jazzwanne - Die Ausstellung

Geschichte, Movement und urbane Kunst

(v.li.) Kurator Ralf Piorr, Musiker Eckard Koltermann und Dr. Oliver Doetzer-Berweger.
(v.li.) Kurator Ralf Piorr, Musiker Eckard Koltermann und Dr. Oliver Doetzer-Berweger. Foto: Heinz-Jürgen Bourichter

Am Donnerstag, 4. November 2021, wird um 19 Uhr im Heimatmuseum an der Unser-Fritz-Straße 108 in Wanne-Eickel eine Ausstellung eröffnet, die den Fokus auf ein zwar längst vergangenes, jedoch bis in unsere Gegenwart hineinreichendes Kapitel der Musikgeschichte unserer Stadt richtet: jazzwanne – Geschichte, Movement und urbane Kunst.

Der Kurator Ralf Piorr: „Die Akteure der jazzwanne waren für einen Moment mit dem verbunden, was die Welt in Bewegung setzt. Sie atmeten den Geist von Freiheit, Liberalität und Individualismus. Sie erprobten die Improvisation als Handlungskonzept und bezogen Stellung. So bewegte der Traum, der sich um mehr drehte als nur um Musik.“

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jazzwanne - Die Ausstellung

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Das die Ausstellung in diesem Umfang entstehen konnte, hat auch mit dem Engagement des langjährigen WAZ-Fotografen Hartmut Beifuß und dem Wanner Musiker, Komponisten und Kenner der Szene Eckard Koltermann zu tun. Beifuß versorgte Ralf Piorr von Anfang an mit Fotos aus dieser Zeit und durch Koltermann, der Piorr beratend zur Seite stand, entstanden viele Kontakte, so auch zu der Witwe von Ernst Dittke. Auch ist es Koltermann zu verdanken, dass zum Beispiel das Piano von Heinz Oelmann die Ausstellung bereichert.

1954 gegründet

Am 2. April 1954, weiß die Herner Historikerin Uta C. Schmidt im hervorragenden und mit 20 Euro äußerst wohlfeilen, an der Museumskasse wie im Buchhandel erhältlichen Katalog zu berichten, gründeten vierzehn junge Männer und immerhin eine Frau im Gesellschaftszimmer der Gaststätte Union-Bräu an der Hauptstraße in Wanne den Club, der später bis zum Abriss des Gebäudes 1967 im Hause eines Bierverlages unter der Adresse Am Bahndamm 3 über eigene Räumlichkeiten verfügte.

Was ihm weder Ärger mit lärmbelästigten Nachbarn ersparte noch die Ignoranz allzu konservativer sozialdemokratischer Lokalpolitiker, die jazzwanne jegliche öffentliche Unterstützung versagten. Was einem engagierten Künstler wie Karl-Heinz Blomann im Katalog-Interview bis heute sauer aufstößt und ihn den alten Streit mit dem damaligen Kulturdezernenten Joachim Hengelhaupt („Die Flöte“) wiederbeleben lässt. Dabei gehören die von ihm gegründeten „Tage Alter Musik“, die nun im November 2021 wieder bevorstehen, zu den kulturellen Leuchttürmen Hernes.

Musik- statt Tanzclub

Ausstellung Jazz in Wanne.
Auch allerhand Musikinstrumente sind zu sehen. Foto: Heinz-Jürgen Bourichter

Dabei hat sich jazzwanne selbst immer als elitär empfunden: ausdrückliche kein Tanzclub, sondern ein Musikclub. Weshalb Kurt Edelhagen, Hernes weltweit berühmter Jazzer, nur beiläufige Erwähnung im Katalog findet wie auch Deutschlands Jazz-Lady Nummer eins, Silvia Droste. Aber zurück zum eigentlichen Gegenstand, der auf beiden Etagen des Heimatmuseums sehr materialreich und anschaulich präsentiert wird: Im Erdgeschoss kann die Geschichte von jazzwanne nachvollzogen werden, im Obergeschoss wird der Club in einen größeren räumlichen und musikalischen Kontext gestellt.

