Offener Brief zum Gelände General Blumenthal

Das Gelände der ehemaligen Zeche Blumenthal.
Das Gelände der ehemaligen Zeche Blumenthal. Foto: Stefan Kuhn

Der Herner Fachanwalt für Familien-Arbeits- und Strafrecht, Heinrich Kill, hat zum Thema Gelände General Blumenthal, einen offenen Brief an mehrere Herner Politiker geschrieben, unter anderem an Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. F. Dudda, die Stadt Herne, speziell die Stadtteile Wanne und Eickel benötigen (mehr) Waldfläche. Aus diesem Anlass wende ich mich an Sie mit diesem offenen Brief: Ich darf Sie bitten, das gesamte noch unbebaute Gelände General Blumenthal in einen Stadtwald zu verwandeln. Bitte lassen Sie keine Bebauungsmaßnahmen und Versiegelungen des Geländes zu. Tragen Sie bitte Sorge, dass die Grünflächen ab dem Bereich des technischen Rathauses entlang der Landgrafenstraße mit dem zukünftigen Stadtwaldgelände General Blumenthal vernetzt werden. Dies ist einfach zu erreichen: Die Straße „Am Böckenbusch“ in Richtung der „Kastanienallee“ wird mit der letzten Brücke ebenso in eine Sackgasse umgewandelt wie – aus der anderen Richtung kommend - die „Kastanienallee“ an der Einmündung zum „Bobenfeld“. Der Straßenabschnitt zwischen diesen beiden Sackgassen wird zurückgebaut und in das Waldgelände einbezogen. So entsteht ein durchgehender „Waldgürtel“ vom technischen Rathaus entlang der Landgrafenstraße über den Stadtwald General Blumenthal bis zur Bochumer Straße in Herne.

Die Verbindungswege vom Gebiet General Blumenthal zur Bochumer Straße führen über zurückgebaute Bahntrassen unter der Bielefelder und der Dorstener-Straße her und münden unter der Holsterhauser Straße in das „Decathlon“ - Gebiet, nördlich der Südstraße. Eine Karte liegt an. Wesentliche Gesichtspunkte, die für die weitere Stadtentwicklung von großer Bedeutung sind, sprechen für einen neuen Stadtwald auf General Blumenthal:

‐ Die aktive Neugestaltung, der Rückbau einer Straße und der Aufbau eines Stadtwaldes ist ein deutliches Signal für die ökologische Zukunft der Stadt Herne. Die Signalwirkung geht weit über die Stadtgrenzen hinaus

‐ Wir benötigen einen gesicherten Waldbestand im Stadtbereich Herne-Eickel/Wanne. Nur ein gesicherter Waldbestand verhindert Rodungen wie sie die Stadt in den letzten Wochen und Monaten hinnehmen musste. Ich verweise beispielsweise auf die mehrere 1000 m² - Rodungen an der Alleestraße, die Rodung des Regenrückhaltebeckens in Röhlinghausen, die Rodungen mehrerer Hektar für die Erweiterung der A 43 und zuletzt die aktuellen Rodungen für das neue Steag-Kraftwerk. Ein eigener Stadtwald verhindert das ökologische Ausbluten unserer Stadt.

‐ Die Stadt Herne ist die dicht besiedelste Stadt in Nordrhein-Westfalen und bundesweit rangiert sie an dritter Stelle. Die Klimaanalyse unserer Stadt, von der Stadt Herne in Auftrag gegeben, empfiehlt dringend von weiterer Bebauung gerade der Stadtteile Herne-Eickel und Herne-Wanne abzusehen. Nichts benötigen wir weniger als weitere Versiegelung und Bebauung der wenigen offenen Flächen.

‐ Der Waldanteil an der Siedlungsdichte in Herne beträgt knapp 3,3 %. Von diesen 3,3 % Waldanteil befanden sich nach der stadteigenen Statistik bis Ende 2018 rund 84 % in Alt- Herne und nur 16 % im ehemaligen Stadtgebiet von Wanne-Eickel. Durch weitere Rodungen in Alt- Wanne-Eickel und Aufforstungen in Alt-Herne verschiebt sich das Ungleichgewicht weiter zu Lasten von Wanne und Eickel. So wurde an der Stadtgrenze zwischen Wanne und Gelsenkirchen ein Gebiet von 2,5 ha gerodet und dafür im Stadtbereich Alt- Herne eine Fläche von 5 ha Wald aufgeforstet! Im Stadtgebiet von Alt-Wanne-Eickel befinden sich unter Berücksichtigung der oben genannten Rodungen gerade mal rd. 10 % der Waldanteile während in Alt-Herne fast 90 % zu finden sind.

