Noch 400 Tage bis zur Cranger Kirmes

Einmal im Jahr...

Nur noch 400 Tage bis zur Cranger Kirmes.
Nur noch 400 Tage bis zur Cranger Kirmes. Foto: Jörg Lippmeyer

Noch 400 Tage? Hä? Kirmes ist doch jedes Jahr, und da das Jahr 365 Tage hat... Also, noch 400 Tage? „Geht doch gar nicht.“ Ja, genau, das würden wir in normalen Zeiten sagen. Aber was sind schon normale Zeiten? Weiter würden wir sagen: „Es sei denn es ist Krieg. Aber, haben wir den Krieg? Nein!“ Hier reiht sich ein Fragezeichen an Fragezeichen. Ein August ohne den Rummel auf Crange, das ist für echte Wanne-Eickeler kein August! Aber... genauso wird es in diesem Jahr kommen.

Gott sei Dank haben wir keinen Krieg. Nein, wir haben „nur“ Corona. Wobei, wenn ich mich an das Einkaufsverhalten in der Anfangs-Corona-Zeit erinnere, dann konnte man durchaus glauben, dass sich so manch ein Zeitgenosse für Kriegszeiten eindeckte. Hier erinnere ich nur an einen Notstand: Toilettenpapier. Aber zurück zum Thema: Noch 400 Tage bis zur Cranger Kirmes.

Dabei sah nach der 535. Cranger Kirmes im August 2019 doch alles noch normal aus: Rund 1.400 Bewerbungen um einen Standplatz auf Crange gingen bei der Stadt ein; die Werbekampagne startete; neue Ideen für das Kirmesplakat 2020 wurden zusammengetragen, erste Skizzen dafür entwickelt und schließlich war es auch fertig: Das Kirmesplakt für 2020. Weiter ging es im Februar 2020, da verkündete die Stadtmarketing GmbH: Der neue Fritz-Pin da ist. Ja prima. Und dann? Ja, dann kam Corona. Und mit Corona ein Bangen und immer wieder ein Hoffen auf ein Wiedersehen auf Crange. Vielleicht klappt es ja? Vielleicht später im Jahr? Vielleicht im Oktober?

Anfang Mai war es dann entschieden. Aus. Aus. Aus. Keine Kirmes auf Crange - oder anderswo. Der Krisenstab der Stadt Herne sagte die Cranger Kirmes am Montag (4.5.2020) für dieses Jahr wegen der Covid-19-Pandemie endgültig ab. Zwischenzeitliche Überlegungen, den Jahrmarkt in den Oktober zu verlegen, wurden wieder verworfen. Und auch unser Oberbürgermeister, Dr. Frank Dudda, war traurig: „Das ist wohl eine der schwersten Entscheidungen, die ich bisher in meiner Amtszeit treffen musste. Zu verkünden, dass die Wanne-Eickeler, die Herner sowie Millionen Gäste in diesem Jahr auf Crange verzichten müssen, ist traurig.“

Wobei es in der langen Geschichte des Cranger Rummels nicht zum ersten Mal zu einer Absage kommt. Nachzulesen ist es in dem Buch der Kunsthistorikerin Annette Krus-Bonazza („Auf Cranger Kirmes“, Seite 108): „Nachdem sich die Wanne-Eickeler auch noch in den Jahren 1941 und 1942 kurzfristig ins kriegsbedingt eingeschränkte Kirmesvergnügen flüchten konnten, musste die Cranger Kirmes ab 1943 dem sich verstärkenden Bombenhagel weichen. […] Obwohl die Bomben des Zweiten Weltkriegs das Ruhrgebiet in eine Trümmerlandschaft verwandelt hatten und die Versorgungslage der Bevölkerung katastrophal war, wurde in Wanne-Eickel schon bald wieder Kirmes gefeiert. Unterstützt vom Engagement einer Reihe von (Ruhrgebiets-) Schaustellern, deren Familien zu dieser Zeit zum Teil seit Generationen im August in Crange anreisten, begann im Jahre 1946 der ,Wiederaufbau' der Kirmesveranstaltung."

Also, es besteht Hoffnung. Wir werden uns alle auf Crange wiedersehen. Nicht in diesem Jahr, dafür aber in 2021. Denn dann drehen sich die Karussells auf Crange wieder, die Fische rutschen munter die Rutsche hinunter und die Losverkäufer, die versprechen uns das Plüschigste vom Losbuden-Himmel. Wir sehen uns - versprochen: von Donnerstag, 5., bis Sonntag, 15. August 2021, heißt es: Piel op no crange!

Allerdings befürchte ich, dass meine Tante Emmi in diesem Jahr gehörig ins Straucheln gerät und bestimmt nicht weiß, wann sie mit den Vorbereitungen für das Weihnachtsfest starten muss. Denn ich habe ihren alljährlichen Spruch auf Crange, zwischen Backfisch und Kirmeseis, noch ganz genau im Ohr: „Tja Kindchen, jetzt ist es bald soweit. Nach der Kirmes ist ja auch schon bald wieder Weihnachten.“

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