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Illustration von Daniel Napp aus Otfried Preußler, „Das kleine Gespenst“

Räuber Hotzenplotz, Krabat und die kleine Hexe

Otfried Preußlers Bildwelten

Die Ludwig Galerie Schloss Oberhausen hatte Mitte September 2020 eine große Retrospektive der Bildwelten des begnadeten Geschichtenerzählers Otfried Preußler nach nur kurzer Zeit coronabedingt wieder schließen müssen. Zwei Jahre später, am 17. September 2022 um 19 Uhr, ist Wiedereröffnung in erweitertem Umfang und mit einem tollen Rahmenprogramm für die ganze Familie.

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Otfried Preußler (1923–2013) gehört zu den bedeutendsten und einflussreichsten Kinder- und Jugendbuchautoren des deutschsprachigen Raums. Mit Geschichten wie „Der Räuber Hotzenplotz“, „Die kleine Hexe“ und „Das kleine Gespenst“ hat der im böhmischen Reichenberg geborene Autor seit den 1950er Jahren Figuren erschaffen, die bis heute Generationen von Heranwachsenden prägen und aus den Kinderzimmern dieser Welt sowie dem Schulunterricht nicht mehr wegzudenken sind.

Insgesamt hat er über 35 Bücher geschrieben, die in mehr als 50 Sprachen übersetzt wurden und inzwischen eine Gesamtauflage von über 50 Millionen Exemplaren weltweit erreicht haben. Otfried Preußler hat nach der Vertreibung der Familie aus dem Sudetenland im bayerischen Rosenheim als Volksschullehrer und Lokalredakteur gearbeitet, bevor er den mündlich überlieferten Sagen- und Märchenschatz seiner Großmutter Dora aufzuschreiben begann und 1956 mit „Der kleine Wassermann“ den Grundstein zu seinem weltweiten Erfolg legte.

Zahlreiche Zeichner haben seine Geschichten nicht nur illustriert, sondern seine Figuren geradezu zum Leben erweckt, indem sie von ihrem persönlichen Stil und eigenen Ideen Gebrauch machten. Kuratorin Linda Schmitz-Kleinreesink: „Besonders bekannt sind die Illustrationen von F. J. Tripp, die dem Räuber Hotzenplotz sein markantes Äußeres verleihen. Die holzschnitthaften Sepia-Zeichnungen, die Herbert Holzing für Krabat erschafft, bleiben über zahlreiche Auflagen hinweg bestehen. Das unverwechselbare Aussehen der kleinen Hexe, aber auch des kleinen Wassermanns, ist der Künstlerin Winnie Gebhardt zu verdanken.“

Illustration von Winnie Gebhardt (VG Bild-Kunst, Bonn 2020), Mathias Weber aus Otfried Preußler „Der kleine Wassermann“.

Mehr als fünfzig ihrer originalen Tuschezeichnungen hat der Thienemann-Esslinger Verlag aus seinem Archiv eigens für die Oberhausener Ausstellung bereitgestellt. Die Neuillustrationen der Klassiker durch Daniel Napp, Thorsten Saleina und Annette Swoboda sind in der umfangreichen Schau auf allen drei Etagen der Ludwig Galerie ebenso vertreten sein wie die frühen Zeichnungen. Auch selten gezeigte Originalzeichnungen zu „Hörbe“, einer eigenen Geschichte Preußlers, die 1981 seiner böhmischen Heimat ein Denkmal setzt, sind zu sehen.

Hörbücher, Theateradaptionen, Filme und Spiele zeugen von der immensen Beliebtheit der jeweiligen Werke. Über 300 originale Zeichnungen sowie Filmrequisiten, Buchausgaben, Fotografien und Anton Bachleitners „Krabat“-Figuren des Düsseldorfer Marionettentheaters ermöglichen erstmals einen umfangreichen Überblick über das Wirken Otfried Preußlers und seiner Illustratoren. Die Ausstellung lädt dazu ein, unterschiedlichste Gattungen zu durchwandern: über klassische Bilderbücher, Geschichtensammlungen und traditionelle Sagen bis hin zu fantastischen Erzählungen. Alle Bücher liegen zum Schmökern für Jung und Alt aus, dazu werden Ausschnitte aus Kinoadaptionen gezeigt.

Die Ausstellung „ Otfried Preußler – Figurenschöpfer und Geschichtenerzähler“ wird vom 18. September 2022 bis 15. Januar 2023 in der Ludwig Galerie Schloss Oberhausen, Konrad-Adenauer-Allee 46, gezeigt. Sie ist geöffnet Dienstag bis Sonntag jeweils von 11 bis 18 Uhr, geschlossen montags sowie am 24., 25. und 31. Dezember 2022 und am 1. Januar 2023. Der Eintritt kostet acht, ermäßigt vier Euro, Familien (zwei Erwachsene plus Kinder) zahlen 12 Euro, das Kombiticket mit dem Gasometer Oberhausen kostet 14 Euro.

Ein Kinder-Mitmach-Heft führt spielend durch die Ausstellung, Oberhausener Schüler haben einen Kinder-Audioguide kreiert und es werden neben den öffentlichen Führungen an jedem Sonn- und Feiertag um 11:30 Uhr auch Führungen auf Ukrainisch/Russisch und Arabisch angeboten. Kuratorinnenführungen mit Linda Schmitz-Kleinreesink gibt es sonntags um 15 Uhr am 16. Oktober 2022, 13. November 2022, 11. Dezember 2022 und 15. Januar 2023. Die Direktorin Dr. Christine Vogt führt jeweils mittwochs um 16 Uhr durch die Ausstellung am 19. Oktober 2022 und am 30. November 2022. Sie hat zusammen mit Linda Schmitz-Kleinreesink den reich bebilderten, für 29,80 Euro äußerst wohlfeilen Katalog herausgegeben (ISBN 978-3-932236-44-0). Weitere Informationen auch über Lesungen, Figurentheateraufführungen und Vorträge gibt es auf der Homepage.

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  • Sonntag, 18. September 2022 bis Sonntag, 15. Januar 2023
| Autor: Pitt Herrmann