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Hoppla, jetzt komm‘ ich: Mario Rolf Brutschin brilliert in der Titelrolle der Adaption des Thomas-Mann-Romans „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ am WLT.

Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull

Klassenzimmerstück nach Thomas Mann

In Thomas Manns unvollendet gebliebenem Entwicklungsroman „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“, an dem der Literatur-Nobelpreisträger von 1910 bis 1954 gearbeitet hat, blickt der 40-jährige Ich-Erzähler Felix auf sein bewegtes Leben zurück. „Aus feinstem Holz geschnitzt schon als kleiner Knabe“ habe sich der Sohn des rheinischen Lorley-Schaumwein-Produzenten als begnadeter Müßiggänger und notorischer Schulschwänzer, vor allem aber als höchst begabt zur „Große Freude“ genannten Liebeslust erwiesen – zunächst beim doppelt so alten Zimmermädchen Genovefa.

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Bohème am Main und an der Seine

Kommt mit wenig Requisiten aus: Mario Rolf Brutschin schlüpft in mehr als ein Dutzend Rollen und sorgt mit Extempores für beste Stimmung im Publikum.

Als die Sektfabrik pleite ist und sich sein Vater erschießt, zieht Felix mit seiner Mutter nach Frankfurt am Main, um dort eine kleine Pension zu eröffnen, während seine ältere Schwester Olympia zur Operette geht. Nachdem er sich, mit einer filmreifen realsatirischen Finte, bei der Wiesbadener Musterung dem Militärdienst entzogen hat, kann er als „Herzensgesellschafter“ der ungarischen Prostituierten Rosza ein bohèmehaftes Leben am Main führen, bevor er auf Vermittlung seines Paten Felix Schimmelpreester an der Seine beim Generaldirektor Stürzli im Pariser Grandhotel Saint James and Albany als Liftboy Armand beginnt.

Und sogleich das Interesse einer Straßburger Dame, Madame Houpflé, erweckt. Bald kann der Frauenliebling bei Maitre Machatschek in den Kellnerdienst eintreten, wo er weiteren amourösen Versuchungen ausgesetzt ist von höheren Töchtern wie der 17-jährigen Eleanor aus Birmingham bis hin zu einem schottischen Lord. Felix freundet sich bei einem seiner Incognito-Ausflüge in die feine Gesellschaft mit dem Marquis de Venota an, der mit der schönen Soubrette Zaza liiert ist. Weshalb ihm seine Eltern mit Enterbung drohen, wenn er nicht ihr entsagt und auf Weltreise geht.

Felix, der Glückliche

Felix willigt ein, an seiner statt von Lissabon aus in See zu stechen und verwandelt sich mit den nötigen Papieren und Geldmitteln versehen in Louis de Venota alias Loulou. Bereits auf der Zugfahrt nach Portugal lernt er Antonio Jose Kuckuck kennen, Professor der Naturwissenschaft und Direktor des Naturhistorischen Museums Lissabon. Felix wird von dessen Gattin Maria Pia und Tochter Suzanna alias Zouzou herzlich aufgenommen. Als er mit Letzterer inflagranti erwischt wird, findet er Erfüllung am Busen der Mutter – bis zu seiner Abreise nach Südamerika…

Gegenwärtige Geschichte

Nach Markus Kopfs Adaption „Mario und der Zauberer“ 2013 arbeitet das Westfälische Landestheater (WLT) Castrop-Rauxel mit „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ erneut einen bekannten Stoff Thomas Manns für ein junges Publikum (ab 15 Jahren bzw. 10. Klasse) auf. Karin Eppler hat ihre eigene Bühnenfassung als Klassenzimmerstück inszeniert mit dem 31-jährigen Schauspieler Mario Rolf Brutschin in der Solorolle des Felix Krull. Sie konzentriert sich dabei auf die erste Hälfte des 370-seitigen Romans, in dem sie eine überraschend gegenwärtige Geschichte entdeckt und von „Match!“ bis „Next Level“ behutsam sprachlich aktualisiert hat: „Felix Krull lügt kaum bewusst – er wird gelesen, interpretiert, bewundert. Mich interessiert, wie sehr eine Gesellschaft selbst daran beteiligt ist, ihren eigenen Betrug zu erzeugen.“ In unseren Zeiten der Fake News und der unter jungen Leuten grassierenden medialen Selbstinszenierung stellen sich Fragen nach der Wahrheit neu: Wer bestimmt, was wahr ist? Und warum lassen wir uns so gern täuschen?

Virtuoses Solo

Mario Rolf Brutschin zieht gut fünfzig Minuten lang alle Register, verkörpert das achtjährige „Felix Wunderkind“ im Matrosenanzug ebenso virtuos wie den scheinbaren Epileptiker bei der Musterung im Unterhemd oder den gefälligen Liftboy in der Uniform der Pariser Nobelherberge. Der bei der Premiere am 5. Februar 2026 in der Recklinghäuser Käthe Kollwitz Gesamtschule heftig umjubelte WLT-Debütant schlüpft darüberhinaus rastellihaft in mehr als ein Dutzend Rollen. Geboren 1994 in Lörrach im Schwarzwald absolvierte Brutschin ein Studium an der Freiburger Schauspielschule, um danach vor allem am Landestheater Dinkelsbühl und am Münchner Theater für Kinder auf den Brettern zu stehen – und auf den Planken des TUI-Ozeanriesen „Mein Schiff“ für Unterhaltung auf den sieben Weltmeeren zu sorgen.

Abendvorstellungen im Mai 2026

2024 mit dem Theaterpreis der Fränkischen Landeszeitung ausgezeichnet wird Mario Rolf Brutschin in dieser Spielzeit auch zum Ensemble der Rockshow „Respect! Die Würde des Menschen ist unantastbar“ von Tankred Schleinschock gehören, die – schon ‘mal zum Vormerken – am 21. Juni 2026 um 19.30 Uhr im Theater Duisburg gastiert. Doch zunächst tourt er in der 100. Jubiläumsinszenierung Karin Epplers, ihrer 16. Regiearbeit am WLT, durch das großen Einzugsgebiet des Landestheaters – und sorgt mit Extempores etwa zur erneuten Einführung der Wehrpflicht für beste Stimmung im Publikum. Am 25. Februar, 12. und 13. März 2026 können Schulen auch Vormittagsaufführungen im WLT-Studio am Europaplatz in Castrop-Rauxel buchen – und Erwachsene haben erstmals im Mai 2026 die Möglichkeit, Mario Rolf Brutschin im wahren Wortsinn hautnah zu erleben.

Karten

Karten unter westfaelisches-landestheater.de oder Tel. 02305–978020.

Die nächsten Abendvorstellungen im WLT-Studio

  • Mittwoch, 13. Mai 2026, um 20 Uhr
  • Donnerstag, 14. Mai 2026, um 20 Uhr
  • Freitag, 15. Mai 2026, um 20 Uhr
  • Samstag,16. Mai 2026, um 20 Uhr
  • Sonntag, 17. Mai 2026, um 18 Uhr
Mai
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Mittwoch
Mittwoch, 13. Mai 2026, um 20 Uhr Westfälisches Landestheater Castrop-Rauxel, Europaplatz 10, 44575 Castrop-Rauxel
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  • Donnerstag, 14. Mai 2026, um 20 Uhr
  • Freitag, 15. Mai 2026, um 20 Uhr
  • Samstag, 16. Mai 2026, um 20 Uhr
  • Sonntag, 17. Mai 2026, um 18 Uhr
Dienstag, 10. Februar 2026 | Autor: Pitt Herrmann