Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

Schattenlicht Beratungs- und Kontaktstelle für Frauen und Mädchen

Beratungsstelle Schattenlicht Plakatwand Herne
Schattenlicht zum Internationen Tag gegen Gewalt an Frauen. Foto: Beratungsstelle Schattenlicht

Anlässlich des Internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November (halloherne berichtete) machen die Verantwortlichen von Schattenlicht Beratungs- und Kontaktstelle für Frauen und Mädchen e.V. wie folgt auf die Situation betroffener Frauen aufmerksam:

„Am 25. November 2021 ist der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Das Bundesfrauen­ministerium veröffentlichte gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt anlässlich dieses Tages die Auswertung zu Gewalt in (Ex-)Partnerschaften für das Jahr 2020. Die Zahl der durch (Ex-)Partner getötete Frauen ist auf 139 gestiegen.

Zusätzlich schätzt eine aktuelle Studie des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen (EIGE) die Kosten geschlechtsspezifischer Gewalt in der EU auf 366 Milliarden Euro pro Jahr. Die gesellschaftlichen Folgekosten von häuslicher und sexualisierter Gewalt gegen Frauen belaufen sich für Deutschland demnach auf circa 54 Milliarden Euro pro Jahr, das ist die unglaubliche Summe von 148 Millionen Euro pro Tag. All diese Zahlen zeigen, um was für ein gravierendes gesellschaftliches Problem es sich bei Gewalt gegen Frauen handelt.

Die Fälle in der PKS sind nur die bei der Polizei angezeigten Fälle. Gewalt gegen Frauen kostet die Gesellschaft jährlich mehr als die Folgen von Verkehrsunfällen. Laut der EIGE-Studie werden die unterschiedlichen Kosten geschlechtsspezifischer Gewalt in der EU aufgeschlüsselt: Die größten Kosten werden durch physische und emotionale Auswirkungen (56 Prozent) verursacht, gefolgt von Kosten für die Justiz (21 Prozent) und verlorener Wirtschaftsleistung (14 Prozent) der Betroffenen. Andere Kosten entstehen durch Krankenbehandlungen, Kinderschutz und weitere soziale Folgen. Auch für die Betroffenen kann die Gewalt teuer sein, wenn sie zum Beispiel umziehen müssen oder eine Scheidung bezahlen.

Daraus resultiert ein hohes Armutsrisiko für Frauen. Nur ein verschwindend geringer Teil der jährlichen 54 Milliarden an gesellschaftlichen Folgekosten von häuslicher und sexualisierter Gewalt gegen Frauen wird für die staatliche Finanzierung von Unterstützungsangeboten aufgewendet. Dabei sind diese das wichtigste Instrument, um die Gewalt langfristig zu reduzieren und das Leiden der Betroffenen zu beenden.

Für von Gewalt betroffene Frauen sind Fachberatungsstellen der Schlüssel zum Hilfesystem. Sie beraten Betroffene, Bezugspersonen und Fachkräfte, sie unterstützen in Krisen, bieten Wissensvermittlung und Prävention. Fachberatungsstellen unterstützen auch Frauen, die von schwerer Gewalt und Tötungsversuchen betroffen sind und sorgen für mehr Sicherheit. Um Tötungen zu verhindern, braucht es klar abgestimmte Maßnahmen und Kooperationen vor Ort von allen Unterstützer. Dazu veröffentlicht der Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe – Frauen gegen Gewalt (bff) am 25. November ein umfangreiches Best-Practices-Handbuch sowie Erklärvideos zum Thema hochgefährdete Frauen mit Beraterinnen aus der Praxis.

Um die Gewalt und ihre Folgekosten langfristig zu reduzieren, muss die Istanbul-Konvention des Europarates vollständig umgesetzt werden. Sie verlangt eine staatliche Gesamtstrategie zur Bekämpfung von geschlechtsspezifischer Gewalt. Und sie verlangt ausreichend Geld im Unterstützungssystem.

Wir hoffen sehr, dass angesichts dieser erschreckenden Zahlen die Politik aufwacht und die Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt ganz nach oben auf die politische Agenda setzt."

Hier geht es zu den Links der EIGE-Kosten-Studie und Kriminalistische Auswertung Partnerschaftsgewalt 2020 des Bundeskriminalamtes.

Quelle: