seinen Berufswunsch Schauspieler offenbarte. Doch er hat sich nicht beirren lassen und ist konsequent seinen Weg gegangen. Geboren im Sächsischen, galt es durch intensives Sprachtraining auch den Zweitdialekt, das Schwäbische, in den hochdeutschen Griff zu bekommen. Als DJ finanzierte der heutige Wahlberliner die Schauspielschule, Jahre in der Göttinger Provinz unter Günter Fleckenstein folgten. Schon früh wurde ihm ein komisches Talent bescheinigt.

Elf Jahre am Stuttgarter Schauspielhaus schlossen sich an. Seine vier Bochumer Spielzeiten, teils auch nur gastweise, damit er sich dem Schreiben widmen kann, handelt Sattmann, dessen Lebensaufzeichnungen sich zum Teil spannend wie ein Krimi lesen, mit der Darstellung eines derberen, fast aus dem Bühnenruder geratenen Zwischenfalles bei einer Premiere von Herbert Achternbusch ab, bei dem er als Augenzeugen auch den Theaterkritiker Pitt Herrmann zitiert, der für die Herner Sonntagsnchrichten im Publikum saß. Das ganze Geschehen mitsamt tüchtigen Buhrufen prallte an Achternbusch und dessen stoischer Ruhe ab, während Sattmann mal wieder wie so oft Nerven zeigte.

Prall und satt, voller Witz und mit dem Gespür fürs richtige Timing blättert der Schausspieler auf gut 300 Seiten ein abwechslungsreiches Leben auf. Neben seiner ungebrochenen Liebe zur Fachkollegin Katja Riemann gesteht der Mime ein großes Faible für Berlin ein, dass den Ausschlag gab, dem Intendanten Claus Peymann und seiner Truppe nicht nach Wien an die Burg zu folgen.

Ein besonderes Charakteristikum in der Niederschrift des Sattmannschen Lebens sind die von ihm sogenannten Zeitpfeiler. Dieser Ausdruck wurde schon früh von ihm kreiert und markiert Erlebnisse, die unauslöschlich in ihm „gespeichert“ sind. Immer wieder ist sein Wohl und Wehe für Überraschungen gut, im Positiven wie im Negativen. Aber Sattmann fällt stets auf die Füße, sein Humor ist ihm dabei ein guter Gefährte.

Peter Sattmann, Mein Leben ist kein Drehbuch. Zeitpfeiler. Verlag Droemer, München 2019

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