Beratungsstelle legt Jahresbilanz 2025 vor
Viel zu tun für Hernes Verbraucherberater
Iim Jahr 2025 gab es wieder viel zu tun für die Mitarbeiterinnen der Verbraucherzentrale Herne. Am Freitag (13.6.2026) veröffentlichten sie ihren Jahresbericht und dieser zeigt, wo die Herner am meisten Unterstützung benötigten. Insgesamt habe es laut Verbraucherzentrale Herne im Jahr 2025 4.383 Verbraucheranliegen gegeben.
Onlinekauf als größtes Verbraucherproblem 2025
Die gefragtesten Beratungsgespräche gingen mit 50 Prozent um Alltagsverträge und Reklamation. So erläutert Veronika Hensing, Leiterin der Beratungsstelle, in der Jahresbilanz, dass das größte Verbraucherproblem 2025 beim Onlinekauf lag.
Eine aktuelle Umfrage Bundesverbands der Verbraucherzentralen zeige, dass es unter anderem in den vergangenen zwei Jahren beim Online-Kauf immer wieder Probleme mit der Lieferzeiten, Reklamationsablehnungen, Betrug oder der Produktqualität gab. Ferner gebe es aber auch immer wieder Probleme mit Zahlungsdienstleistern, weil der propagierte Käuferschutz nicht immer greift, heißt es von der Verbraucherzentrale.
Denn immer mehr junge Menschen nutzen für ihre Online-Einkäufe Bezahldienste wie Klarna, PayPal oder Amazon Pay. Sie verlassen sich darauf, dass der dort oftmals angepriesene Käuferschutz greift. Dass es hierbei aber einiges zu beachten gibt, ist den Jugendlichen meist gar nicht bewusst. So greift der Käuferschutz beispielsweise nicht bei allen Produkten und liegt im Ermessen des Anbieters. Diese Problematik griffen die Verbraucherberater auch am Weltverbrauchertag 2025 auf. So gab es an diesem Tag eine informative Schulpause am Mulvany Berufskollegs, wo die Verbraucherzentrale in Herne und die Polizei Bochum die Schüler in Sachen Rechte bei Online-Käufen berieten (halloherne berichtete).
Dokumenten-Dienstleister, Abofalle, Coaching und die Riester-Rente
Ferner hatten die Verbraucherschützer es im Jahr 2025 auch mit sogenannten Dokumenten-Dienstleister zu tun. Diese versprechen Verbrauchern beispielsweise bei Daten-Änderungen beim Rundfunkbeitragsservice oder Post-Nachsendeaufträgen zu helfen und berechnen dafür Kosten, doch in den meisten Fällen sind auf den Internetseiten der verschiedenen Stellen, diese Art der Änderung kostenlos möglich.
Laut Verbraucherzentrale seien im Jahr 2025 diese Dienstleister größtenteils im Bereich Kinderzuschlag, Wohngeld oder die neu eingeführten Einreiseanträge für Großbritannien aufgefallen. Da die Werbeanzeigen dieser Anbieter in Suchmaschinen meist ganz oben platziert seien, werden diese daher oft geklickt und die Verbraucher fallen auf die angebotenen Leistungen herein. In vielen Fällen berieten die Mitarbeiter und boten auch eine rechtliche Unterstützung an.
Ferner beschäftigten sich die Verbraucherberater NRWs auch mit unseriösen Coaching-Angeboten aus den sozialen Medien, Knöllchen auf dem Supermarkt-Parkplatz durch Privatunternehmen, weiterhin mit dem Telekommunikationsanbieter 1N Telecom sowie Abo-Fallen bei Werbeanrufen.
Aber auch das Rentenkürzungsverbot in Riester-Verträgen war ein Thema für die Verbraucherschützer. So habe der Bundesgerichtshof hat im Dezember 2025 eine von der Allianz verwendete Klausel zur Kürzung des Rentenfaktors in Riester-Verträgen für unwirksam erklärt, erläutert die Verbraucherberatung in ihrem Jahresbericht.
Diese Klausel benachteilige Versicherte unangemessen, da sie dem Versicherer ein einseitiges Recht zur Kürzung der Rentenhöhe einräume. Eine spätere Erhöhung bei verbesserten Rahmenbedingungen sei nicht vorgesehen gewesen. Geklagt hatte die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, nachdem die Allianz den ursprünglich zugesagten Rentenfaktor deutlich reduziert hatte. Das Urteil habe laut Verbraucherberatung NRW weitreichende Bedeutung, da vergleichbare Klauseln in der Branche verbreitet sind.
Gegen drei andere Anbieter führe die Verbraucherzentrale NRW ähnliche Verfahren. Betroffene Versicherte können eine Korrektur des Rentenfaktors verlangen. Die Beratungsstelle prüfe vorhandene Verträge, bietet Informationen und einen kostenlosen Musterbrief an.
Umweltschutz im Fokus
Immer wieder nahm sich die Verbraucherzentrale Herne auch Umweltthemen an. So informierten sie beispielsweise darüber, dass Insektizid-Sprays seit Januar 2025 nicht mehr frei zugänglich in Geschäften angeboten werden durften. Sachkundiges Personal musste vorab die Kunden in den Geschäften und auch online beraten. Einige Monate nach dem Start der Beratungspflicht habe die Umweltberatung in Herne in Geschäften vor Ort-Überprüfungen durchgeführt, um herauszufinden, was sich beim Kauf eines Insektensprays verändert hat. Ergebnis: Die Neuregelung zeigte Wirkung und trägt seitdem zum Verbraucherschutz bei. Wenngleich einige Hersteller eine Gesetzeslücke nutzten und seitdem Insektenabwehrsprays anbieten.
Ferner ging es der Wegwerf-Mentalität an den Kragen, da sich laut Verbraucherzentrale Möbel ähnlich wie Kleidung zu Wegwerfgegenständen entwickeln. Deshalb kooperierten die Verbraucherzentrale in Herne, Entsorgung Herne und die Jugendkunstschule Herne: In mehreren Workshops reparierten und gestalteten Teilnehmende gebrauchte Stühle neu. Sie kreierten aus alten Sitzmöbeln neue und funktionale Einzelstücke.
Neue Gesetze, Verordnungen und Richtlinien
Überhaupt würden die Anliegen der Ratsuchenden immer komplexer. „Neue Gesetze, Verordnungen und Richtlinien fordern eine fallbezogene Auslegung und hohes Fachwissen – neue digitale Geschäftsstrategien eine sorgfältige Einzelfallprüfung“, erläutert Veronika Hensing im Jahresbericht.
So machen laut Hensing komplizierte Vertragsgeflechte die Rechtsdurchsetzung aufwändiger. Auch themenübergreifende Beratung sei vermehrt erforderlich. Zudem signalisieren viele Verbrauchergruppen Überforderung und brauchen passgenaue Hilfestellungen. Insgesamt gab es 2025 1.376 Rechtsberatungen und -vertretungen.
Auch im neuen Jahr gibt es also durch die immer komplexer werdenden Themen viel zu tun für die Verbraucherberater.