Generalkonsul der russischen Föderation

Große Sympathie für Gedenk- und Lernort

Das Hafthaus in Herne Mitte - ehemaliges Polizeigefängnis - aufgenommen im September 2007 von Wolfgang Quickels.
Der Generalkonsul der russischen Föderation hat große Sympathien, das ehemalige Polizeigefängnis als Lern- und Gedenkort zu erhalten.. Foto: Wolfgang Quickels

Der Generalkonsul der russischen Föderation (Bonn), Alexey Dronov, besuchte am Donnerstag (2.9.2021) die Stadt Herne. Nach einem Meinungsaustausch mit Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda im Rathaus traf sich der Diplomat auf Einladung des DGB-Stadtverbands mit Vertretern zivilgesellschaftlicher Initiativen in der ver.di-Geschäftsstelle an der Heinrichstraße.

Neben der Erörterung aktueller politischer Themen und der ausbaufähigen Beziehungen zwischen der russischen Föderation und Deutschland nahm die lokalhistorische Geschichts- und Erinnerungsarbeit breiten Raum in der Unterredung ein.

Alexey Dronov brachte zum Ausdruck, dass das Bemühen zur Errichtung eines ständigen Lern- und Gedenkortes im ehemaligen Polizeigefängnis im Innenhof des Polizeipräsidiums, von russischer Seite mit großer Sympathie verfolgt und unterstützt wird.

Zellentüren im ehemalige Polizeigefängnis - gegenüber dem Herner Rathaus.
Zellentüren im ehemalige Polizeigefängnis - gegenüber dem Herner Rathaus. Foto: Thomas Schmidt, Stadt Herne

Während des 2.Weltkrieges diente das Herner Polizeigefängnis als zentraler Haftort der Gestapo-Leitstelle Dortmund für ergriffene Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter des gesamten rheinisch-westfälischen Industriegebiets. Die Zellen waren während des Krieges ständig, mit überwiegend sowjetischen Häftlingen überbelegt. Nach Recherchen des Trägervereins „Mahn- und Gedenkstätte Polizeigefängnis“ können allein an diesem Ort 90 Todesfälle von Inhaftierten sowjetischer Herkunft nachgewiesen werden.

Rolf Dymel übergab als Vorsitzende des Trägervereins dem Generalkonsul eine Zusammenstellung von Todesurkunden und verband dies mit der Bitte, bei der weiteren Klärung der einzelnen Schicksale behilflich zu sein. Dies wurde von russischer Seite zugesagt.

Alexey Dronov wollte seine Visite der Emscherstadt nicht als flüchtigen Höflichkeitsbesuch, sondern als Auftakt eines verstätigten, intensiveren Austauschs mit offiziellen Stellen aber gerade auch mit Vertretern der Stadtgesellschaft verstanden wissen. Gerade auf dem Feld der Geschichts- und Erinnerungsarbeit gäbe es vielfältige Anknüpfungspunkte der Kooperation und Verständigung.

Einen Tag nach dem Antikriegstag (1.September) unterstrichen die Gesprächsteilnehmer das gemeinsame Anliegen, über Meinungs-unterschiede in Einzelfragen hinweg, einen Beitrag zu Frieden und Verständigung zwischen Russland und Deutschland zu leisten. Der Urgroßvater von Alexey Dronov gehörte selbst zu jenen russischen Zwangsarbeitern die nach Deutschland verschleppt wurden und ihre Heimat nie wieder sahen. Das Grab des Uropas sei bis heute nicht bekannt und seine Oma hätte ihm schon als Kind eingeschärft „Junge, sorge mit dafür, dass es nie wieder Krieg gibt!“

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