Kniefall von Warschau

'Der Kniefall von Willy Brandt hat mich tief bewegt'

Udo Sobieski.
Udo Sobieski. Foto: Isabel Diekmann

Es war eine Geste der Demut, die die Welt nachhaltig beeindruckte: Willy Brandt kniete am 7. Dezember 1970, also vor exakt 50 Jahren, in Warschau am Denkmal für den jüdischen Ghetto-Aufstand gegen die deutschen Besatzer nieder. Der damalige Bundeskanzler bat so in Polen um Vergebung für die Gräueltaten der Nationalsozialisten, sein Kniefall überzeugte mehr als jede Ansprache. Das entsprechende Foto ging um die ganze Welt und ist bis heute Zeitgeschichte.

Für Udo Sobieski war diese Demutsbekundung „ein Hauptgrund, später in die SPD einzutreten“. Für den heutigen Herner SPD-Fraktionschef war es „eine gigantische und vor allem nicht geplante menschliche Aktion, die mich damals als 13-Jähriger tief bewegt hat“. Für den heute 63-Jährigen habe dieser Kniefall maßgeblich dazu beigetragen, eine Entspannung in der Ost-West-Politik einzuleiten. „Und sie zeigte die Zerrissenheit des Menschen Willy Brandt, der sich zu einer Schuld bekannte, an der er nicht selbst zu tragen hatte.“

Welche Dimensionen der Kniefall vor allem in Polen hatte, spürte Udo Sobieski 19 Jahre später persönlich. Zum 1. September 1989, 50 Jahren nach dem Überfall der deutschen Truppen auf Polen, der den 2. Weltkrieg einleitete, besuchte er mit dem Landesjugendring NRW für drei Tage Warschau. Mit dabei war unter anderem Helmut Hellwig, damals Landtagsabgeordneter für Wanne-Eickel, und auch der damalige NRW-Ministerpräsident Johannes Rau besuchte für einen Tag die polnische Hauptstadt. „Beide hielten an Gedenkstätten für die Gefallenen des 2. Weltkrieges oder vor Mahnmälern beeindruckende Reden“, erinnert sich Sobieski. Bis heute nicht vergessen hat er aber die Gespräche mit polnischen Jugendlichen: „Das war zwar nicht immer einfach, aber wenn wir diskutierten, kam die Rede immer wieder auf den Kniefall. Für die Polen war es die Geste, die Willy Brandts Motto ,Entspannung durch Annäherung‘ auch mit Leben füllte.“

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