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Stellungnahme der islamischen Gemeinde Röhlinghausen

Internationaler Tag der Menschen mit Behinderung

Anlässlich des Tages für Menschen mit Behinderung am Samstag (3.12.2022) erreichte dieses Statement der islamischen Gemeinde Röhlinghausen die halloherne-Redaktion:

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„Menschen mit Behinderungen oder unheilbare Krankheiten stehen an diesem Tag im Mittelpunkt. Seit Jahrhunderten wird viel darüber diskutiert, warum Gott Behinderungen oder Krankheiten zulässt und ob diese eine Strafe Gottes darstellen. Der Islam hat zu Krankheiten eine ganz andere Beziehung.

Im Voraus kann diese Frage mit einem eindeutigen „Nein“ beantwortet werden. Krankheiten sind nicht Gottes Strafe. Kranke Menschen oder Menschen mit Behinderungen sind nicht besonders schlechte Menschen.

Der Islam kennt nicht nur das Diesseits. Es gibt auch ein Jenseits. Viele Ereignisse oder Vorkommnisse, die wir miterleben und nicht verstehen, warum Gott sie zulässt, basieren auf der Annahme, dass hier und heute die Endphase ist.

Nein, das irdische Leben ist nicht das Endstadium. Es gibt ein besseres, ein längeres, ja, ein ewiges Leben, welches uns bevorsteht.

Gott sagt im Koran: „Und Wir werden euch sicher Prüfungen aussetzen mit ein wenig Furcht und Hunger und mit Verlust an Vermögen, Seelen und Früchten. Und verkünde den Geduldigen frohe Botschaft, Die, wenn ein Unglück sie trifft, sagen; «Wir gehören Gott, und wir kehren zu Ihm zurück.“

Und der Prophet sagt: „Es sind die besten und vollkommensten Menschen, die am meisten von Unglück und Not betroffen sind.“

Wenn man in der Geschichte zurückgeht, ist auch zu erkennen, dass die großen Propheten besonders viel Leid und Schmerz erlitten haben.

Abraham, Moses, Jesus und zuletzt Muhammad, sind nur einige. Der Vater des Propheten Muhammad starb vor seiner Geburt. Als sechsjähriges Kind verlor er seine Mutter. Sein Onkel und seine Ehefrau starben vor seinen Augen. Seine Kinder Kasim und Ibrahim musste er als Baby begraben.

Und eine besondere Erwähnung findet Hiob, Eyyüp. Krankheiten entstellten ihn so sehr, dass seine Frau in verließ.

Daher müssen wir gucken, was der Sinn der Krankheiten sind.

Das islamische Leidensverständnis kommt prägnant in einer bekannten Tradition des Propheten zum Ausdruck: Der Prophet Muhammad trat eines Tages einer Gruppe seiner Gefährten bei und fragte: „Seid ihr gläubig?“ Sie schwiegen. Schließlich sagte Umar: „Ja, o Gesandter Gottes.“ Muhammad fragte: „Was ist das Zeichen eures Glaubens?“ Sie antworteten: „Wir danken im Wohlergehen, wir sind geduldig in der Prüfung, und wir sind mit der Bestimmung (Gottes) zufrieden.“ Darauf sagte der Prophet: „Ihr seid Gläubige, beim Herrn der Ka`ba.“

Wo das Leiden aber als Bewährungsprobe angesehen wird, hilft dem Muslim/der Muslima die Geduld, die zentrale Tugend im Islam, die im Koran in unzähligen Versen empfohlen wird: „Ihr Gläubigen! Übt Geduld und bemüht euch, standhaft und fest zu bleiben! Und fürchtet Gott! Vielleicht wird es euch wohl ergehen.“

Die Krankheiten beinhalten eine Botschaft: „Du bist nicht unsterblich, du hast eine Aufgabe, denke an deinen Schöpfer, wisse, dass du das Grab betreten wirst, bereite dich entsprechend vor!“

Kranke bzw. Menschen mit Behinderungen benötigen nicht unser Mitleid, sondern ein offenes Ohr und Abbau der Barrieren, nicht nur im Umfeld, sondern auch in den Köpfen.

In Bezug zum „ein offenes Ohr haben“ gibt es eine interessante koranische Erzählung, der Vorfall mit Ummu Maktum, der zur Offenbarung der Sure Abese führte.

Während der Prophet einigen angesehenen Kuraischiten den Islam erklärte, kam der Blinde Abdullah bin Ummu Maktum zu ihm, um den Propheten anzuhören und diese „neue“ Religion von ihm zu erlernen. Der Prophet wandte sich allerdings weiterhin den Kuraischiten zu. Ummu Maktums blieb aufdringlich und der Prophet verzog sogar seine Miene, woraufhin er mit den ersten Versen der Sure Abese von Gott gewarnt wurde.

Eine andere Überlieferung zeigt, wie wichtig es für jede einzelne Person und für die Gesellschaft insgesamt ist, sich um Kranke, Bedürftige und Menschen mit Behinderung zu kümmern.

Gott wird am Tag der Auferstehung sagen: „O Menschensohn! Ich war krank, ihr habt mich nicht besucht.“ Der Mensch wird antworten: „Oh Gott! Wie könnte ich dich besuchen, wenn du der Herr der Welten bist?“ Gott: „Mein Geschöpf war krank, und du hast ihn nicht besucht. Wenn du ihn besucht hättest, hättest du mich bei ihm gefunden.“

Die Islamische Gemeinde versucht als Teil des Projekts „Wir für Alle“, die Mitmenschen für das Thema Inklusion zu sensibilisieren und erwarb mit der Förderung des Inklusionsscheckes NRW, eine Rollstuhlrampe, um Menschen mit Behinderung den Zugang in die Räumlichkeiten der Gemeinde zu erleichtern."

| Quelle: Islamische Gemeinde in Röhlinghausen