PCB-Fall: Stadt spricht Verzehrempfehlung aus

Löwenzahn-Screening zeigte im Bereich um die Firma Silex erhöhte Werte

Screenshot von der Website des silikonverarbeitenden Unternehmens Silex aus Herne (NW), am Mittwoch (04.03.2020.)
Silex auf ihrer Homepage. Foto: Stefan Kuhn

Aufgrund erhöhter PCB-Werte im Bereich um die Produktionsstätte der Firma Silex an der Werderstraße, spricht die Stadt Herne vorsorglich eine Verzehrempfehlung aus. Grund dafür sind neue Testergebnisse des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutzes (LANUV). Anwohner im Umfeld werden schnellstmöglich durch Flyer informiert und sollen auf den Verzehr von bestimmten, selbst angebauten Gemüsesorten verzichten. Damit setzt die Stadt eine Empfehlung des LANUV um, teilte sie am Montag (8.6.2020) in einem kurzfristig einberufenen Pressegespräch mit.

Anfang März (halloherne berichtete) gab es in Ennepetal einen silikonverarbeitenden Betrieb, in dessen Umfeld PCB-Flocken gefunden waren. Stadtrat Karlheinz Friedrichs betont: „Bei der Firma Silex sind bei Untersuchungen damals wie heute keine PCB-Flocken vorgefunden worden. Jedoch hat das sogenannte Löwenzahn-Screening Werte festgestellt, die über dem Orientierungswert für den maximalen Hintergrundgehalt (OmH) liegen.“

Da jedoch weder Bund noch Land Einordnungen zu gesundheitlichen Auswirkungen ausgesprochen haben, setzt die Stadt vorsorglich die erwähnte Verzehrempfehlung um.

Folgendes Blattgemüse soll im betroffenen Bereich, der sich ellipsenartig nordöstlich von der Blücherstraße bis südwestlich zur Eschstraße erstreckt, bis auf Weiteres nicht im eigenen Garten angebaut und verzehrt werden:

Das Kartenmaterial mit der Ellipse um die Firma Silex (roter Punkt).
Das Kartenmaterial mit der Ellipse um die Firma Silex (roter Punkt). Übersichtskarte: Stadt Herne
  • Grünkohl
  • Mangold
  • Spinat
  • Pflücksalat
  • Feldsalat
  • Rucola
  • Rübstiel
  • Staudensellerie
  • Kräuter
  • weitere Gemüse, von denen die Blätter verzehrt werden

Die folgenden Gemüse und Früchte können weiterhin angebaut und verzehrt, sollen aber gut gewaschen und/oder geschält sowie bei Salat und Kohl die äußeren Blätter entfernt werden:

  • Kopfsalat
  • Weiß- und Rotkohl
  • Blumenkohl
  • Rosenkohl
  • Wurzel- und Knollengemüse wie Möhren, Radieschen, Kartoffeln
  • Fruchtgemüse wie Tomaten, Salatgurken, Erbsen, Bohnen
  • Früchte wie Äpfel, Birnen, Pflaumen

Vier Messpunkte des LANUV, so Friedrichs, hätten mit den Ergebnissen PCB-Werte von 2,3 bis 16 Mikrogramm/kg Frischmasse ergeben. Der Orientierungswert liegt bei 1,7.

Weitere Untersuchungen folgen mit dem Grünkohl-Screening. Hier ist mit Ergebnissen aufgrund der Vegetationszeit aber nicht vor dem Spätherbst oder gar Winter zu rechnen.

Mit der Firma Silex hätte die ganze Zeit über ein enger Austausch stattgefunden. „Daher haben wir präventiv darauf hingewirkt, dass alternative Stoffe als Vernetzer im Produktionsprozess eingesetzt werden“, erläuterte der Stadtrat. Bereits jetzt sei der Einsatz um ein Drittel reduziert, dies soll bis Ende des Jahres auf 20 Prozent des Ausgangswertes gesenkt werden. Die Verwendung eines solchen Vernetzers ist aber ausdrücklich zulässig.

„Wir wollen den Bürgern größtmöglichen Schutz bieten. Generell ist nur die orale Aufnahmen in größeren Mengen gesundheitsschädlich, über die Luft kann es nicht übertragen werden“, betonte Friedrichs.

Eine besondere Nachfrage nach Infos habe es zuletzt nicht gegeben, sagte Achim Wixforth, Leiter des Fachbereiches Umwelt und Stadtplanung. Es gab genau einen Anruf in dieser Zeit. „Jedoch hat das Gutachten den erhöhten Wert auf die Produktion von Silex zurückgeführt.“

Informationen gibt es auf der Homepage der Stadt mit den wichtigsten Fragen und Antworten, aber auch über das Info-Telefon 02323 - 16 30 06.

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