Lügen haben junge Beine

Turbulente Farce von Ray Cooney

Lügen haben junge Beine. im Bild: In freudiger Erwartung: Vicky (Simone Schuster) und ihre Mutter Mary (Samira Hempel).
In freudiger Erwartung: Vicky (Simone Schuster) und ihre Mutter Mary (Samira Hempel). Foto: Volker Beushausen

Die 15-jährige Vicky (Ensemble-Neuzugang aus Berlin: Simone Schuster) aus dem vornehmen Londoner Stadtteil Wimbledon und der um ein Jahr ältere Gavin (Tobias Schwieger) aus dem kaum fünf Auto-Minuten entfernten, aber ungleich ärmeren Arbeiterbezirk Streatham sind sich rein zufällig begegnet. Aber ihrem Alter entsprechend neugierig. Und das vor allen Dingen aufeinander, seit sie festgestellten, dass sie beide den gleichen Namen Smith tragen und ihr jeweiliger Vater nicht nur John heißt, sondern auch noch Taxifahrer ist. Kann es einen krassen Zufall geben? Offenbar hat es das Schicksal gewollt, dass beide sich getroffen – und ineinander verliebt haben.

Vom Ruf des Schicksals will besagter John Smith (Mario Thomanek) freilich nichts wissen. Hat er doch keinen Doppelgänger gleichen Namens und selbiger Profession, sondern ist schlicht der Vater beiden. Ist er doch sowohl mit Vickys Mutter Mary Smith (Samira Hempel) als auch mit Gavins Mutter Barbara Smith (Franziska Ferrari) verheiratet. Ein Doppelleben unter permanenter Herzinfarkt-Bedrohung, das nur durch ein extrem ausgeklügeltes System nach der Stoppuhr funktioniert.

Wenn wieder einmal der Zeitplan ins Rutschen gerät und die eh‘ viel zu oft benutzte Standard-Ausrede mit einem Chauffeur-Sonderauftrag nicht zieht, springt Johns bester Freund Stanley Gardener (Mike Kühne) ein. Sein stets hilfsbereiter, freilich auch höchst chaotischer Wimbledoner Obermieter entfaltet immer neue kreative Ausreden, kann sich freilich bestimmten heiklen Situationen nicht entziehen, etwa wenn Gavin seine Freundin Vicky besucht und den überzeugten Hagestolz Stanley für ihren Vater hält. Was eine ganze Kette von Verwicklungen nach sich zieht, welche noch durch den überraschenden Besuch seines dementen Vaters (seine bisher schwerste Rolle am WLT: Guido Thurk soll keinen Ton von sich geben) befeuert werden. Dass stille Wasser durchaus über eine erhebliche Tiefe verfügen können, offenbart der verblüffende Schluss: Don’t worry, be happy…

Lügen haben junge Beine. im Bild: Bigamist John (Mario Thomanek) ist ständig auf die kreative Hilfe seines Freundes und Nachbarn Stanley (Mike Kühne) angewiesen.
Bigamist John (Mario Thomanek) ist ständig auf die kreative Hilfe seines Freundes und Nachbarn Stanley (Mike Kühne) angewiesen. Foto: Volker Beushausen

Der 1932 in London geborene Autor, Schauspieler, Regisseur und Theaterleiter Ray Cooney, der völlig zu Recht „Großmeister der Farce“ genannt wird, zieht mit seiner buchstäblich umwerfenden Komödie „Caught in the Net - Run for your Wife Again“ („Lügen haben junge Beine“) alle Register seines Könnens. Uraufgeführt 2001 in London ging die Deutschsprachige Erstaufführung der seinesgleichen suchenden Abfolge von immer extremeren Ausreden und abenteuerlichsten Verwechslungen bereits am 25. Mai 2002 über die Bühne des Staatsschauspiels Dresden. Die Fortsetzung der 2019 ebenfalls von Markus Kopf am WLT inszenierten und von Manfred Kaderk ausgestatteten turbulenten Farce „Taxi, Taxi – Doppelt leben hält besser“ („Run for your Wife“), in der bereits Mario Thomanek als John Smith, Franziska Ferrari als Barbara Smith und Mike Kühne als Stanley Gardener glänzten sowie, seinerzeit als Inspektor, Guido Thurk, sollte ursprünglich am 11. April 2021 in der Stadthalle Castrop-Rauxel Premiere feiern. Doch pandemiebedingt gab des nur eine interne Presse-Voraufführung, die Premiere wird nun am Freitag, 25. Juni 2021, um 20 Uhr open air auf dem Außengelände des WLT-Proben- und Logistikzentrums an der Bahnhofstraße 126 (neben dem Europaplatz) in Castrop-Rauxel nachgeholt.

Einhundert pausenlose Minuten völlig überdrehter Lachmuskel-Anspannung erwarten die nach der langen Pandemie-Pause unterhaltungsdurstigen Zuschauer, die das Vorläufer-Stück nicht gesehen haben müssen. Eher im Gegenteil: Wer „Taxi, Taxi“ nicht kennt, hat (noch) mehr von dieser erneut rasant in Szene gesetzten singulären Anhäufung absurdester Situationskomik, welche in eine wunderbare und, soviel darf verraten werden, familientaugliche Pointe mündet. Karten für die Premiere am Freitag, 25. Juni 2021, und die zweite, ebenfalls um 20 Uhr beginnende Vorstellung am Samstag, 26. Juni 2021, auf der Homepage des Westfaelisches-Landestheater.

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Freitag, 25. Juni 2021, um 20 Uhr

Weitere Termine:

  • Samstag, 26. Juni 2021, um 20 Uhr
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