Ein ganz besonderes Oster-Fest

Eine Kolumne von Hans-Jürgen Jaworski

Ostern - jetzt erst recht.
Ostern - jetzt erst recht. Foto: Hans-Jürgen Jaworski

An dieses Jahr Ostern wird man sich noch lange erinnern. Schön zuhause bleiben. Kein Ostereiersuchen bei den Großeltern, kein Treffen mit Freunden und Verwandten, kein Osterfeuer, keine Fahrt ins Grüne…..Wahrscheinlich könnte diese Liste noch individuell verlängert werden. Nur wenn man genau hinschaut, wird man feststellen, dass die meisten Dinge, auf die wir verzichten müssen, eigentlich gar nichts mit Ostern zu tun haben, sondern eher mit arbeitsfreien Feiertagen, Ferien und natürlich mit Geschäft und Gewinn.

Eine andere Geschichte sind die Ostergottesdienste; denn diese sind Mitte und Grund dieser Feiertage. Kein Osternachtgottesdienst, in dem alle am Ende, Kerzen in den Händen haltend, „Christ ist erstanden“ singen; kein Gottesdienst in der Früh mit dem Anbrechen des neuen Tages und anschließendem Osterfrühstück; kein Auferstehungsgottesdienst auf dem Friedhof, auf dem die Gräber meiner Lieben sind; kein Umarmen mit dem alten Ostergruß der Christenheit: Der Herr ist auferstanden - Er ist wahrhaftig auferstanden.

Also, mir fehlt das sehr, und da kommt schnell der Gedanke auf: Das ist kein richtiges Ostern! Oder sogar: Dieses Jahr fällt Ostern aus!

Aber im „Osterlicht“ besehen ist dieser Gedanke völlig daneben; denn Ostern ist längst geschehen - ein für allemal! In den Gottesdiensten wird dieses Geschehen gedenkend und dankend vergegenwärtigt, es wird gefeiert, dass seitdem der Tod nicht mehr das Letzte ist; er ist zum Vorletzten degradiert worden. Aber es ist eben längst geschehen und wird nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Von daher denke ich, dass ein Glaubender, der darum weiß, bestimmt nicht geistlich aus den Latschen kippen wird, wenn er einmal nicht wie jedes Jahr Ostern feiern kann, zumal alles nachgeholt werden kann, wenn die größte Not vorüber ist, häppchenweise, jeden Sonntag; denn jeder Sonntag, ursprünglich der erste Tag der Woche, ist immer ein kleines Osterfest.

Außerdem: So wie Joseph Beuys den Kunstbegriff erweitert hat, hatte Martin Luther einen erweiterten Gottesdienstbegriff. Der „institutionelle“ Gottesdienst in der Kirche ist die eine Sache, die andere, die daraus folgt, ist der Gottesdienst des Einzelnen im Alltag. Und gerade dazu haben wir Gelegenheit genug. Keiner verbietet uns, Vertrauen und Hoffnung auszustrahlen, Liebe zu wagen.

Ferner: Seit Jahrhunderten gibt es den Begriff „ecclesia invisibilis“, „unsichtbare Kirche“. Gemeint sind damit all diejenigen, die der Osterglaube eint, jenseits der unterschiedlichsten Kircheninstitutionen, wo auch immer auf diesem Globus. Da wird Ostern gefeiert in Kopf und Herz!

Das ist doch schon mal eine gute Basis. Und nehmen kann uns das keiner!

Wobei man sagen muss, dass heute so viel visibilis (sichtbar) ist, was vor Jahrzehnten noch invisibilis (unsichtbar) war. Wenn man will, kann man auch und gerade in diesen Tagen Ostergottesdienste aus aller Welt im eigenen Wohnzimmer miterleben, sogar zu jeder gewünschten Tages-und Nachtzeit. Ein Blick in die Fernsehzeitung oder ins Internet genügt.

Und ich meine, das kann auch ein bisschen spannend und feierlich sein. Denn bei „Tatort“ jage ich auch nicht den Verbrecher. Ich sitze auf dem Sofa und bin ganz aufgeregt, mit der Tüte Chips in der Hand.

Also, frohe Ostern. Jetzt erst recht!

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