Neu im Kino: Fritzi – Eine Wendewundergeschichte

Animationsfilm für die ganze Familie

Fritzi - Eine Wendewundergeschichte.
Fritzi - Eine Wendewundergeschichte. Foto: Weltkino

Leipzig, 1989. Liebevoll kümmert sich die zwölfjährige Fritzi, die gerade in die sechste Klasse gekommen ist, um den kleinen Sputnik. Er ist der Hund ihrer besten Freundin Sophie, mit der sie ihre Freizeit am liebsten hoch oben im Baumhaus verbringt, das in schwindelerregender Höhe durch ein Brett mit Sophies Balkon verbunden ist. In den Sommerferien ist sie mit ihrer Mutter Julia nach Ungarn gefahren und Fritzi hat versprochen, auf den vorwitzigen braun-weißen Terrier aufzupassen. Doch zum Schulanfang, der traditionell am 1. September mit einem Fahnenappell auf dem Schulhof beginnt, ist Sophie nicht in die Klasse der strengen, regimetreuen Lehrerin Liesegang zurückgekehrt.

Was Fritzi nicht verstehen kann. Es ging ihnen doch gut in der DDR. Und jetzt soll Sophie wie viele andere DDR-Bürger in den Westen „rübergemacht“ haben? Wahrscheinlich aus rein privaten Gründen zu ihrer Oma. Und die wohnt ganz in der Nähe des thüringischen Ortes, in dem Fritzi nun mit den Jungen Pionieren einige Tage in einem Schullandheim verbringt. Mutig macht sich Fritzi an der Seite ihres neuen Klassenkameraden Bela, der als einziger nicht zu den Jungen Pionieren gehört und sich wie sein Vater in der kirchlichen Friedensbewegung engagiert, auf die Suche nach ihrer Freundin. Fritzi, die sich immer stärker für Politik interessiert, gerät in ein geradezu lebensgefährliches Abenteuer, das die Zukunft des ganzen Landes verändert...

Detailgetreu, zuspitzend-authentisch und mit sicherem Gespür für die nicht nur bei Regen düstere Atmosphäre kaputter Fassaden ganzer Straßenschluchten schildert Fritzi – Eine Wendewundergeschichte die Friedliche Revolution im Herbst 1989 aus dem Blickwinkel einer zunächst völlig unpolitischen Heranwachsenden. Drehbuchautorin Beate Völcker hat die Vorlage, den Tatsachenroman Fritzi war dabei von Hanna Schott (Text) und Gerda Raidt (Illustrationen) aus dem Jahr 2009, der auf Interviews mit drei Frauen basiert, die zum Zeitpunkt der Wende zehn Jahre als waren, um weitere Elemente wie Verfolgung, Flucht und Gefängnis erweitert. Die Film-Fritzi ist nicht nur zwei Jahre älter als ihre Buch-Schwester, sondern erlebt zusammen mit ihrem Klassenkameraden Bela eine hinzuerfundene Coming-of-Age-Geschichte, welche den politisch-zeithistorischen Hintergrund mit der privaten Ebene unterfüttert.

Wir sind das Volk: Dieser so spannende wie unterhaltsame Animationsfilm über den Mut, die Geschichte zu verändern, kommt zum 30. Jahrestag des Mauerfalls am Mittwoch, 9. Oktober 2019, in unsere Kinos. Zumindest im Westen wird er jungen Zuschauern vielfach erstmals offenbaren, dass es durchaus Bestrebungen der Friedensaktivisten gab, eine andere DDR zu gestalten statt einer Kapitulation gleich dem kapitalistischen Westdeutschland beizutreten. Mit den Folgen dieses radikalen Wandels haben wir speziell in den ostdeutschen Bundesländern auch Jahrzehnte später noch zu kämpfen. Den erwachsenen Begleitern der jungen Kinobesucher wird mittels O-Tönen aus parallelen Nachrichtensendungen des West- und des DDR-Fernsehens noch einmal drastisch in Erinnerung gerufen, wie das perfide Stasi-System seine Bürger mit Fake News hinters Licht zu führen versuchte. Menschen sind verführbare Wesen. Sie sind aufgerufen, wachsam zu sein – und das in jedem Alter.

Regisseur Ralf Kukula, Zeitzeuge am 9. Oktober 1989 auf dem Dresdener Altmarkt, über den nach eigenen Angaben persönlichsten Film in drei Berufsjahrzehnten: „Was ich erleben durfte, waren erhabene Momente, eine Leichtigkeit, eine offene Gesellschaft für einen Moment, der Zukunft mit Zuversicht und Optimismus zugewandt. Ein Hauch von Utopie und das Glück, einmal für wenige Wochen die Freundlichkeit, Begeisterungsfähigkeit und Zugewandtheit fremder Menschen erleben zu dürfen. Darum darf unser Film auch mit Pathos enden. Die Sonne ging damals im Osten auf. Sie liefert das passende Morgenlicht, wenn sich Fritzi und Sophie, unsere Heldinnen, am Ende unseres Films vor den jubelnden Massen in die Arme fallen. Wer damals dabei war weiß, es ist die schiere Untertreibung.“

Fritzi - Eine Wendewundergeschichte ist ab Donnerstag, 10. Oktober 2019, in der UCI Kinowelt im Ruhrpark Bochum und im Sweet Sixteen in der Dortmunder Nordstadt zu sehen, zum Europäischen Kinotag am Sonntag, 13. Oktober 2019, auch im Essener Astra (nur 15 Uhr).

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Donnerstag, 10. Oktober 2019, um 14:30 Uhr UCI Kinowelt Ruhr Park , Am Einkaufszentrum 1 , 44791 Bochum
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