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Der 65-jährige Wanne-Eickeler Klarinettist Eckard Koltermann erhält den diesjährigen „Jazz Pott“.

Der 26. Jazz Pott 2023 geht nach Wanne-Eickel

Eckard Koltermann spielt ausgezeichnet

Große Ehre für Eckard Koltermann: Der 65-jährige Wanne-Eickeler Klarinettist erhält den diesjährigen „Jazz Pott“. Mit der 26. Ausgabe des renommierten Jazzpreises würdigt die Jury, so wörtlich, „einen Pionier der europäisch vernetzten Improvisationsmusik aus dem Revier“.

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Die Preisverleihung und das Preisträgerkonzert finden am Samstag, 21. Oktober 2023, um 20 Uhr im Essener Grillo-Theater statt. Dort wird Koltermann gemeinsam mit den Musikern Theo Jörgensmann, Serge Corteyn, Christian Hammer, Achim Krämer und dem Schauspieler Rupert Seidl auftreten. Traditionell wird mit der „Jazz Pott“-Verleihung auch die aktuelle „Jazz in Essen“-Saison eröffnet.

Schlecht im Malen und Rechnen

Seit 43 Jahren ist Koltermann als professioneller Musiker unterwegs. Schon im zarten Alter von 14 Jahren war ihm klar, dass er „nur“ Musiker werden wollte. „Ich wollte nie etwas anderes werden“, erzählt er im halloherne-Gespräch. „Außerdem“, schiebt er augenzwinkernd nach, „kann ich auch nichts anderes: Ich bin schlecht im Rechnen, und Malen kann ich auch nicht.“ So blieb für ihn nur die Musik.

Im Alter von 16 Jahren war Bert Sowa von der Jugendkunstschule Wanne-Eickel sein erster Saxophon-Lehrer. Ein weiterer wichtiger Lehrer am Sax war für ihn der Dortmunder Jazz-Musiker und Komponist Rainer Glen Buschmann, nach dem die „Glen Buschmann Jazz Akademie“ an der Musikschule Dortmund benannt wurde.

Studium bei Sparnaay

Allerdings hatte es ihm die Bassklarinette angetan. „In einem Schaufenster in Amsterdam hatte ich eine gesehen, die hat mich einfach angelacht.“ Obwohl er dieses Instrument (noch) nicht spielen konnte, kaufte seine Mutter es ihm, erzählt er schmunzelnd.

Die Bassklarinette.

Zum Studium ging es nach Amsterdam – finanziert durch das Geld, das er mit dem Saxophonspiel verdiente. Der niederländische Bassklarinettist, Komponist und Hochschullehrer Harry Sparnaay, einer der bedeutendsten Bassklarinettisten der Welt, wurde sein Lehrer. „Er war einer der besten, und ich hatte das Glück, bei ihm studieren zu dürfen“, freut Koltermann sich noch heute.

Komposition im Selbststudium

Mit Anfang 20 brachte er sich im Selbststudium das Komponieren bei. „Mein Kompositionsstudium fand damals in der Wanner Bibliothek und später in der Amerika-Bibliothek in Berlin statt“, erzählt er. Dazu habe er sich jede Menge LPs angehört und die passenden Partituren dazu durchgelesen. Ziemlich konsequent sei er vorgegangen und hätte alles, von Bach bis Schostakowitsch, gehört und gelesen. Dazu Bücher über Kompositionstechnik wie den klassischen Kontrapunkt oder den vierstimmigen Satz gelesen. Übungen zu Hause vervollständigten sein autodidaktisches Studium.

Was folgte, waren viele Auftragskompositionen. Aus Koltermanns Feder stammen neben Theater- und Kammermusik, experimentelle Musik für diverse Filme, für Big Bands und zudem schrieb er Stücke für seine eigenen Bands, die er im Laufe der Jahre gründen sollte. Für seine zwölfköpfige Band „Collage“, die je zur Hälfte aus Jazz- und klassischen Musikern bestand, schrieb er Anfang der 90er beispielsweise alle Stücke selber.

Als 1982 das GrubenKlangOrchester internationale und ansässige Musiker vereinte, da gehörte Koltermann zu den Gründungsmitgliedern. Musiker aus ganz Europa arbeiteten hier zusammen. „Dieses Orchester war eine ganz wichtige Schule für mich und hier habe ich unter anderem auch meinen Freund, den Klarinettisten Theo Jörgensmann, kennengelernt, mit dem ich seitdem immer wieder zusammen gespielt habe“, erinnert er sich.

Durch Willem van Manen wieder nach Amsterdam

Auch den niederländischen Posaunisten, Komponisten und Bandleader Willem van Manen lernte er im Grubenklang kennen. „Durch Willem kam ich wieder nach Amsterdam zurück.“ Manen holte Koltermann in seine großformatige „Contraband". Von 1985 bis 2004 war diese so etwas wie eine kleine musikalische Heimat. In der Zeit ihres Bestehens gab die „Contraband" über 300 Konzerte und spielte vorwiegend Originalkompositionen ihrer Mitglieder. Koltermann selbst musste Manen jedes Jahr mindestens ein komponiertes Werk vorlegen.

Eckard Koltermann bei einem Konzert mit Katja Seidich in der Fördermaschinenhalle Unser Fritz.

