20 Jahre Ludwig-Galerie Oberhausen

Meisterwerke von der Antike bis heute

Roy Lichtenstein: Finger Pointing.
Roy Lichtenstein: Finger Pointing. Foto: Roy Lichtenstein

Oberhausen. Die Geste - Kunst zwischen Jubel, Dank und Nachdenklichkeit ist der Titel einer in vieler Hinsicht bemerkenswerten und mit über 150 Werken von fast 90 Künstlern jedenfalls vielfältigsten Ausstellung der letzten Jahre im Oberhausener Schloss: Noch bis Sonntag, 13. Januar 2019, sind dort zum 20-jährigen Bestehen der Ludwiggalerie Meisterwerke aus der Sammlung Peter und Irene Ludwig von der Antike über Albrecht Dürer bis Roy Lichtenstein zu bewundern. 1947 als Städtische Galerie gegründet, Oberhausen gehört damit zu den ersten Museumsneugründungen in Nordrhein-Westfalen nach dem Zweiten Weltkrieg, mutierte das Museum Mitte der 1980er Jahre zum Standort des Ludwig-Institutes für Kunst der DDR – ein Meilenstein wie der Jahrhundertschritt Wolfgang Mattheuers, der bis heute für Aufsehen sorgt. Die 1984/85 entstandene Skulptur, nun im Aachener Museum Ludwig beheimatet, ist für die Jubiläumsausstellung nach Oberhausen zurückgekehrt und lenkt die Blicke der Besucher in der Eingangshalle auf sich. Mattheuer, der sich mit sehr eigenwilligen Werken dem staatlich verordneten Sozialistischen Realismus entzog, verbindet im Jahrhundertschritt den Hitlergruß mit der Sozialisten-Faust – eine Provokation für die SED-Ideologen. Die bis heute wirkt, wie sich nach der Eröffnung des Museum Barberini in Potsdam zeigte: ein weiterer Abguss steht nun im Innenhof des vom Unternehmer Hasso Plattner sorgsam nach den Entwürfen Carl von Gontards neuerbauten klassizistisch-barocken Bürgerhauses am Alten Markt der Hauptstadt Brandenburgs.

Seit 1998 beherbergt das unmittelbar am Rhein-Herne-Kanal situierte Schloss die Ludwiggalerie, welche seit zehn Jahren von Dr. Christine Vogt geleitet wird – mit großem Engagement und einer Spezialisierung auf populäre (Comic-) Kunst und Fotografie. Wer schon immer 'mal wissen wollte, woher die Merkel-Raute stammt, sollte nach Oberhausen kommen und sich das Altarbild des namentlich unbekannten, Meister des Sinziger Kalvarienberges genannten Malers näher betrachten: Auf der rechten Seite des um 1475 entstandenen Werks nimmt der Heilige Johannes die charakteristische Handhaltung, wie wir sie von der Bundeskanzlerin kennen, ein. In der Jubiläumsausstellung, die der nonverbalen Kommunikation, der stummen Dichtung, wie Leonardo da Vinci sie benannt hat, nachspürt, treten Bilder, Fotografien, Skulpturen, Porzellan und andere kunstgewerbliche Werke aus unterschiedlichsten Zeiten und Weltregionen in einen Dialog.

Merkelraute.
Merkelraute. Foto: Anne Gold

Roy Lichtensteins Finger Pointing, vielleicht die Inkunabel für die Pop-Art der 1970er Jahre, korrespondiert etwa mit tanzenden Mädchen, einer hellenistischen Tonplastik aus dem 2. Jahrhundert vor Christus oder mit einer farbig bemalten Vase aus Guatemala, späte Maya-Klassik um 600 bis 900. Aus Schwaben stammt die um 1450 entstandene spätmittelalterliche Tafel Disputation der Hl. Katharina, während die etwa vierzig Jahre später entstandene, einen ganzen Kanon von Gesten offenbarende Lindenholz-Skulptur Christus und die zwölf Apostel in Oberschwaben entstand. Und Albrecht Dürers Holzschnitt Anbetung der Hirten von 1510 steht neben gestischen Informel-Künstlern der Nachkriegszeit wie Karl Otto Götz, Hann Trier und Emil Schumacher. Die Geste lädt ein zu reizvollen Entdeckungen in einer sonst auf die ganze Republik verstreuten Sammlung des mäzenatischen Unternehmer-Ehepaares Ludwig, dem wir am Ende der Ausstellung unterm Dach in zwei Megaporträts des Österreichers Gottfried Helnwein gegenüber stehen. Ludwiggalerie Schloss Oberhausen, Konrad-Adenauer-Allee 46, Di bis So 11-18 Uhr,

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Sonntag
Sonntag, 11. November 2018, um 11:30 Uhr Führungen So 11.30 Uhr, Katalog 39,80 Euro. Weitere Informationen zum Rahmenprogramm unter www.ludwiggalerie.de
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