Polizeiruf 110 – Sabine

Mit Lina Beckmann und Charly Hübner

Vorsichtige Annäherung zwischen den Geschwistern Melly Voss (Lina Beckmann) und Sascha Bukow (Charly Hübner). Im richtigen Leben gehören beide zum Ensemble des Deutschen Schauspielhauses Hamburg.
Vorsichtige Annäherung zwischen den Geschwistern Melly Voss (Lina Beckmann) und Sascha Bukow (Charly Hübner). Im richtigen Leben gehören beide zum Ensemble des Deutschen Schauspielhauses Hamburg. Foto: NDR/Alexander Fischerkoesen

Das Leben muss sich für Sabine Brenner (Luise Heyer) hinter einer Milchglasscheibe abspielen, so oft drängen ihr Tränen in die Augen – aus Erschöpfung, aus Demütigung, aus Wut. Sie ist Wendeverliererin in der zweiten Generation. Schon die Utopie ihrer alleinerziehenden Mutter ist zerplatzt. Sabine selbst kämpft sich durch Umschulungen bis zum Abwinken, aber kommt nicht wirklich auf die Füße. Ihre Ehe ist vermutlich eher von außen aufgerieben als wirklich gescheitert. Ihr Sohn Jonas (Ilja Bultmann) soll trotz guter Noten mangels familiärer Förderungsperspektive nicht aufs Gymnasium. Auch hier: herablassend-freundlicher Ton, bevor die Tür zugeschlagen wird. So nicht. So darf es nicht weitergehen. Es müsste mal jemand für Gerechtigkeit sorgen. Es muss doch viele geben, denen es so wie ihr geht.

Als die Schließung der Rostocker Arunia-Werft droht, in der sie als Servicekraft arbeitet, ist das wie der letzte Funken, der sie in Brand setzt. Ihre Verzweiflung lässt sie zur Waffe greifen – gegen „alle Arschlöcher“ in ihrer Welt und fühlt das erste Mal Freiheit. Katrin König (Anneke Kim Sarnau) und Sascha Bukow (Charly Hübner) arbeiten gegen die Zeit an, denn Sabine hört nicht auf zu töten und es dauert, bis sie überhaupt auf sie kommen: Wer hätte das dieser schüchternen Frau schon zugetraut? Neben diesem nervenraubenden Fall gibt es auch noch andere Probleme: Sascha tut sich schwer mit dem Abschied von seinem Vater. Und auch zwischen König und Bukow gibt es so einiges zu klären.

Im neuen „Polizeiruf 110“-Krimi spielt die Hernerin Lina Beckmann an der Seite ihres Gatten Charly Hübner dessen Schwester Melly Voss.
Im neuen „Polizeiruf 110“-Krimi spielt die Hernerin Lina Beckmann an der Seite ihres Gatten Charly Hübner dessen Schwester Melly Voss. Foto: NDR/Alexander Fischerkoesen

Dabei ist bei den beiden Kommissaren ein bisschen Ruhe eingekehrt. Es ist nicht mehr die nackte Panik, die Katrin König umtreibt. Ihr Kollege Sascha Bukow ist definitiv nicht mehr ihr Feind. Und, ja, sie haben was am Laufen. Nähe, echte Nähe ist nicht so ihr Ding. Auch nicht so ihr Ding: Arroganz, Machtmissbrauch und Gewalt gegen Frauen. Aber wo sie bis vor Kurzem noch unkontrolliert um sich geschlagen hat und eher impulsiv als rational gehandelt hat, kehrt jetzt die blitzgescheite Profilerin langsam wieder zurück. Sie hat ihren moralischen Kompass wiedergefunden. Wenn Bukow sie braucht, ist sie da.

Der hat nun mit seinem Vater Veit auch einen großen Zwiespalt verloren: Familiär immer mit einem Bein im organisierten Verbrechen zu stehen, ist für einen Kriminalbeamten eine Herausforderung. Traurig ist Bukow nicht, aber seinen Vater hat er trotzdem geliebt. Wie eigentlich alle, die mit ihm zu tun hatten, ganz gleich auf welcher Seite des Gesetzes. Mit dieser neu gewonnenen Milde und einer Klarheit, als hätte sich gerade ein hartnäckiger Nebel verzogen, schaut er auf Katrin König – und mit Zuneigung. Es wird auch wieder der Kümmerer deutlich, der so lange hinter dem aufbrausenden Alphatier verborgen war. Sogar Pöschel (Andreas Guenther) verzeiht er einen happigen Fehler. Wo früher die Scheiben geklirrt hätten, wird jetzt einfach weitergearbeitet. Und als Katrin König ihre beruflichen Fähigkeiten wiederentdeckt, zögert er nicht einen Moment, sich ihrem Weg anzuschließen...

Karaoke zu Ehren Veit Bukows: Katrin König (Anneke Kim Sarnau) und sein Sohn Alexander Bukow (Charly Hübner) legen sich mächtig ins Zeug.
Karaoke zu Ehren Veit Bukows: Katrin König (Anneke Kim Sarnau) und sein Sohn Alexander Bukow (Charly Hübner) legen sich mächtig ins Zeug. Foto: NDR/Alexander Fischerkoesen

„Sabine“ ist der Titel der jüngsten, im Herbst 2020 in Rostock, Nienhagen und Hamburg gedrehten „Polizeiruf 110“- Folge von Florian Oeller (Buch) und Stefan Schaller (Regie). Vor Tim Kuhns Kamera auch die Herner Schauspielerin Lina Beckmann, die zusammen mit ihrem Gatten Charly Hübner gerade beim Augsburger Brechtfestival – leider nur übers Internet – vertreten war: produziert am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, dessen Ensemble sie seit vielen Jahren angehören, lasen sie aus dem Briefwechsel von Bertolt Brecht und Helene Weigel. Er ist während ihrer Exiljahre entstanden und gewährt einen intimen Einblick in den zermürbenden Alltag der Theatermacher, die vor den Nazis flüchten mussten. Unter dem Titel „HelliBert & Pandemia“ suchten Lina Beckmann und Charly Hübner zudem Anknüpfungspunkte an unsere derzeitige Lockdown-Situation.

Beide spielen in „Sabine“ ein Geschwisterpaar. Die Polizeiruf-Folge wird am Sonntag, 14. März 2021 um 20.15 im „Ersten“ ausgestrahlt und um 21.45 Uhr auf ARD One wiederholt sowie am Montag, 15. März 2021, um 0.40 Uhr erneut gezeigt.

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Sonntag, 14. März 2021, um 20:15 Uhr

Weitere Termine:

  • Montag, 15. März 2021, um 0:40 Uhr
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