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Friede, Freude, Eierkuchen? Sara (Anna Schudt) und Hannes Wenger (Sebastian Bezzel) in besseren Zeiten daheim.

Neu in der Filmwelt Herne

Jan Weilers 'Die Ältern'

„Struktur und Rituale sind ja nun nichts, wofür man sich schämen müsste. Im Gegenteil. Ich verstehe gar nicht, was gerade los ist“: Hannes Wenger (Sebastian Bezzel) hat alles, was er zum Glücklichsein braucht: eine liebevolle Familie mit Gattin und zwei Kindern, ein Haus im Grünen der Hansestadt Hamburg und eine solide Karriere als erfolgsverwöhnter Schriftsteller. Die großen Bestsellerjahre seiner inzwischen bei Band 8 angekommenen „Im Dunstkreis“- Reihe sind zwar vorbei, doch Hannes nimmt das mit stoischer Gelassenheit – er ist einfach gerne Ehemann und Vater.

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„Wir leben im Stillstand vor uns hin. Unser Leben ist langweilig, unsere Ehe ist festgefahren“: Seine Frau Sara (Anna Schudt), eine beruflich stark geforderte Juristin, hat eine völlig andere Sicht auf die Dinge, findet die Beziehung „eingerostet“ und möchte eine Auszeit nehmen. Da trifft es sich aus ihrer Sicht gut, dass die inzwischen 21-jährige Tochter Carla (Kya-Celina Barucki) ihr Studium aufnehmen und daheim ausziehen will. Warum nicht, für die erste Zeit, eine Mutter-Tochter-WG gründen?

Fürsorglicher Spätboomer

Nach seiner Lesung freut sich Hannes (Sebastian Bezzel) auf einen aufregenden Abend mit Martina (Sarah Bauerett) – und dann taucht plötzlich ihr Mann Klaus (Markus John) auf.

Auch Carlas jüngerer Bruder Nick (Philip Müller) geht die übermotivierte Fürsorglichkeit seines Vaters, die bereits mit einem opulenten Frühstück beginnt, schon seit längerem auf die Nerven. Aber er wird Papas Spätboomer-Weisheiten noch einige Zeit ertragen müssen, steckt er doch mitten in den Vorbereitungen zum Abitur. Das Nick, so Frau Davids (Nilam Farooq), die neue Direktorin am Uwe Seeler Gymnasium, im Gespräch mit Hannes Wenger, kaum bestehen kann, wenn er seine schulischen Leistungen nicht erheblich verbessert.

„Alt, ungeil, taub, immer zu Hause“: Das vernichtende Urteil seiner Familie trifft Hannes hart, der die Nähe zu den Kindern nicht aufgeben will, was ihm den Vorwurf seiner Gattin Sara einbringt, an ihnen zu hängen „wie ein Schiffbrüchiger an einer Planke“. Doch damit nicht genug: Auch sein Freund und Verleger Markus (Thomas Loibl) hat schlechte Nachrichten für Hannes: Seine Bücher verkaufen sich nicht mehr so wie früher, weshalb er die Reißleine ziehen muss. Die Romanreihe wird eingestellt, Hannes muss seinen Stil ändern – und auf Lesereise durch die Provinz gehen, damit der Verlag wenigstens die Restbestände noch los wird.

Vanessa weckt Lebensgeister

Hannes (Sebastian Bezzel) gibt sich sichtlich Mühe, um mit Vanessas (Judith Bohle) Lifestyle mitzuhalten – im Schwimmbecken, beim Paddeln im Kanu oder wie hier im Asia-Restaurant.

„Was mache ich hier eigentlich? Frau weg, Tochter weg, Buchdeal wackelt. Statt mit Nick Mathe zu pauken, sollte ich doch eher neue Pläne angehen, irgendwas Mutiges machen, endlich in die Wüste fahren? Oder doch Vanessa anrufen? Aber aus diesem Spiel bin ich viel zu lange raus“: Hannes, dessen Wohlfühlwelt endgültig auf dem Kopf steht, scheint zu resignieren. Bis ihm in der Schwimmhalle Vanessa (Judith Bohle) begegnet: Die erheblich jüngere, pure Lebensfreude ausstrahlende Frau weckt in ihm neue Lebensgeister – vom Kneipenchor über Kanutouren auf der Alster bis hin zu allzu scharfen kulinarischen Genüssen beim authentischen Asiaten. Als dann Sohnemann Nick doch noch das Abitur besteht und ihn die erstmals wiedervereinte Familie Wenger entsprechend feiert, hat sich Papa Hannes endgültig emanzipiert – und steigt mit sich und der Welt zufrieden in den Flieger nach Afrika…

„Die Ältern“, der Titel ist dem Münchner Schriftsteller Jan Weiler beim Kochen eingefallen, hat mit „Das Pubertier – Der Film“ (2017) einen höchst erfolgreichen Vorläufer in der Regie von Leander Haußmann: Hannes und Sara Wenger, sie seinerzeit noch Ärztin, schlagen sich in München mit ihren heftig pubertierenden Kindern Carla und Nick herum. Die sind nun flügge geworden im 2020 erschienenen 8. Band seiner inzwischen 700 Welt-am-Sonntag-Kolumnen „Mein Leben als Mensch“, die Weiler zunächst zu einem Roman mit fortlaufender Handlung kompilierte und daraus zusammen mit Robert Gold („Der Fall Collini“) das Drehbuch zu einer herzerwärmenden 104-minütigen Komödie verfasste.

Idealbesetzung Sebastian Bezzel

Die nun in Hamburg verortet ist, gedreht vom 12. März bis 25. April 2025 an tollen Locations wie dem Johanneum-Gymnasium und der zauberhaften Bartholomäustherme, einzelne Szenen aber auch in Köln und in der Wüste von Dubai. Regisseur Sönke Wortmann hat mit Sebastian Bezzel die Idealbesetzung eines etwas schluffigen Mannes gefunden, der lieber auf andere reagiert als selbst voranzugehen. Es menschelt heftig, von großartigen Halloween-Kids, die sich mit Süßem und Saurem allein nicht mehr zufrieden geben, über eine skurrile Begegnung mit Martina (Sarah Bauerett) und ihrem Gatten Klaus (Markus John) auf einer Lesereise Hannes Wengers im Münsterland bis hin zu Carlas neuem Freund Paul (Enzo Brumm), der dauernd die zu Sprichwörtern mutierten Küchenweisheiten durcheinanderbringt und dennoch das bessere Ende für sich hat. Bei Jan Weiler wie bei Sönke Wortmann wird niemand der Lächerlichkeit preisgegeben.

Uraufgeführt am 2. Februar 2026 im Kinopolis Hafencity Hamburg startet „Die Ältern“ am 12. Februar 2026 in unseren Kinos, darunter auch in der Filmwelt Herne.

Mittwoch, 11. Februar 2026 | Autor: Pitt Herrmann