Immer wieder Bochum: Marina Frenk

'Iwanow' an der Kö und Lesung im PRT

Marina Frenk, 1986 in Moldawien geboren, lebt als Schauspielerin und Musikerin in Berlin.
Marina Frenk, 1986 in Moldawien geboren, lebt als Schauspielerin und Musikerin in Berlin. Foto: Emanuela Danielewicz

34 Jahre jung und ein echtes Tausendsassa-Talent: Gebürtig in Moldawien und in Bochum aufgewachsen spielt Marina Frenk derzeit im Schauspielhaus unserer Nachbarstadt die reiche Witwe im Iwanow. Die Vorstellungen sind coronavirusbedingt ebenso abgesagt wie ihre für den Donnerstag, 26. März 2020, im Prinz-Regent-Theater Bochum geplante Lesung aus ihrem Debütroman ewig her und gar nicht wahr. Darin wird autofiktional über das Schicksal und Leben einer jüdisch-russischen Migrantin erzählt. Bochum ist in diesem Erstlingswerk auch Station der Protagonistin, wie auch immer mal wieder im wahren Leben bei Frenk.

Schauspielerin, Musikerin, Hörspielsprecherin, Performerin, Autorin: An der Essener Folkwang- Schule ausgebildet, war die jetzt als freiberuflich tätige Künstlerin von 2008 bis 2010 unter Intendant Elmar Goerden an der Bochumer Theaterburg engagiert. Im Jahr 2009 bekam sie den Bochumer Theaterpreis in der Kategorie Nachwuchsschauspielerin. Indes führten feste Engagements auch nach Köln, Leipzig und ans Berliner Gorki-Theater.

Der Debütroman, einfühlsam und spannend geschrieben, obendrein noch sehr raffiniert gebaut, erzählt von einer jungen Migrantin aus Moldawien, die als Malerin tätig ist. Kinder leben den Schatten ihrer Eltern, besagt eine psychologische Theorie. Auch diese Kira schleppt ein Gutteil an Familie und ihren Verstrickungen mit sich herum. Deutschland hätte eine neue Heimat sein können, doch die Heldin und ihre russisch-jüdische Familie ist nirgendwo angekommen. Und so begibt sich die Protagonistin auf Spurensuche nach dem Leben ihrer Vorfahren. Versucht ihre Geschichten zu begreifen und in ihren Bildern zu verarbeiten. Vielleicht ist Frenk, obwohl mit ihrem kleinen Söhnchen Paul gern in Berlin lebend, auch Bochum, wie ihrer Romanhauptfigur, ein Stück nahe. Denn immer wieder mal macht sie hier Station.

Marina Frenk mit Martin Horn und Thomas Dannemann im Bochumer „Iwanow“.
Marina Frenk mit Martin Horn und Thomas Dannemann im Bochumer „Iwanow“. Foto: Monika Rittershaus

So jüngst in Johan Simons formidabler Einrichtung von Anton Tschechows Drama Iwanow im Schauspielhaus Bochum, von der sich Simon Strauss in der Frankfurter Allgemeinen völlig zurecht begeistert zeigte: „Wenn man nur einen Abend hätte, um in diesem Jahr ins Theater zu gehen, dann müsste man nach Bochum fahren. Zum Iwanow, mit Jens Harzer. Denn eine solche Aufführung wird man so schnell nicht wiedersehen. So eine großzügige Inszenierung, so ein poetisches Spiel.“ Neben dem überragenden Titeldarsteller, Jens Harzer, weiß sich Bochum-Rückkehrerin Marina Frenk als kandiertes Äpfelchen in der Rolle der jungen, eleganten Witwe Babakina durchaus zu behaupten.

Mit ihrem am Berliner Maxim-Gorki-Theater entstandenen selbst geschriebenem Theatertext Fuck you Moldova spielte Frenk auf diversen Festivals; ihre selbst gespielte, geschriebene, inszenierte und vertonte Performance Valeska Gert - The Animal Show war 2018 zum Radikal-Jung- Regie-Festival nach München eingeladen. Viele Projekte treiben die Künstlerin um, wandelt damit in der Erfolgsspur. Sie war langjährige Sängerin der Folk-Jazz-Band Kapelsky, wo es sich die Neu-Berlinerin nicht nehmen ließ ihre „Jungs“ dem Bochumer Publikum vorzustellen und spielt mit der Elektro-Noise-Band Baba Dunyah, ebenso mit Daniel Kahn und Yuriy Gurzhy als The Disorientalists.

Ihr selbst geschriebenes Hörspiel Jenseits der Kastanien, in dem sie auch Paul Celans Gedichte vertonte, bekam 2017 den Europäischen Civis Media Prize Radio. 2016 erhielt sie gemeinsam mit Sybille Berg den Hörspielpreis der Kriegsblinden für Und jetzt die Welt. Mit Spannung schauen wir einer außergewöhnlichen Musentochter zu, die zu Beginn des Jahres 2020 ein Autoren-Stipendium für Kultur und Europa vom Berliner Senat erhielt. Ihr schriftstellerisches Debüt, das den Nerv des Zeitgeistes trifft, lässt jedenfalls mehr als aufhorchen.

Marina Frenk: ewig her und gar nicht wahr, Roman, 240 Seiten, Wagenbach-Verlag Berlin 2020, 22 Euro, ISBN 978 3 8031 3319 9.

Die am Donnerstag, 26. März 2020, geplante Lesung im Prinzregenttheater Bochum fällt aus, ob es einen Ersatztermin gibt, steht noch nicht fest. Iwanow mit Marina Frenk steht voraussichtlich im Mai 2020 wieder auf dem Spielplan des Schauspielhauses Bochum, Karten unter Tel. 0234 – 33 33 55 55.

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