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Am Rhein-Herne-Kanal in Höhe Unser Fritz wurden Ayla Yilmaz (Name geändert) und ihr Mann rassistisch diskriminiert und angegriffen - nun erzählen sie von diesem Vorfall (Symbolbild).

Hernerin (33) spricht über Rassismus-Vorfall, Zeugen gesucht

Diskriminiert und geschlagen am Kanal

Den Schock in ihrer Stimme nimmt man noch deutlich wahr. Auch Tage später kann Alya Yilmaz (Name von der Redaktion geändert) kaum über den Vorfall sprechen, der sie so bewegt. Ihre Stimme ist leise und zittrig, sie verspürt immer noch Angst und traut sich auch nicht mehr zum Tatort. Der Tatort, das ist am Rhein-Herne-Kanal in Crange, ungefähr in Höhe von Steinmeisters Biergarten „Oskar am Kanal“.

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Mitte August, ein Montagabend (21.8.2023), ging sie hier mit ihrem Mann in Richtung Gelsenkirchen spazieren. Plötzlich kam beiden ein Mann entgegen. „Er warf uns rassistische Aussagen an den Kopf, zum Beispiel, dass wir Araber doch tot wären und dass man uns alle hätte töten sollen“, beschreibt Yilmaz, die seit über 30 Jahren in Deutschland lebt und türkische Wurzeln hat, gegenüber halloherne. „Er kam immer näher, hat uns laut angeschrien und seine Aussagen oft wiederholt. Ich habe enorm Angst bekommen und gesagt, dass ich die Polizei rufen werde.“

Fotos und Videos per Handy gemacht

Doch davon ließ sich der Täter nicht beeindrucken. Schlimmer noch: Er griff Yilmaz' Mann an und schlug ihm mit der Hand ins Gesicht, zudem benutzte er eine weiße Stofftasche. „Ich habe dann versucht, Fotos und Videos von ihm zu machen. Er forderte mich auf, das zu unterlassen und griff nach meinem Handy. Dabei hat er mich am Arm erwischt. Ich hatte höllische Angst und habe anschließend sehr laut um Hilfe geschrien“, blickt die 33-Jährige auf den Tatabend zurück.

Anschließend sei der Angreifer in Richtung Crange weitergelaufen. „Ich habe am Tatort auf die Polizei gewartet, mein Mann hat den Täter noch etwas verfolgt und gesehen, dass er über die Brücke Richtung Kriegerdenkmal in Bickern lief. Als die Polizei eintraf, sind wir dorthin gefahren und haben einen Mann und seine Tochter getroffen, die den Täter gesehen haben. Danach verliert sich leider die Spur“, erzählt die Geschädigte.

Mehrere Tage gebraucht, um den Vorfall zu verarbeiten

Auch wenn sie mehrere Tage gebraucht habe, um den Vorfall zu verarbeiten und sich bei der halloherne-Redaktion zu melden, möchte Alya Yilmaz nicht, dass der Vorfall unter den Teppich gekehrt wird. „Ich bin noch nie so diskriminiert worden. Es ist schade zu sehen, dass türkisch-muslimische Bürger, die seit mehreren Generationen in Deutschland leben und auch ein Teil der Gesellschaft sind, aufgrund ihrer Religion oder Nationalität verbal und auch körperlich angegriffen werden. Deshalb ist es mir wichtig, den Hernern mitzuteilen, dass diese Art der Diskriminierung leider immer noch existiert“, klagt sie.

Es habe sie einiges an Überwindung gekostet, dies zur Sprache zur bringen. „Ich wollte es einerseits vergessen, was geschehen ist, andererseits aber auch nicht in mich hineinfressen. Es ist ein sensibles Thema, dass sicherlich Nebenwirkungen auslöst“, schildert die Frau. Möglicherweise habe der Täter auch schon häufiger Leute angegriffen. An den Tatort zurückkehren möchte sie aus Angst nicht, daher hat die halloherne-Redaktion auch kein aktuelles Foto machen können.

Polizeisprecher Jens Artschwager bestätigt auf Anfrage von halloherne den aufgenommenen Vorfall sowie eine Anzeige gegen Körperverletzung. „Es wurden Hämatome und Kratzer bei der Frau festgestellt, auf eine ärztliche Behandlung wurde aber verzichtet“, sagt der Polizeisprecher. „Wir suchen nach dem Täter.“

Die Täterbeschreibung

halloherne liegt ein Foto vor, welches Ayla Yilmaz beim Angriff knipsen konnte und den Täter zeigt. Aus Gründen des Persönlichkeitsrechts verzichten wir jedoch auf eine Abbildung. Stattdessen ist hier eine Täterbeschreibung: Ein Mann zwischen 30 und 40, leicht korpulent, dunkle, zurückgegelte Haare, leichter Oberlippenbart und zur Tatzeit mit einem dunklen T-Shirt bekleidet. Möglicherweise stammt er aus der Obdachlosen-Szene. Hinweise auf den Täter oder Beobachtungen von Zeugen nimmt das KK35 der Polizei unter Tel 02323 950 8510 entgegen.

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Ayla Yilmaz ist jedenfalls froh, dass sie und ihr Mann ohne größere Verletzungen davon gekommen sind. „Das hätte schlimmer enden können“, sagt sie voller Ehrfurcht. Um die Wegstrecke am Rhein-Herne-Kanal entlang wird sie noch länger einen Bogen machen.

| Autor: Marcel Gruteser
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