Außergewöhnliche Uraufführung

„Squash“ am Prinz Regent Theater Bochum

Laura Thomas (r.) und Tim-Fabian Hoffmann bestritten am 30. Januar 2021 die Video-Konferenz-Uraufführung des Stücks „Squash“ von Matthias van den Höfel.
Laura Thomas (r.) und Tim-Fabian Hoffmann bestritten am 30. Januar 2021 die Video-Konferenz-Uraufführung des Stücks „Squash“ von Matthias van den Höfel. Foto: Laura Thomas

„Machs mal gut“ – „Noch eine rauchen“: Zwei namenlose junge Leute, die sich zwei Jahre nicht mehr gesehen haben, begegnen sich in einer Bar. Und erinnern sich an ihre erste Begegnung auf einer Zugfahrt in den hohen Norden. Sie wollte Polarlichter sehen, er samt Ukulele irgendwo ‘raus in die freie Natur. Das mit den Polarlichtern wird nichts, hat er ihr gesteckt, ist gerade Mitsommernacht in Skandinavien, da scheint die Sonne rund um die Uhr. Und sie mit „Here comes the rain again“ von den Eurythmics aus den Achtzigern versöhnt – in seinem Zelt irgendwo in der norwegischen Einsamkeit.

Beide eint die Leidenschaft für die Weite und das Licht des Nordens. „Die Zeit meines Lebens, die Frau meines Lebens“ ist er sich sicher und will mit ihr zusammenziehen. „Voll schön“ und „krass entspannt“ das Ganze, aber gleich solche Fakten schaffen? „Ich bin nur der Ausweg aus seinem Scheißleben“ befürchtet sie und verabredet sich mit ihm lieber zum Squash, obwohl er das aus ihrer Sicht langweiligere Badminton vorziehen würde. Oder Golf, da sei man wenigstens an der frischen Luft statt in einer stickigen Halle zu schwitzen.

So legt sich der Alltag bald lähmend über ihre Beziehung. Sie setzt sich sehr für ihre Arbeit ein, obwohl es nicht ihr Traumjob ist, während er zunehmend eifersüchtig ist. Auch auf die Projektarbeit mit ihrem neuen Kollegen. Sich sicher zu sein, ist auch eine Art von Freiheit – und sie ist sich bei ihm nicht sicher genug. Was auch mit einer Party zusammenhängt, die sie mit Freunden genossen – und die er frühzeitig verlassen hat. Zum Bruch kommt es, als sie aus beruflichen Gründen nicht an der Beerdigung seiner geliebten Oma teilnehmen konnte. Woraufhin er beschließt, nach Kanada zu gehen: „Ich muss hier einfach ‘mal ‘raus!“

„Mach Dein Ding und dann komm‘ zurück und ich freu mich auf Dich“ ist sie einverstanden, besteht aber auf einer offenen Zweierbeziehung während seiner Abwesenheit. Beide skypen über den Großen Teich miteinander, zunächst noch sehr emotional, dann immer routinierter, abgekühlter. Weshalb sie ihn in Kanada besucht – und ganz schnell wieder abreist. „Talk to me like lovers do…“: Nach zwei Jahren hauen sie sich Sprüche wie „Du Arsch“, „Fick Dich“ oder „Leck mich“ um die Ohren wie Bälle in der Squash-Box. Aber so ganz aussichtslos scheint die Chose nicht…

Das Bochumer Prinz Regent Theater hatte am 30. Januar 2021 via Zoom im Internet zu einer besonderen Premiere eingeladen und rund achtzig Thespisjünger folgten, eine immense logistische Herausforderung für den bewunderungswürdig coolen PRT-Hausherrn und Regisseur des Abends Hans Dreher: Nach kleineren technischen Problemen einiger mit der Zoom-Technik noch nicht so vertrauter Teilnehmer begann mit leichter Verspätung die Uraufführung von „Squash“, eines Zweipersonenstücks des 1987 in Bochum geborenen und jetzt mit seiner Familie in Witten lebenden Dramatikers Matthias van den Höfel.

Nach dem Studium der Philosophie, Religionswissenschaft und Komparatistik an der Ruhr-Universität arbeitete er zunächst als Musiker. Mit seinem Stück „Wind von Norden“ gewann er 2019 den Hauptpreis des Autorenwettbewerbs der Nibelungenfestspiele Worms. Für seinen in Arbeit befindlichen Roman „Niemals still“ erhielt er unter anderem Stipendien des Herrenhauses Edenkoben, des Künstlerdorfs Schöppingen und des Literarischen Colloquiums Berlin. „Squash“ wurde im Rahmen des Bochumer Bühnen-Wettbewerbs „Spiel.Frei.Gabe“ eingereicht, von der Jury jedoch nicht prämiert. Da das PRT-Team großen Gefallen daran fand und sich der Text als sehr geeignet für eine weitere Video-Konferenz-Produktion herausstellte, gehört Matthias van den Höfel sozusagen nachträglich zu den Gewinnern des von mehreren Freien Theatern getragenen Wettbewerbs.

Für „Squash“ gewann Hans Dreher mit zwei Kölner Schauspielern eine Klasse-Besetzung. Laura Thomas (Jahrgang 1985) spielt seit ihrem Abschluss an der Arturo Schauspielschule Köln Theater in Krefeld, Duisburg und Aachen, ist aber auch in Serien der ARD („Verbotene Liebe“) und des ZDF („Soko Köln“) auf dem Bildschirm sowie auf der Leinwand („Wie die Frauen so ticken“) zu sehen. TV- („Deutschland 83“) und Kino-Erfahrungen („Lichter der Stadt“) kann auch Tim-Fabian Hoffmann (Jahrgang 1987) aufweisen. Der Absolvent des Mozarteums Salzburg spielte zunächst an der Schaubühne Berlin, bevor er unter Anselm Weber ans Schauspielhaus Bochum wechselte (mehrfach preisgekrönt für „Co-Starring“). Nach dem Intendantenwechsel ist er dem Revier treu geblieben u.a. am Rottstr5Theater Bochum und am Herner Theater Kohlenpott („Alles in Ordnung“).

„Squash“ entpuppt sich als ein über eine klassische Beziehungskomödie weit hinausgehendes, sehr authentisch daherkommendes Duell zweier Figuren im Rhythmus eines Squash-Spiels mit seinen kurzen, raschen und unerwarteten Wechseln. Sie wenden sich zwischendurch immer wieder unmittelbar an die Meeting-Teilnehmer und brechen dadurch nicht nur die dialogische Theater-Situation auf, sondern buhlen in unmittelbarer Konkurrenz miteinander um die Gunst des Publikums. Am 6. und 13. Februar 2021 sind jeweils um 19:30 Uhr zwei weitere Zoom-Meetings geplant. Der Zugangslink zur rund einstündigen Aufführung kann zu 8 / ermäßigt 6 Euro zuzüglich Vorverkaufs-Gebühr online über die Webseite prinzregenttheater.de/squash.html erworben werden.

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