Goldene Hochzeit dank Tumorentfernung

Patientin Marianne Spaan hatte nur noch geringe Überlebenschancen

Konnten ihre Goldene Hochzeit feiern: Patientin Marianne Spaan (m.) mit ihrem Ehemann Wilhelm Spaan (l.) und Dr. Nurettin Albayrak (r.), Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie des St. Anna Hospital.
Konnten ihre Goldene Hochzeit feiern: Patientin Marianne Spaan (m.) mit ihrem Ehemann Wilhelm Spaan (l.) und Dr. Nurettin Albayrak (r.), Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie des St. Anna Hospital. Foto: St. Elisabeth Gruppe

Als sich Marianne Spaan vor neun Jahren mit der Diagnose Speiseröhrenkrebs im St. Anna Hospital Herne vorstellt, stehen ihre Überlebenschancen schlecht, heißt es in einer Mitteilung von Freitag (7.1.2022). Zum damaligen Zeitpunkt gibt es nur wenig standardisierte minimal-invasive Operationstechniken auf dem Gebiet der Speiseröhrenchirurgie. Zudem bringt die damals 69-Jährige eine Vorerkrankung der Lunge mit, die eine Operation riskant macht. Nur der Gedanke an ihre bevorstehende Goldene Hochzeit gibt ihr Zuversicht. Heute lebt sie gesund und tumorfrei.

Sie hatte nur einen Wunsch: Zusammen mit ihrem Mann ihre Goldene Hochzeit erleben. Dr. Nurettin Albayrak, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie im St. Anna Hospital Herne, erfüllte ihr diesen – und feierte zwei Jahre später mit dem Ehepaar ihr 50-jähriges Hochzeitsjubiläum.

Diagnose war ein Schock

Die Beschwerden der heute 78-Jährigen fingen bereits ein Jahr vor der Diagnose an. Damals suchte sie einen niedergelassenen Gastroenterologen auf, da ihr das Brennen in der Speiseröhre beim Trinken von heißen oder kalten Getränken ungewöhnlich vorkam. Die Ergebnisse der Untersuchungen ergaben jedoch keinen Befund. Ein Jahr später, nachdem die Symptome erneut auftraten, fanden die Ärzte die Ursache: Speiseröhrenkrebs.

„Es war ein Schock. Der Doktor hat angerufen und mich in die Praxis gebeten. Er sagte, ich solle meinen Mann mitbringen“, erzählt Marianne Spaan. Ihr Arzt habe ihr eine weitere Behandlung bei Dr. Albayrak empfohlen. „Er sagte zu mir: ‚Wenn Sie meine Mutter wären, würde ich Sie ins St. Anna Hospital schicken. Da ist ein Spezialist‘“, berichtet sie. „Wir waren hilflos. Daher haben wir uns auf den Rat verlassen. Es war die beste Entscheidung.“

Besorgte Blicke

„Ich erinnere mich noch an die besorgten Blicke des Ehepaars, als sie zum ersten Mal in meiner Sprechstunde waren“, erzählt Dr. Albayrak. „Die Angst, die OP nicht zu überleben, war groß.“ Zur damaligen Zeit waren offene Operationen der Standard bei der Entfernung von Speiseröhrentumoren. Dabei ist ein 25 bis 30 cm langer Schnitt im Brustraum sowie ein ebenso langer Bauchschnitt erforderlich. Dr. Albayrak wendete bei der Patientin dagegen eine komplett minimal-invasive Operationsmethode an, um den vom Tumor befallenen Teil der Speiseröhre zu entfernen und die Restspeiseröhre an einen zum Schlauch geformten Teil des Magens zu nähen. Bei dieser Art der Operation sind nur kleine Einschnitte von etwa 1 cm Länge im Bauch- und Brustraum sowie am Rücken nötig, durch die die Operationsinstrumente eingeführt werden. Lediglich am Rücken benötigt es zusätzlich einen etwas größeren Schnitt von ca. 4 cm.

Die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie im St. Anna Hospital war damit eine der ersten Kliniken, die ein vollständig minimal-invasives Verfahren zur Entfernung eines Speiseröhrentumors angewendet hat. Heute ist die Klinik ein von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziertes Speiseröhrenkrebszentrum. In den vergangenen neun Jahren hat sich einiges an der minimal-invasiven Technik verändert. „Die ersten vollständig minimal-invasiven Speiseröhrenkrebsentfernungen haben etwa acht bis zehn Stunden gedauert, so auch bei Frau Spaan“, erklärt der seit 21 Jahren im St. Anna Hospital tätige Chirurg. „Inzwischen ist die Methodik standardisiert und nach über 100 minimal-invasiv entfernten Speiseröhren haben wir viel Erfahrung, sodass die OP nur noch fünf bis sechs Stunden dauert.“

Schneller Genesungsprozess

Marianne Spaan verbrachte die ersten Nächte nach der Operation auf der Intensivstation, bevor sie auf eine Normalstation verlegt wurde. Bereits elf Tage später konnte sie tumorfrei entlassen werden. Die durchschnittliche Krankenhausaufenthaltsdauer liegt in Deutschland im Vergleich dazu bei etwa 30 Tagen – offene Operationen miteingerechnet. Denn anders als bei einer offenen Operation haben Patienten nach einer minimal-invasiven Operation nur kleine Wunden – somit auch weniger Schmerzen und einen deutlich schnelleren Genesungsprozess.

Nicht nur der Gedanke an die bevorstehende Goldene Hochzeit ließ das Ehepaar Spaan vor und nach der Operation zuversichtlich sein. Auch Dr. Albayraks Versprechen, dass er zur Hochzeitsfeier kommen würde, gab ihnen Hoffnung, dass alles gut wird. Dennoch habe sie nicht damit gerechnet, dass er ihrer Einladung zur Hochzeitsfeier tatsächlich folgen würde, gibt Marianne Spaan zu. „Wir haben uns sehr gefreut“, berichtet sie lachend. Das ging dem Chefarzt nicht anders: „Es war wirklich eine sehr schöne Feier“, fügt er hinzu.

Quelle: