Neue Wege - Flippern gegen den Schmerz

Schmerzpatienten in Corona-Zeiten

'Insert Coins' stellt dem Deutschen Kinderschmerzzentrum Arcade-Automaten (Videospielautomat) zur Verfügung.
'Insert Coins' stellt dem Deutschen Kinderschmerzzentrum Arcade-Automaten (Videospielautomat) zur Verfügung. Foto: Privat

Datteln. Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen dachte sich das Deutsche Kinderschmerzzentrum in Datteln: Weil das Coronavirus wichtige Bausteine der Schmerztherapie aushebelt, ließ sich das Team etwas Neues einfallen: hier wird jetzt unter anderem gegen den Schmerz „angeflippert“. Eine Kooperation mit gleich drei Flipper-Vereinen macht‘s möglich. Mit dabei ist auch der Herner Verein 'Insert Coins'.

„Nichtstun und soziale Isolation sind Gift für den Therapieerfolg in der Schmerztherapie“, erzählt Oberarzt Prof. Michael Frosch. Keine gute Nachricht in Zeiten, in denen gerade der enge Kontakt zu anderen Menschen eingeschränkt werden muss. Auch auf der Station Leuchtturm, auf der die Patienten des Deutschen Kinderschmerzzentrums behandelt werden, haben sich die Therapieabläufe im Laufe der Corona-Pandemie verändert.

Insert Coins - Das Paradies für Spiel-Kinder.
Insert Coins - Das Paradies für Spiel-Kinder. Foto: Carola Quickels

„Ein Baustein der Therapie bei uns ist, dass Kinder und Jugendliche die bei uns erlernten Methoden im Alltag üben“, erläutert Frosch. In nicht-Corona-Zeiten geschieht das durch so genannte „schmerztherapeutische Belastungserprobungen“: Besuche zu Hause in der Familie, Unterrichtsbesuche in der Heimat-Schule andere soziale Gruppenaktivitäten am Heimatort. Unter den aktuellen Bedingungen des Infektionsschutzes ist das alles seit Monaten nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich.

Flippern gegen den Schmerz

Alternativen müssen also her, um die bisherigen Belastungserprobungen unter Corona-Regeln umzusetzen: Das Team des Deutschen Kinderschmerzzentrums setzt auf viel Bewegung an der frischen Luft, Konzentrationsaufgaben und neue Ideen für die Freizeit. Eine davon: „Flippern gegen den Schmerz“. Drei Flipper-Vereine aus NRW stellen dem Deutschen Kinderschmerzzentrum zwei Flipper und einen Arcade-Automaten (Videospielautomat) zur Verfügung. Man kann gemeinsam an den Geräten spielen – miteinander oder gegeneinander, inklusive Wettkämpfe.

Im Kinderschmerzentrum wird demnächst gegen den Schmerz geflippert.
Im Kinderschmerzentrum wird demnächst gegen den Schmerz geflippert. Foto: Privat

Flippern ist Kult, sogar Kulturgut: „In anderen Ländern ist Flippern bereits als Sportart anerkannt“, freut sich Vereinsgründer Heinz Berges vom Flipper-Verein „Freeplay Ruhr“ aus Herten. In seinem Flipperverein steigen die Besuchsahlen stetig an. Auch für die „Electric Friends“ aus Lemgo und „Insert Coins“ aus Herne ist das Engagement für das Kinderschmerzzentrum Ehrensache – und außerdem eine gute Gelegenheit, unter Umständen neue Fans für ihr Hobby zu gewinnen.

Für so viel Unterstützung in diesen ungewöhnlichen Zeiten bedankt sich das Team des Deutschen Kinderschmerzzentrums herzlich – und freut sich auf die neue Geräuschkulisse, die bald das Deutsche Kinderschmerzzentrum bereichern wird. Erfahrungsbericht folgt…

Das Deutsche Kinderschmerzzentrum

Das Deutsche Kinderschmerzzentrum an der Vestischen Kinder- und Jugendklinik Datteln behandelt auf der Station „Leuchtturm“ jedes Jahr etwa 300 Patienten, die unter schweren chronischen Schmerzen leiden, und ist damit die weltweit führende Einrichtung dieser Art.