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Der Herner Schauspieler Joachim Król kann auch anders: In „Lautlos“ spielt er einen professionellen Auftragskiller, zu sehen am 4. Januar 2026 um 17:30 Uhr im Essener Astra-Kino.

Kinofilm 'Lautlos' auf Leinwand und Bildschirm

Joachim Król kann auch anders

Ein deutscher Thriller mit dem Herner Schauspieler Joachim Król als eiskaltem Auftragsmörder – zu Beginn der Nullerjahre ein Wagnis gleich in mehrfacher Hinsicht. Hat es doch der deutsche Genrefilm außerhalb der erfolgreichen TV-Serien wie „Tatort“ und „Polizeiruf 110“ sehr schwer, sich in den Kinos zu behaupten gegen hochkarätig besetzte internationale Produktionen.

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Seit den späten 1980er Jahren, seit Dominik Graf („Die Katze“, „Die Sieger“) das Genre des „film noir“ fast im Alleingang bestritt, gab es nur wenige Versuche etwa eines Romuald Karmakar, den Genrefilm in deutschen Landen heimisch zu machen. Ausgerechnet der deutsch-türkische Regisseur Mennan Yapo (eigentlich Mennan Yapicioglu, 1966 in München geboren) hat 2004 mit „Lautlos“ wieder einen Thriller in die Kinos gebracht, der diese Bezeichnung auch wirklich verdient.

Geräuschloser Mord

Ein Mann lehnt mit einem Glas Whiskey am Geländer eines Balkons und blickt über eine nicht näher kenntlich gemachte Großstadt (gedreht wurde vom 13. August bis zum 17. Oktober 2002 in München und Stuttgart). Da löst sich eine Gestalt aus dem Dunkel, richtet eine Waffe auf ihn und drückt ab. Das Glas fällt, landet sanft im Blumenkasten, der Mann sackt nach hinten, die Gestalt tritt heran, fängt den Körper rechtzeitig auf und lässt ihn zu Boden gleiten – ohne jedes Geräusch.

Viktor (er kann auch anders: Joachim Król), ein Auftragskiller Mitte 40, hat es wieder einmal geschafft, einen Mann zu töten, der von der Polizei streng bewacht wurde. Doch im Bett des Opfers liegt eine Frau, die nicht zu Viktors Auftrag gehört: Nina (Nadja Uhl), Mitte 30. Als er die Waffe auf sie richtet, wendet sie sich ihm im Schlaf zu und summt ein Kinderlied. Die Melodie durchbricht seine innere Stille.

Nina (Nadja Uhl) ist völlig ungeplant in Victors (Joachim Król) Leben getreten, was für seinen Job als skrupelloser Auftragskiller Folgen haben wird.

Am nächsten Morgen findet Nina die Leiche auf dem Balkon. Sie wird einem harten polizeilichen Verhör unterzogen, bei dem sie wie paralysiert wirkt. Der „Profiler“ Lang (herausragend: Christian Berkel), der die Ermittlungen leitet, glaubt nicht, dass sie etwas mit dem Mord zu tun hat – und lässt sie gehen.

Der Profi-Killer als Lebensretter

Viktor folgt ihr heimlich und rettet ihr das Leben, als sich Nina durch den Sprung von einer Brücke das Leben nehmen will. Nun ist diese Frau in sein Leben getreten, und Viktors väterlicher, todkranker Auftraggeber (Peter Fitz) fürchtet zurecht, dass er seine eiskalte Besonnenheit verlieren könnte. Und das unmittelbar vor einem letzten Auftrag: Viktor soll einen russischen Politiker umbringen, der sich nur für drei Tage in der Stadt aufhält...

Mit „Lautlos“ hat der Sympathieträger des deutschen Films, Joachim Król, vor zwanzig Jahren einen Imagewechsel gewagt und sein Repertoire um die Rolle eines Serienmörders, der bereit ist, für seine Liebe alles aufs Spiel zu setzen, erweitert: Viktor möchte das Land verlassen und mit Nina ein neues Leben anfangen.

Neues Körperbewusstsein

„Ich wollte, dass Joachim Król ein völlig neues Körperbewusstsein entwickelt“, so Regisseur Yapo, „und dadurch ein ganz anderer Mensch wird. Er sollte sich seine Rolle über den Körper erarbeiten, nicht über das übliche Spielen und Verstellen. Darum habe ich ihn schon bei unserem ersten Treffen im Mai 2.000 darauf eingestimmt, dass er hart trainiert und abspeckt, dass er seine gesamte Haltung und seine Sprache verändert. Und Joachim Król fand das eine großartige Herausforderung.“

So präsentierten sich bei der NRW-Premiere am 29. April 2004 in der Essener „Lichtburg“ vor großer Revierprominenz, darunter auch der damalige Herner Theatermacher und Schauspieler Willi Thomczyk, neben dem Regisseur und seinem Hauptdarsteller auch die Trainerin und die Physiotherapeutin des Herners. Joachim Król: „Der Killer verlangte von mir eine ganz andere Physis, eine völlig neue körperliche Präsenz. Ich finde es reizvoll, neue Aufgaben zu suchen. Darum bin ich nach vier Kommissar-Auftritten in Venedig aus der Brunetti-Serie ausgestiegen, um Zeit für ‚Lautlos’ zu haben. Es war eine Entscheidung für ein Wagnis und gegen eine Form von Routine, in der ich mich sicher noch weitere fünf bis sechs Jahre hätte treiben lassen können. Aber danach hätte ich wohl auch ausgesehen wie ein gelangweilter Kommissar.“

Kino-Retrospektive

Für seinen 94-minütigen, am 22. April 2004 im Berlin uraufgeführten Thriller „Lautlos“ ist Regisseur Mennan Yapo 2005 auf zwei Festivals ausgezeichnet worden: mit dem Sonderpreis der Jury des Festival du Film Policier im französischen Cognac und dem Platin Award des World Film Fest in Houston/Texas in der Kategorie „Bester Independentfilm – Spannung/Thriller“.

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„Lautlos“ entfaltet seine volle Wucht naturgemäß nur auf der großen Leinwand, weshalb ich die Vorführung am Sonntag, 4. Januar 2026, um 17:30 Uhr im Essener Astra im Rahmen der großen Joachim Król-Retrospektive ans Herz lege. Andererseits aber nicht verschweigen kann, dass der Film noch bis zum 22. Januar 2026 in der ARD-Mediathek gestreamt werden kann.

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Sonntag, 4. Januar 2026, um 17:30 Uhr Astra Kino, Teichstraße 2, 45127 Essen
Dienstag, 30. Dezember 2025 | Autor: Pitt Herrmann