Zu dem etwa auch die Initiative Musik Wanne-Eickel um Karl-Heinz Blomann, Jürgen Grislawski und der kürzlich verstorbene Gitarrist Peter Habermehl gehört. Ebenfalls an der Ausstelllung beteiligt ist der Wanner Komponist und Musiker Echard Koltermann, der gibt zu Protokoll, dass er als junger Berufsmusiker maßgeblich geprägt worden ist von den jazzwanne-Gründern, vor allem vom Pianisten Heinz Oelmann und vom Saxophonisten Ernst Dittke: „Durch ihre Erzählungen habe ich begriffen, wie identitätsstiftend der Club war und was er für starke Spuren hinterlassen hat. Nicht nur in der Musikerszene, sondern vor allem im Bewusstsein der Leute, die dabei gewesen waren. ‚Was wollen wir?‘ Das war eine zentrale Frage. Sie haben versucht, immer nach vorne zu schauen.“

Ausstellung Jazz in Wanne.
Die Ausstellung jazzwanne blickt auf ein Kapitel Musikgeschichte. Foto: Heinz-Jürgen Bourichter

Im Obergeschoss des Museums ist auch die 1962 vom Westdeutschen Rundfunk gedrehte TV-Dokumentation über jazzwanne zu sehen, während der 1993 vom Herner Video-Label Schauinsland produzierte Film „Now’s The Time. Die Jazz-Wanne – zur Geschichte eines Jazzclubs im Ruhrgebiet“ von Norbert Kozicki auf dem „Mondkanal“ auf YouTube zu finden ist. Bewegte Bilder und O-Töne sind naturgemäß anschaulicher als Fotos, auch wenn sie vom gebürtigen Wanne-Eickeler und vielfach ausgezeichneten Hartmut Beifuß stammen, dem langjährigen Bochumer WAZ-Fotografen und DJV-Vorstandsmitglied, als Plakate und andere Dokumente aus öffentlichen Archiven und privaten Sammlungen.

Bedeutsame Eröffnung

Weshalb die Eröffnung der Ausstellung am Donnerstag, 4. November 2021, um 19 Uhr so bedeutsam ist. Die heimischen Schauspieler Till Beckmann und Jennifer Ewert sowie Ralf Piorr bringen dem Publikum den Ausstellungsgegenstand mit einer Performance szenisch nahe, während Achim Krämer (Drums), der neben Ingo Marmulla und Norbert Müller zur zweiten jazzwanne-Generation zählt, Eckard Koltermann (Clarinette, Saxophon), Martin Scholz (Piano) und Stefan Werni (Keyboards) die Jazz-Musik der 1950er und 1960er Jahre wiederaufleben lassen.

Da die 3G-Regelung gilt und entsprechende Kontrollen notwendig sind, empfiehlt sich rechtzeitiges Erscheinen.

jazzwanne - Geschichte, Movement und urbane Kunst, vom 5. November 2021 bis zum 13. Februar 2022 im Heimatmuseum Unser Fritz, Unser-Fritz-Straße 108, in Herne. Geöffnet Dienstag bis Freitag von 10 bis 13 Uhr und von 14 bis 17 Uhr, Samstag nur von 14 bis 17 Uhr sowie Sonntag und an Feiertagen durchgehend von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet für Erwachsene 1,50 Euro, für Kinder und Jugendliche (6 bis 17 Jahre) sowie Schüler 50 Cent.

Ausstellung Jazz in Wanne.
Der Jazz-Club gründete sich Mitte des 20. Jahrhunderts. Foto: Heinz-Jürgen Bourichter
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Donnerstag, 04. November bis Samstag, 13. Februar 2021 Heimatmuseum Unser Fritz , Unser-Fritz-Straße 108 , 44653 Herne Geöffnet Dienstag bis Freitag von 10 bis 13 Uhr und von 14 bis 17 Uhr, Samstag nur von 14 bis 17 Uhr sowie Sonntag und an Feiertagen durchgehend von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet für Erwachsene 1,50 Euro, für Kinder und Jugendliche (6 bis 17 Jahre) sowie Schüler 50 Cent.
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