Ein Pianist nutzt die ruhige Zeit

Stadtfeld spielt keine Konzerte, er arbeitet an Projekten

Pianist Martin Stadtfeld.
An seinem Lieblingsplatz: Martin Stadtfeld an einem Klavier. Foto: Ingrid Hertfelder/ Sony Classical

Obwohl die Corona-Zeit für viele Künstler eine ruhige Zeit bedeutet, weil Auftritte und Buchungen wegfallen, sind die Monate seit März 2020 für Martin Stadtfeld gar nicht so ruhig verlaufen. Der Pianist, der in Wanne wohnt, arbeitet auch ohne Konzerte an verschiedenen Projekten, wie er im Gespräch mit der halloherne-Redaktion erläuterte.

„Es gibt für einen Pianisten derzeit drei Seiten. Die erste ist, dass ein Pianist trotzdem weiter am arbeiten ist. Durch das Spielen am Klavier versuche ich neue Dinge zu erproben, außerdem muss man die Anspannung und den Druck hochhalten. Zweitens ist es dann immer ein beglückendes Erlebnis, wenn man die Ergebnisse der neuen Stücke spielt. Das ein oder andere Mal ging das im Sommer ja bereits vor Zuhörern“, erläutert Stadtfeld. „Die dritte Seite ist das Leben mit dem eigenen Zuhause. Ein Mix aus Familienvater zu sein, Homeschooling und Kind wieder in der Schule, das macht einen weiteren großen Teil der Zeit aktuell aus.“

Zwischen 40 und 50 Konzerte sind bei ihm durch die Corona-Pandemie weggefallen, schätzt der Klavierspezialist. Doch für ihn ist das kein Grund nur zu Hause herumzusitzen. „Ich arbeite gerade sehr intensiv an meiner neuen CD, die ,Piano Songbook' heißt und im Frühjahr bei meinem Plattenlabel Sony Classical erscheinen wird“, kündigt der 40-Jährige an. „Das ist eine aufregende Zeit. Die CD wird Bearbeitungen von Bach, Schubert und weiteren großen Komponisten sowie eigene Werke von mir enthalten.“ Zudem erscheint ein Notenheft in Zusammenarbeit mit Schott Music.

„Obwohl ich mittlerweile schon rund 20 CD's veröffentlicht habe, sorgt das jedes Mal für Herzklopfen, wenn es ein neues Geschöpf zu kaufen gibt“, ist Stadtfeld euphorisiert.

Natürlich wünscht er sich auch wieder, vor Publikum spielen zu können. „Mein Kalender für 2021 ist voll und ich hoffe darauf, die Termine wahrnehmen zu können. Zum Beispiel ist für März 2021 eine Zusammenarbeit mit dem Württembergischen Kammerorchester geplant. Auf dieses Sonos-Projekt, bei dem ich auch die Leitung übernehme, freue ich mich ganz besonders. Dabei muss ich mich sehr gut vorbereiten, da die Art und Weise sehr speziell ist.“

Pianist Martin Stadtfeld.
Wartet darauf, wieder vor Zuhörern spielen zu dürfen: Pianist Martin Stadtfeld. Foto: Ingrid Hertfelder/ Sony Classical

Überhaupt sind beim Wanner Pianisten die Kalenderdaten schon für lange Zeit im Voraus belegt. „Es gibt teils Termine bis ins Jahr 2023. Da wartet man sehnsüchtig auf den Moment, wann es wieder normal losgehen kann“, sagt der Familienvater.

Die Aktionen der Veranstaltungs- und Kulturbranche, um ins Blickfeld der Politik zu geraten, unterstützt er. Bekannte Hashtags sind zum Beispiel #alarmstuferot und #SangUndKlanglos. „Diese Aktionen verfolge ich mit Symphatie, da befinden sich viele Menschen in prekären Situationen, auf die aufmerksam gemacht werden muss. Dazu gehören nicht die in vorderster Reihe auf der Bühne, sondern die vielen helfenden Hände wie Licht- und Tontechniker zum Beispiel. Die Existenz von vielen hängt an der Zukunft der Branche“, sagt Martin Stadtfeld.

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