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Ihr Liebesduett im 2. Akt ist neben der Ouvertüre der Höhepunkt der Fritjof-Saga: Der in Dortmund aufgewachsene Tenor Mirko Roschkowski begeistert als Fritjof ebenso wie die Hagener Sopranistin Ann-Kathrin Niemczyk als Ingeborg.

Verbotene Liebe unter Wikingern

'Die Fritjof-Saga' in Essen

Ingeborg (Ann-Kathrin Niemczyk), Tochter des norwegischen Königs Bele, und Fritjof (Mirko Roschkowski), Sohn des Vasallen Thorstein Vikingsson, bester Krieger und Freund des Königs, wachsen zusammen auf. Als ihr Vater stirbt, ist längst die Liebe zwischen Prinzessin und Bauernsohn erwacht. Doch Ingeborgs Bruder Helge (Friedemann Röhlig), der nun auf dem Thron sitzt, schickt Fritjof in die Fremde. Als dieser zurückehrt, hat der despotische Helge seine Schwester mit dem siegreichen König Ring (Andreas Hermann) verheiratet und damit weitere kriegerische Auseinandersetzungen verhindert. Was der Liebe Ingeborgs zu ihrem Jugendfreund aber keinen Abbruch tut, wie Helges Gattin, die als „Hexe“ verschriene Sami-Prinzessin Guatemi (Deirdre Angenent), ihrem Gatten steckt.

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Große Gefühle wie in „Sturmhöhe“

Verbotene Liebe: Wie im 1847 erschienenen Roman „Wuthering Heights“ von Emily Brontë, der gerade von Emerald Fennell mit Jacob Elordi als Heathcliff und Margot Robbie als Cathy opulent verfilmt in unsere Kinos gekommen ist, geht es in der „Fritjof-Saga“, die am 7. Februar 2026 im Essener Aalto-Theater in einer eigens erstellten deutschsprachigen Fassung von Bettina Bartz umjubelte szenische Uraufführung feierte, um große Gefühle und gnadenlose (männliche) Machtausübung. Die dreiaktige Oper von Elfrida Andrée (1841 Visby – 1929 Göteborg), 1894 anonymer Beitrag im Wettbewerb zur Eröffnung des neuen königlichen Opernhauses in Stockholm, basiert auf einem altnordischen Versepos von Esaias Tegnér aus dem 13. Jahrhundert.

Atmosphärische Bühne

In Frank Philipp Schlössmanns atmosphärischer Bühne: die Sami-Prinzessin Guatemi (Deirdre Angenent) und ihr despotischer Gatte, König Helge (Friedemann Röhlig).

„Die Fritjof-Saga“, dessen Libretto von der schwedischen Autorin Selma Lagerlöf („Nils Holgersson“) stammt, die 1909 als erste Frau den Nobelpreis für Literatur gewinnen konnte, ist erst 2019 in Göteborg in konzertanter Form uraufgeführt worden. Sie spielt in der Zeit der Wikinger, greift aber auch Motive der archaisch-nordischen Naturreligion um die mythologische Gottheit Jumala auf, was Frank Philipp Schlössmann in seinem sehr atmosphärischen Bühnenbild integriert.

Überlagerte Ouvertüre

Umso bedauerlicher, dass die Ouvertüre, neben dem Liebesduett zwischen Ingeborg und Fritjof im 2. Akt „der“ Höhepunkt der musikalisch zwischen Mendelssohn und dem jungen Wagner angesiedelten knapp dreistündigen klassizistischen Oper, durch die Regisseurin Anika Rutkofsky szenisch und sogar akustisch überlagert wird durch einen völlig überflüssigen Bezug auf die aktuelle Kriegssituation und die damit verbundene Flüchtlingsproblematik in Europa.

Jenseits der großen Emotionen gibt es jedoch einen deutlichen Unterschied zu Brontës „Sturmhöhe“: Ingeborg hat sich aus Gründen der Staatsraison freiwillig zur Ehe mit Ring entschieden – und das im 2. Akt gegenüber dem erstmals auf der Bühne erscheinenden Fritjof bekräftigt. Als der mächtige, aber bereits betagte neue Herrscher Norwegens seinem Ende entgegensieht, übergibt König Ring die Macht an Ingeborg und den inzwischen geläuterten, friedfertigen Fritjof…

„Das Prachtstück lohnt sich“

Unter der musikalischen Leitung des 1. Kapellmeisters Wolfram-Maria Märtig brillieren neben dem Aalto-Chor in großen Tableaus vor allem zwei Wagner-erprobte Gesangssolisten als Gäste: die in Hagen geborene 26-jährige Sopranistin Ann-Kathrin Niemczyk als Ingeborg und der 50-jährige, in Bremerhaven geborene und in Dortmund aufgewachsene Tenor Mirko Roschkowski. Beide sind freiberuflich tätig und inzwischen in allen großen Opernhäusern Mitteleuropas gern gesehene Gäste, die Festivals in Bayreuth und Salzburg eingeschlossen. „Das Prachtstück lohnt sich“ hat Jan Brachmann in der Frankfurter Allgemeinen (vom 9. Februar 2026) bilanziert. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Karten

Karten unter theater-essen.de oder Tel 0201 81 22-200.

Weitere Vorstellungen

  • Sonntag, 15. Februar 2026, 16:30 Uhr
  • Sonntag, 8. März 2026, 18 Uhr
  • Samstag, 14. März 2026, 19 Uhr
  • Mittwoch, 18. März 2026, 19:30 Uhr
  • Freitag, 20. März 2026, 19:30 Uhr
  • Donnerstag, 9. April 2026, 19:30 Uhr
  • Einführung jeweils 45 Minuten vor der Vorstellung
März
8
Sonntag
Sonntag, 8. März 2026, um 18 Uhr Aalto-Musiktheater, Opernplatz 10, 45128 Essen
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  • Samstag, 14. März 2026, um 19 Uhr
  • Mittwoch, 18. März 2026, um 19:30 Uhr
  • Freitag, 20. März 2026, um 19:30 Uhr
  • Donnerstag, 9. April 2026, um 19:30 Uhr
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  • Sonntag, 15. Februar 2026, um 16:30 Uhr
Freitag, 13. Februar 2026 | Autor: Pitt Herrmann