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Wechselt Ende April 2024 in den Ruhestand: Stadtdirektor Hans Werner Klee, der als Kämmerer der die Finanzen der Stadt im Blick hatte.

Der Kämmerer der Stadt verabschiedet sich in den Ruhestand

Klee: 'Wir haben eine Menge geleistet'

Ende April ist es soweit: Der Ruhestand naht für Dr. Hans Werner Klee. Hernes Stadtdirektor war elf Jahre lang unter anderem als Kämmerer der „Herr der Finanzen“ über die ewig klamme Stadt Herne. Im Gespräch mit der halloherne-Redaktion blickt er auf seine Erlebnisse zurück und erzählt, warum es nun doch kein kompletter Ruhestand wird.

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2012 kam die Frage vom damaligen SPD-Fraktionsvorsitzenden Dr. Frank Dudda auf, ob nicht der Job des Kämmerers etwas für Klee wäre. „Da musste ich erstmal fragen: Was ist denn ein Kämmerer?“, blickt der heute 65-Jährige zurück und lacht dabei. „Dann hab ich aber gesehen, dass im Dezernatszuschnitt alles das drin erhalten war, was ich im Prinzip in 25 Jahren Berufsleben in unterschiedlichen Funktionen wahrgenommen habe. Das klang höchst spannend.“

Verschiedene Jobs bei der RAG

So ist Klee nach einem BWL-Studium in Köln promovierter Betriebswirt, hat unter anderem zwei Jahre bei der damaligen WestLB in Düsseldorf gearbeitet und war zwischen 1991 und bis Ende 2010 in verschiedenen Funktionen bei der Ruhrkohle AG (RAG) tätig. So war er kaufmännischer Geschäftsführer der früheren Montan Grundstücksgesellschaft, die heute RAG Montan Immobilien heißt.

Zusammen mit dem früheren Oberhausener Oberbürgermeister Burkhard Drescher führte er noch eine Beratungsgesellschaft, bis Drescher dort aufgrund eines Wechsels zur Innovation City in Bottrop seine Aktivitäten herunterschraubte.

So viel geschafft: 'Da wird einem Angst und Bange'

Doch dann kam eben Dudda auf Klee zu und in einer knappen Mehrheit gab es die Wahl für den Mann, der in Hürth bei Köln geboren ist. Seit dem Dienstantritt im Mai 2013 ist viel passiert. „Ich habe mich vor kurzem mal damit beschäftigt, was wir alles gemacht haben. Ehrlich gesagt: Mir ist dabei Angst und Bange geworden“, erläutert Klee.

Vier Schwerpunkte hatte er. Der erste sind natürlich die städtischen Finanzen. „Da haben wir es geschafft, ab 2018 einen ausgeglichenen Haushalt zu erwirtschaften - in den vergangenen Jahren mit der Krux, dass die Bilanzierungsrichtlinien in Bezug auf die Corona-Pandemie geändert wurden“, blickt der Kämmerer zurück. „Wir haben hier aber auch eine konsequente Konsolidierungspolitik gefahren.“ So seien viele RWE-Aktien verkauft worden, Grundstücke wurden veräußert und Steuern erhöht. Außerdem habe man die Liquiditätskredite von 575 auf rund 450 Millionen Euro senken können.

Der neue Kämmerer Marx Alexander Ulrich (re.) wird vom nun ehemaligen Hans Werner Klee beglückwünscht.

Dennoch hält er fest: „Es sieht momentan schlechter aus. Die Perspektiven sind nicht so positiv.“ Er habe zwar zuletzt das historisch beste Ergebnis für die Stadt verkünden können, dennoch sehe die Zukunft nicht rosig aus. „Insgesamt haben wir zu wenig Mittel, um den Funktionen der Daseinsvorsorge nachkommen zu können, wir sind strukturell unterfinanziert. Das kommuniziere ich, seitdem ich hier bin.“

Frustration bei der Altschuldenlösung der Kommunen

So ist er ein großer Freund des Aktionsbündnisses „Für die Würde unserer Städte“, um eine Lösung für Altschulden in Kommunen vom Bund und vom Land zu bekommen. Dieses kämpft bereits seit 2008 für eine gemeinschaftliche Lösung. „Weil das nicht vorankommt, treibt das Frustration in mir hoch“, betont Klee.

Der zweite Schwerpunkt sind städtische Beteiligungen, die konsequent ausgebaut wurden. Da er gerne den Vergleich bemüht, dass die Verwaltung ein Tanker sei, ein paar Schnellboote drum herum aber zwingend notwendig sind, sind hier die Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG), die Herner Schulmodernisierungsgesellschaft (HSM) und die Gesellschaft Herne.Digital gegründet worden, die allesamt in verschiedenen Bereichen aufs Tempo drücken können und die Flexibilität erhöhen. Zudem kommen noch die Blumenthal-Gesellschaft hinzu (bereits gegründet) sowie eine geplante für das FunkenbergQuartier.

Viele Arbeitsplätze geschaffen und entwickelt

Stadtentwicklung sei der dritte wichtige Punkt in seiner beruflichen Laufbahn als Dezernent. „Wir haben hier viele Arbeitsplätze geschaffen sowie Flächen entwickelt“, bilanziert der Mann, der in Bochum wohnt. Zudem war Klee für die städtischen Immobilien zuständig. Neben der Neuorganisation der Immobilienfunktion sind die Gründung der HSM und der Neubau der Hauptfeuer- und Rettungswache (halloherne berichtete) hier seine Highlights.

Sendete oft Botschaften an Düsseldorf und Berlin: Das Aktionsbündnis

Sein Nachfolger wird ab Mittwoch, 1. Mai 2024, Marc Alexander Ulrich, der zuletzt Kämmerer der Stadt Bergkamen im Kreis Unna war. „Ich kenne ihn schon seit fünf, sechs Jahren“, sagt Klee und fügt an: „Ich hab immer gesagt, das könnte ein guter Nachfolger sein. Daher freut es mich, dass die Politik ihn als Kämmerer auserkoren hat. Er ist fachlich hoch kompetent und sehr integer.“

Beratungen durch Erfahrungen von beiden Seiten

In der Zukunft möchte der scheidende Finanzchef der Stadt zusammen mit seiner Frau mehr reisen, so besitzt die Familie auch Ferienwohnungen auf der Insel Amrum, die er vermietet. „Allerdings werde ich auch noch beratungstechnisch weiterarbeiten. Von 150 auf null herunterzugehen, ist ungesund. Von daher möchte ich anderthalb bis zwei Tage pro Woche noch etwas tun“, erläutert er. „Ich habe den Vorteil, ich kenne die öffentliche Hand und auf der anderen Seite die Privatwirtschaft und habe in beiden Netzwerke.“ Hier könne er noch sein Know-How einfließen lassen, aber er macht das, was ihm Spaß macht.

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Eines ist ihm zum Abschluss noch wichtig - das merkt man auch vorher schon, weil er oft in der „Wir“-Form spricht. „Wir haben eine Menge geleistet. Ich bin aber immer nur so gut, wie die Summe der Qualität meiner Mitarbeiter“, betont er. Darin schließt er die rund 500 Mitarbeiter seines Dezernates sowie den Verwaltungsvorstand mit den anderen Stadträten ein. „Am Anfang habe ich hier manchmal für Verwirrung gesorgt, weil ich oft den kürzesten Weg gehe und dann auch mal selbst zum Hörer gegriffen habe. Aber das hat geholfen.“ Das sieht man an den vergangenen elf Jahren.

Dienstag, 30. April 2024 | Autor: Marcel Gruteser