Projekt gescheitert, Hauptgeschäftsführer Bergmann beurlaubt
IHK-Vollversammlung stimmt gegen Vereinigung
Die Vollversammlung der IHK Mittleres Ruhrgebiet stimmte in ihrer Sitzung am Montag (1.6.2026) gegen eine Vereinigung der IHK Mittleres Ruhrgebiet mit der IHK zu Essen. Damit kommt der in den vergangenen Monaten intensiv vorbereitete Vereinigungsprozess unter dem Titel „Kammer machen!“ (halloherne berichtete) zu einem Ende. Zudem gab die IHK Mittleres Ruhrgebiet bekannt, IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Bergmann zeitlich befristet beurlaubt zu haben.
Mit ihrer Entscheidung haben die ehrenamtlichen Mitglieder der Vollversammlung nach umfassender Prüfung, intensiven Diskussionen und sorgfältiger Abwägung entschieden, die wirtschaftliche Selbstverwaltung in den Kammerstädten Bochum, Herne, Witten und Hattingen eigenständig fortzuführen.
Wirtschaftliche Schlagkraft bündeln
In den vergangenen Monaten hatten die IHK Mittleres Ruhrgebiet und die IHK zu Essen gemeinsam die wirtschaftlichen, organisatorischen und rechtlichen Voraussetzungen einer möglichen Vereinigung geprüft. Ziel war es, die wirtschaftliche Schlagkraft beider IHK-Regionen zu bündeln sowie zusätzliche Leistungen für Mitgliedsunternehmen zu schaffen.
„Präsidium und Vollversammlung sind nach intensiven Diskussionen zu der Erkenntnis gelangt, dass das Projekt zum jetzigen Zeitpunkt nicht entscheidungsreif ist“, erklärte Philipp Böhme, Präsident der IHK Mittleres Ruhrgebiet, nach der Sitzung der Vollversammlung. „Ich habe den Mitgliedern der Vollversammlung deshalb empfohlen, gegen eine mögliche Vereinigung zu stimmen.“
Zahlreiche Bedenken geäußert
Bereits am Mittwoch (27.5.2026) hatten in einer eigens einberufenen Sondersitzung der Vollversammlung zahlreiche Mitglieder des Gremiums ihre Bedenken gegen das Projekt geäußert und zusätzliche Informationen erbeten, um über eine Fortführung von „Kammer machen!“ entscheiden zu können. „Zudem hat auch das NRW-Wirtschaftsministerium angemerkt, dass viele Fragen nicht abschließend geklärt sind – und das Projekt deshalb nicht entscheidungsreif sei“, so Böhme weiter.
„Die heutige Entscheidung ist ein klarer Ausdruck gelebter Selbstverwaltung der Wirtschaft“, ergänzte IHK-Vizepräsident Christopher Schäfer. Auch IHK-Vizepräsident Michael Vogelsang, der ebenfalls Teil des Lenkungskreises des Projektes „Kammer machen!“ war, äußerte sich zum Aus des Projekts: „Wir brauchen in der aktuellen wirtschaftlichen Situation eine stabile IHK, die für ihre Mitgliedsunternehmen da ist. Eine Fortführung des Projekts hätte zu viele Kapazitäten in unserer Kammer gebunden.“
'Wir brauchen eine Kammer, die im Bezirk präsent ist'
IHK-Vizepräsident Andor Baltz erklärte: „Wir brauchen eine Kammer, die für die Unternehmen im Kammerbezirk präsent ist und sich um die Belange vor Ort intensiv kümmert. Bei einem Zusammenschluss wäre die Befürchtung groß gewesen, dass uns die für die Unternehmen wichtige Regionalität verloren ginge.“
Gleichzeitig gab die IHK Mittleres Ruhrgebiet bekannt, IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Bergmann zeitlich befristet zu beurlauben, um verschiedene Sachverhalte zu klären. „Wir möchten uns die Zeit nehmen, diese mit der gebotenen Sachlichkeit aufzuarbeiten“, sagte Präsident Philipp Böhme, ohne nähere Details zu nennen. Die Leitung der IHK Mittleres Ruhrgebiet wird in dieser Zeit von den beiden Führungsteam-Mitgliedern Fatma Yüceoglu und Stefan Grave in enger Abstimmung mit dem Präsidium der Kammer übernommen. „So gewährleisten wir Kontinuität und Sicherheit. Das sind wir auch den Mitarbeitern der IHK schuldig.“