Wichtig sind ihm aber auch die kleinen Sachen, „die ich mit Theo Jörgensmann gemacht habe". Und er nennt zum Beispiel das Klarinettenquartett CL-4, oder auch gemeinsam mit dem Pianisten Jeroen van Vliet und dem Bassisten Eric van der Westen das „impressionistic improvisers quartet“. Als „German Clarinet Duo“ gastierten Koltermann und Jörgensmann auf vielen internationalen Festivals in Nürnberg, Krakau, Székesfehérvár (Ungarn), Amsterdam, Groningen, Genf oder auch in Moers.

Stichwort Moers: Hier war Koltermann mit 28 Jahren der jüngste musikalische Leiter am Schlosstheater – unter der Intendanz von Rupert Seidl. Elf Jahre lang, von 1988 bis 1999, hatte er diesen Job inne. Theatermusik schrieb er unter anderem für das Kunstfest Weimar, das Berliner Ensemble und das Thalia-Theater Halle.

Gemeinsam mit Theo Jörgensmann war er 1988 einer der Mitbegründer der Neuen Organisation Musik (NOM) für die Konzertreihen, Festivals und Tonträgerproduktionen organisiert wurden.

„bonus" – Eine Auswahl

Der 'Jazz Pott' wird zum 26. Mal verliehen.

Mit „bonus“ brachte Koltermann 2022 ein beeindruckendes Werk mit einer Auswahl seines Schaffens aus den Jahren 1990 bis 2016 auf den Markt – bestehend aus einer LP und vier CDs. Koltermann: „Da ist quasi alles drauf, was ich gemacht habe. Vom Solo bis zum großen Ensemble mit über 50 beteiligten Musikern.“

„Ich habe mich nie um Preise gekümmert“

Jetzt bekommt er als weitere Würdigung seiner ungewöhnlichen, aber erfolgreichen Karriere also den 26. „Jazz Pott“. Bei all der Lobhudelei bleibt Eckard Koltermann allerdings – wie üblich – bescheiden und sagt: „Die meiste Freude hatte ich, als sich meine Kumpels für mich freuten, anriefen und mir zum Preis gratulierten.“

Das Preisträgerkonzert – Steinbruch

Für das Preisträgerkonzert, das einen Überblick über sein bisheriges Schaffens vermitteln soll, hat Koltermann vier verschiedene Programmpunkte mit alten und neuen Weggefährten zusammengestellt.

Gleich der Anfang ist eine Welturaufführung, die Koltermann mit dem Titel „Steinbruch" versehen hat: Dazu erstellt der Elektroniker Serge Corteyn mit einem speziellen Computerprogramm Samples mit Fragmenten von älteren Koltermann-Kompositionen. Diese werden nach dem Zufallsprinzip in das Solo von Koltermann eingespielt. „Ich werde quasi von meinen eigenen Gedanken eingeholt“, versucht Koltermann der Redakteurin zu erklären und freut sich: „Ich improvisiere zu meiner eigenen Konservenmusik.“

Den zweiten Teil des Abends bestreitet der Preisträger mit seinem Ex-Chef aus Moers, dem Schauspieler Rupert Seidl. Hierbei geht es um die Vertonung von Gedichten, bei der Seidl bekannte Gedichte vorträgt, die Koltermann musikalisch begleitet und auf seine ureigene Art interpretiert.

Weiter geht es mit Theo Jörgensmann – einem weiteren deutschen Jazz-Solisten von internationalem Rang (halloherne berichtete) – der 21. Preisträger des „Jazz Pott“. Jörgensmann und Koltermann, dieses Klarinetten-Duo tritt zum ersten Mal seit 2014 wieder gemeinsam auf.

Mit seinem aktuellen Trio – Eckard Koltermann (Bassklarinette, Saxofon), Christian Hammer (Gitarre), Achim Krämer (Schlagzeug) – wird der Abend musikalisch abgerundet. Dazu werden die Gäste Kompositionen von Hammer und Koltermann hören.

Eckard Koltermann

Seit über 40 Jahren macht Eckard Koltermann bereits Musik.

Der Wanne-Eickeler zählt seit rund 40 Jahren zur europäischen Jazz-Avantgarde und zu den Pionieren der europäisch vernetzten Improvisationsmusik. „Wenn ich zurückblicke“, sagt Koltermann heute, „wundere ich mich, was ich so alles gemacht habe. Aber ich muss sagen, dass ich auch verdammt viel Glück gehabt habe.“ Obwohl Koltermann beide Instrumente, Saxophon und Klarinette, virtuos beherrscht, ist die eher selten gespielte Bassklarinette für ihn immer die erste Wahl und wird es wohl auch bleiben.

Zum 'Jazz Pott'

Der „Jazz Pott“ ist einer der renommiertesten Jazz-Auszeichnungen des Ruhrgebiets und wurde 1998 vom inzwischen verstorbenen Essener Kunstförderer, Viktor Seroneit († 2011) und Niklaus Troxler, ins Leben gerufen. Das Preisgeld von 2.000 Euro stiftet der Essener Kabarettist Hagen Rether.

Karten zum Preis von 22 Euro gibt es im Kartenvorverkauf, Tel 0201 81 22200, sowie online unter www.schauspiel-essen.de.

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Die Reihe „Jazz in Essen“ wird realisiert in Kooperation mit dem Kulturbüro der Stadt Essen und gefördert von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung.

Vergangene Termine (1) anzeigen...
  • Samstag, 21. Oktober 2023, um 20 Uhr
| Autor: Carola Quickels
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