‐ Die Besiedlungsstruktur im Bereich Alt-Wanne Eickel ist gegenüber der Stadt Alt-Herne um gut 25 % dichter! Schlechter wird‘ s in Wanne noch deshalb, weil die größeren Wald- und Freiflächen in Alt-Herne klimaökologisch erheblich höher einzustufen sind als sie Freiflächen der beiden Halden in Eickel und Wanne.

‐ Die Schaffung eines Stadtwaldes erfordert ein viel geringeres Kostenvolumen als die Besiedlung des Gebietes. Weder ist eine, mit enormen Kosten verbundene besondere Erschließung erforderlich noch die Errichtung besonderer Zufahrten. Außerdem wird die Aufforstung besonders gefördert.

‐ Die Schaffung des Stadtwaldes ist ein riesiger ökologischer Gewinn für die Stadt und erhöht die Lebensqualität in Herne vielfältig. Allein die dadurch gewonnenen Freizeit - und Erholungswerte sind nicht zu überbieten. Das Gebiet General Blumenthal liegt im Herzen der Stadt Alt-Wanne Eickel. Die Klimaanalyse weist dieses Gebiet als klimatisch besonders ungünstig aus. Mit der Schaffung eines Stadtwaldes auf diesem Gebiet wird die klimatische Bedeutung komplett umgekehrt und in eine „sehr hohe klimaökologische Bedeutung“ umgewandelt (siehe: Flächenbewertung aus klimaökologischer Sicht, Seite 140, Klimaanalyse Stadt Herne).

Die Klimaanalyse führt dazu aus: „Waldflächen innerhalb eines Stadtgebietes sind grundsätzlich als klimatisch wertvolle Ausgleichsräume einzustufen. Die positiven klimatischen Eigenschaften liegen insbesondere in der Fähigkeit, durch Schadstoffadsorption und -diffusion die Luftqualität zu verbessern. Dort, wo hoch belastete Areale an sensible Wohnbereiche grenzen, können Wälder eine bedeutsame Puf4 VON 4 fer- oder Trennfunktion der unterschiedlichen Nutzungsansprüche erfüllen. Zudem stellen Wälder aufgrund der gedämpften Strahlungs-, Temperatur- und Windverhältnisse während sommerlicher Hitzeperioden wichtige Regenerationsräume zur Naherholung für die städtische Bevölkerung dar. Vorhandene Waldflächen sollten daher erhalten und nach Möglichkeit ausgeweitet werden“ (S. 144). So filtert beispielsweise 1 ha Wald jährlich bis 50 t Ruß um Staub aus der Atmosphäre (https://www.wald.de/) Der Temperaturanstieg sinkt durch die Schaffung eines neuen Waldgebietes.

‐ Wohnwert und die Lebensqualität in unserer Stadt steigen durch die Schaffung der großen Stadtwaldfläche deutlich. Wohnen, leben und auch der Besuch unserer Stadt gewinnen an Attraktivität. „Wohnen am Stadtwald“ wird ein neuer Wohlfühl-Begriff in Herne.

‐ Von dem Stadtwald - Projekt werden weitere Impulse für die ökologische Umgestaltung unserer Stadt ausgehen. Die Nutzung des Fahrrades und die Entwicklung der Stadt weg von der „Autostadt“ hin zu einer lebensfreundlichen Gemeinde enthalten weitere Anregungen.

Auch das neue Waldbaukonzept der Landesregierung äußert sich in diesem Sinne wie folgt: „Urbane Wälder haben eine besondere Bedeutung, da sie auf kleiner Fläche, neben der Nutzfunktion, meist zahlreiche Erholungs- und Schutzfunktionen für eine städtische Bevölkerung bieten. Darüber hinaus sind urbane Wälder wichtige Landschaftselemente einer urbanen grünen Infrastruktur (Bundesamt für Naturschutz, 2017) zur Erfüllung vielfältiger Ökosystemleistungen. Daher werden Wälder im städtischen Bereich verstärkt als Teil der kommunalen Bauleitplanung sowie von Stadtentwicklungsprozessen begriffen.“ (so das: „Waldbaukonzept Nordrhein- Westfalen“) Bitte beteiligen Sie die Bürger von Beginn an bei Planung und Gestaltung dieses großen und wichtigen Projektes. Nichts Wesentliches spricht gegen, alles Wesentliche stützt die Erschaffung des Stadtwaldes General Blumenthal. Mit freundlichen Grüßen Heinrich Kill.

Autor: