Forever young: Wilhelm Tinnemann

„Begegnungen“ im Herner Kunstpunkt

Wilhelm Tinnemann zeigt “Begegnungen” Malerei und Skulpturen in der Galerie Kunstpunkt.
Wilhelm Tinnemann zeigt “Begegnungen” Malerei und Skulpturen in der Galerie Kunstpunkt. Foto: Fabian Dobbeck

Wenn man Wilhelm Tinnemann begegnet im Kunstpunkt, der kleinen, feinen Galerie des Herner Künstlerbundes neben dem Sodinger Bunker an der Mont-Cenis-Straße 296, wo ab Sonntag, 18. Oktober 2020 für gut fünf Wochen seine Ausstellung „Begegnungen“ gezeigt wird, ist es kaum zu fassen, einem Achtzigjährigen gegenüberzusitzen. Allein sein schlohweißer Haarschopf könnte bestätigen, dass dieser so vielseitige wie stets neugierige Künstler im Jahr 1940 in Herne geboren wurde.

Wilhelm Tinnemann zeigt “Begegnungen” Malerei und Skulpturen in der Galerie Kunstpunkt.
Wilhelm Tinnemann zeigt “Begegnungen” Malerei und Skulpturen in der Galerie Kunstpunkt. Foto: Fabian Dobbeck

Von einer intelligenten Ausstellungsarchitektur unterstützt sieht sich der Besucher mit einer enormen Vielfalt nicht nur der Themen, sondern auch der künstlerischen Techniken konfrontiert – höchst ungewöhnlich für die die Einzelpräsentation eines Künstlers, noch dazu wenn man weiß, dass alle 22 Arbeiten speziell für diese höchst aktuelle Werkschau geschaffen wurden und erstmals öffentlich gezeigt werden.

Wilhelm Tinnemann zeigt “Begegnungen” Malerei und Skulpturen in der Galerie Kunstpunkt.
Wilhelm Tinnemann zeigt “Begegnungen” Malerei und Skulpturen in der Galerie Kunstpunkt. Foto: Fabian Dobbeck

Der Rundgang beginnt linkerhand mit zwei Ölgemälden. Das rechte ist ein Selbstporträt des bis zu seiner Pensionierung als Elektroniker an der Universität Dortmund tätigen Wilhelm Tinnemann – expressiv in den geradezu fiebernden Kontrastfarben Gelb und Violett gehalten. Daneben ein Nachbar, der mit dem Fahrrad Frühlingsgrüße übergibt. Gleich dahinter, etwas versteckt an der Säule, das abstrakte Ölgemälde „Sonnenaufgang“, dem nicht nur thematisch ein „Sonnenuntergang“ gegenübersteht: das langjährige HKB '90-Mitglied hat auf sandiger Malplatte mit Pulver-Pigmenten experimentiert - und staunenswert exakt gearbeitet.

Wilhelm Tinnemann zeigt “Begegnungen” Malerei und Skulpturen in der Galerie Kunstpunkt.
Wilhelm Tinnemann zeigt “Begegnungen” Malerei und Skulpturen in der Galerie Kunstpunkt. Foto: Fabian Dobbeck

Wilhelm Tinnemanns handwerkliche Kunst, die sich besonders in seinen Skulpturen äußert, kommt nicht von ungefähr. Ende der 1980er Jahre weckte ein Malkurs bei einem Schüler Emil Noldes auf Sylt sein Interesse, die eigentliche künstlerische Ausbildung erfolgte im Bereich Malerei beim Bochumer Rüdiger Ricke und beim Dortmunder Frank Burkamp, während er im sauerländischen Atelier der Bildhauerin Ulrike Weidmann die Holz- und Steinbearbeitung studierte.

Wilhelm Tinnemann zeigt “Begegnungen” Malerei und Skulpturen in der Galerie Kunstpunkt.
Wilhelm Tinnemann zeigt “Begegnungen” Malerei und Skulpturen in der Galerie Kunstpunkt. Foto: Fabian Dobbeck

Und so begegnen sich jetzt im Sodinger Kunstpunkt farbenprächtige florale Ölgemälde mit, eine ganz neue Motivgruppe, nach Fotografien im Atelier entstandenen großformatigen Porträts seiner Nachbarn. Zwischen und neben seinen Text-Bild-Hommagen an den italienischen Renaissance-Multikünstler Michelangelo Buonarroti und den koreanischen Minimalisten Lee Ufan beanspruchen filigrane Holz- und Marmor-Skulpturen die Aufmerksamkeit des Besuchers. Den Wilhelm Tinnemann auch mit politischen Statements aus rein kontemplativer Betrachtung herausreißen möchte: „Endlich bis zur Grenze durchgekommen! Er wartet und wartet und bittet um Aufnahme“ kommentiert er seine gleich vom Eingang aus sichtbare Marmorskulptur „Asylant“: „Man sieht ihm die Resignation durch die Körperhaltung und in seinen Augen das Leiden an.“

Wilhelm Tinnemann zeigt “Begegnungen” Malerei und Skulpturen in der Galerie Kunstpunkt.
Wilhelm Tinnemann zeigt “Begegnungen” Malerei und Skulpturen in der Galerie Kunstpunkt. Foto: Fabian Dobbeck

Coronabedingt gibt es am Sonntag, 18. Oktober 2020, um 11:30 Uhr keine große Vernissage, aber doch eine von Günter Schneider und seinem Bruder auf Gitarre und Mundharmonika umrahmte kleine Eröffnungsrede zum Ausstellungs-Thema, deren Text von Luna Timmermann, der Enkelin des Künstlers, stammt. „Begegnungen“ wird noch bis zum 29. November 2020 zu folgenden Öffnungszeiten gezeigt: mittwochs und sonntags jeweils zwischen 15 und 18 Uhr. mehr Info auf der Homepage

Oktober
18
Sonntag
Sonntag, 18. Oktober 2020, um 11:30 Uhr Galerie Kunstpunkt , Mont-Cenis-Straße 296 , 44627 Herne

Weitere Termine:

  • Mittwoch, 21. Oktober 2020, von 15 bis 18 Uhr
  • Sonntag, 25. Oktober 2020, von 15 bis 18 Uhr
  • Mittwoch, 28. Oktober 2020, von 15 bis 18 Uhr
  • Sonntag, 01. November 2020, von 15 bis 18 Uhr
  • Mittwoch, 04. November 2020, von 15 bis 18 Uhr
  • Sonntag, 08. November 2020, von 15 bis 18 Uhr
  • Mittwoch, 11. November 2020, von 15 bis 18 Uhr
  • Sonntag, 15. November 2020, von 15 bis 18 Uhr
  • Mittwoch, 18. November 2020, von 15 bis 18 Uhr
  • Sonntag, 22. November 2020, von 15 bis 18 Uhr
  • Mittwoch, 25. November 2020, von 15 bis 18 Uhr
  • Sonntag, 29. November 2020, von 15 bis 16 Uhr
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