9. Hygienetag am EvK Herne

9. Herner Hygienetag v.l. mit Dierk Schmitt, Prof. Dr. Peter Kujath, Dr. Martin Montag, Prof. Dr. Santiago Ewig, Heinz-Werner Bitter und Dr. Mario Iasevoli.
9. Herner Hygienetag v.l. mit Dierk Schmitt, Prof. Dr. Peter Kujath, Dr. Martin Montag, Prof. Dr. Santiago Ewig, Heinz-Werner Bitter und Dr. Mario Iasevoli. Foto: EvK

Das Hygienebewusstsein ist so geschärft wie nie: 180 Fachleute aus Medizin und Pflege trafen sich am Mittwoch (14. 11.2018) im neuen Seminarzentrum des Evangelischen Krankenhauses Herne, um aktuelle und zukünftige Herausforderungen mit Experten zu diskutieren. Zu der Tagung eingeladen hatte Prof. Dr. Eckhard Müller, Vorsitzender der Hygienekommission der Ev. Krankenhausgemeinschaft und Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensiv-, Notfall- und Schmerzmedizin. Schwerpunktmäßig setzten sich die Experten mit der Vermeidung nosokomialer, das heißt während eines Krankenhausaufenthalts erworbener Infektionen auseinander.

Die Welle der schweren Grippeerkrankungen (Influenza) zur Jahreswende 2017/2018 war allen Tagungs-Teilnehmern noch in lebhafter Erinnerung. Dreimal so viele Menschen als im Vorjahr waren von der schweren Infektionskrankheit betroffen. Prof. Dr. Santiago Ewig, Chefarzt der EvK-Klinik für Pneumologie und Infektiologie, plädierte eindringlich für ein allgemein gültiges vordefiniertes Präventions-System in den Kliniken, um eine rasche Ausbreitung der Krankheit zu vermeiden.

In den Notaufnahmen müssten mindestens zwei Betten für die Isolation solcher Patienten existieren. Dazu sollten die Krankenhäuser in der Lage sein, spontan eine Station in eine Influenza-Station umzuwidmen, um so die Patienten zu konzentrieren und die Ansteckungsgefahr einzudämmen. Als Vorbeugungsmaßnahme schlug er vor, während einer Influenza-Epidemie grundsätzlich alle Patienten im Krankenhaus auf den Virus zu screenen. Er appellierte eindringlich sowohl an die Bevölkerung als auch an das medizinische Personal, sich unbedingt rechtzeitig gegen Grippe impfen zu lassen.

Dass die in der Öffentlichkeit viel diskutierten multiresistenten Keime auch über Wasser übertragen werden können, zeigte Krankenhaus-Hygieniker Dierk Schmitt, Leipzig, auf. In 28,4 Prozent des Abwassers in städtischen Regionen seien heute multiresistente Keime nachweisbar. Das könne man darauf zurückführen, dass vor allem im ambulanten Bereich viel zu lange und viel zu oft Antibiotika verordnet werden.

Überlegungen, mit welchen Maßnahmen man konkret nosokomialen Infektionen vorbeugen kann, setzte sich Prof. Dr. Simone Scheithauer, Universitätsmedizin Göttingen, auseinander. Sie forderte ebenfalls ein geschärftes Bewusstsein beim Einsatz von Antibiotika und analysierte, welche weiteren Maßnahmen zur Vermeidung von Infektionen heute sinnvoll sind. Denn durch den wahllosen Einsatz von Antibiotika setze man leichtfertig zukünftige Therapieoptionen für lebensbedrohliche Erkrankungen aufs Spiel, so betonen Prof. Dr. Sebastian Lemmen, Universitätsklinikum Aachen, und Prof. Dr. Dr. Marianne Abele-Horn, Vorsitzende der Kommission Antiinfektiva, Resistenz und Therapie (ART) des Robert Koch Instituts.

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