Der Mensch - Die fast vollständige Geschichte

Kurzweiliges Zwei-Personen-Stück prominent besetzt

Lisa Bihl und Jonas Baeck.
Lisa Bihl und Jonas Baeck. Foto: Laura Thomas

Eine regelrechte Wunderkammer, ein Regal voller kleinteiliger Erinnerungsstücke vom Marterl bis hin zum Leuchtglobus, ist das zentrale Requisit (Ausstattung: Rabea Stadthaus), dem rechterhand vertikal an Schnüren hängende Fotos prominenter Zeitgenossen wie Johann Wolfgang von Goethe beigestellt worden sind: „Der Mensch“ lautet der Titel einer Stückentwicklung, die im Untertitel behauptet, „die fast vollständige Geschichte“ unserer Spezies, des Homo Sapiens, zu erzählen.

Mythos versus Darwin: Während sich der namenlose Mann mit dem wüsten Haarschopf eines Genies, sein dunkler Anzug zeigt naturwissenschaftliche Formeln, gleich in den Vordergrund drängt, wo er die Entstehung des Weltalls und die auf der Zeitachse vergleichsweise kurze Entwicklung des Menschen aus der Sicht eines Forschers wiedergibt, macht es sich die namenlose Frau in der bunten Blümchenbluse im Hintergrund auf dem Boden bequem: Für sie ist Zeus die höchste Autorität in seinem eigenen Kosmos.

Lisa Bihl und Jonas Baeck.
Lisa Bihl und Jonas Baeck. Foto: Laura Thomas

Aber das ist nur das Vorspiel zu einer temporeichen, bisweilen aber auch ausufernden Tour d’Horizon, die bei der alten, heute arg pervertierten Kulturtechnik Brandrodung beginnt, die monogame Kleinfamilie der angeblich natürlichen Polygamie gegenüberstellt, die vor etwa 40.000 Jahren entstandenen Religionen als Gemeinschaft stiftende Organisationen auf eine Stufe mit politischen Ideologien stellt, den Kapitalismus unserer Tage als Folge der industriellen Revolution des 19. Jahrhunderts erkennt und diese nicht zuletzt für die heute zu leblosen Waren degradierten Tiere verantwortlich macht. Gibt es die Autofirma Peugeot wirklich? War die Domestizierung des Weizens wirklich ein Segen für die Menschheit? Was verbindet die vermutlich 1690 ausgestorbene, nur auf der Insel Mauritius im Indischen Ozean vorgekommene flugunfähige Vogelart Dodo mit Isaac Newton? Alles hängt mit allem zusammen, auch der Zeitdruck auf dem Theater, und wenn der Mann in höhere Regionen des großen Ganzen abzudriften droht, holt ihn die Frau auf den Boden freilich nicht immer verifizierbarer Tatsachen zurück.

Mit Der Mensch - Die fast vollständige Geschichte, einer Ensembleproduktion unter anderem nach den Sachbüchern Eine kurze Geschichte der Menschheit und Homo Deus des israelischen Historikers Noah Yuval Harari, setzt das Bochumer Prinz Regent Theater seine in der vergangenen Spielzeit begonnene Kooperation mit dem Kölner Theater im Bauturm fort. Noah Yuval Harari ist nur ein Vertreter einer derzeit sehr beliebten Sachbuchgattung, in der das „große Ganze“ auf einer möglichst überschaubaren Seitenzahl abgehandelt wird – neben Bill Brysons Eine kurze Geschichte von fast allem und Adam Rutherfords Eine kurze Geschichte von jedem, der jemals gelebt hat: Was unsere Gene über uns verraten. Faszinierend an diesen Werken ist, so Regisseur und PRT-Leiter Hans Dreher, „dass sie mithilfe sehr packender historischer Anekdoten sehr provokative Schlüsse über den Menschen und die menschliche Gesellschaft ziehen. Aber gerade dieser oft reißerische Ton ist das, was diese literarische Gattung für Leser so fesselnd macht.“

„Mit vergleichbarer Vermessenheit“ haben sich die beiden freien NRW-Bühnen von diesen und einigen weiteren Quellen dazu inspirieren lassen, an einem Theaterabend die (fast) vollständige Geschichte der Menschheit in Gestalt einer Stückentwicklung zu erzählen: Der Text ist während der Proben entstanden, die mit einer Gliederung der wesentlichen Eckpunkte der Menschheitsgeschichte - nach momentanem Forschungsstand – begonnen wurden. Das äußerst kurzweilige neunzigminütige Zwei-Personen-Stück ist prominent besetzt: Jonas Baeck wurde in Bochum ausgebildet und spielte mehrmals im Prinz Regent Theater, so die Titelrolle in Prinz Friedrich von Homburg. Er ist häufig auf der Leinwand und auf dem Bildschirm (Club der roten Bänder) zu sehen. An seiner Seite die in Köln ausgebildete Lisa Bihl, die auch der Bauturm-Theaterleitung angehört und ebenfalls in deutschsprachigen Film- und Fernsehproduktionen zu sehen ist, aber das erste Mal auf den PRT-Brettern steht. Der Mensch - Die fast vollständige Geschichte steht wieder am Freitag, 20. Dezember, und Samstag, 21. Dezember 2019 jeweils um 19.30 Uhr auf dem Spielplan,

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Freitag, 20. Dezember 2019, um 19:30 Uhr Prinz Regent Theater , Prinz-Regent-Straße 50-60 , 44795 Bochum Karten unter www.prinzregenttheater.de oder Tel 0234 – 77 11 17.

Weitere Termine:

  • Samstag, 21. Dezember 2019, um 19:30 Uhr
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