'Kreuzweg für die Schöpfung'

Kein Halt am Herner Steag Kraftwerk

'Kreuzweg für die Schöpfung - von Gorleben nach Garzweiler': Kreuzweg-Gruppe machten Halt in Herne. Vor der Kirche St. Marien Baukau.
'Kreuzweg für die Schöpfung - von Gorleben nach Garzweiler': Kreuzweg-Gruppe machten Halt in Herne. Vor der Kirche St. Marien Baukau. Foto: Barbara Rohde

Am 4. Juli 2021 startete eine Pilger-Gruppe am verhinderten Atommüll-Endlager im niedersächsischen Gorleben ihren 'Kreuzweg für die Schöpfung - von Gorleben nach Garzweiler'. Die aus rund 20 Personen bestehende Gruppe will am 1. August, nach mehreren Etappen, in Erkelenz-Lützerath am Braunkohletagebau Garzweiler II ankommen. Station machte die Gruppe Station auf ihrem Weg vor klimaschädlichen Unternehmen. Zudem hält sie in den unterschiedlichsten Orten immer wieder Gottesdienste ab.

Für Montag (26.7.2021, 16 Uhr) plante die Gruppe um Sprecherin Negen Jansen einen Halt am Steag Kraftwerk an der Hertener Straße. Allein, das gestaltete sich schwierig und wurde letztendlich durch die Gruppe abgesagt, da sich die Teilnehmer „durch die dauernde Anwesenheit der Polizei einer großen psychischen Belastung ausgesetzt sieht.“

Gründungsmitglied des Bündnisses „Herne Goes Future“ Kai Thörmer, der das Treffen für Herne organisiert hatte, erzählt im halloherne-Gespräch: „Nachdem im Prinzip alles organisiert war, rief ich Negen Jansen am Montag gegen Mittag an, da erzählte sie von den ungeheuerlichen Vorkommnissen in Hamm und dass die Gruppe sich außerstande sieht, den Termin an der Steag wahrzunehmen, da sie emotional überlastet sei.“

So soll die Polizei der Gruppe bei einer Rast in Hamm untersagt haben, ein Banner, auf dem ein Zitat von Papst Franziskus stand - Diese Wirtschaft tötet - weiterhin zu zeigen. Das Zitat ist dem Papstschreiben „Evangelii gaudium“ aus dem Jahr 2013 entnommen. Laut Kreuzwegteilnehmer wollten die Beamten einen Versammlungsleiter benannt haben, da sie die Pilger-Gruppe als politische Versammlung werteten. Das lehnte die Gruppe mit Hinweis auf den religiösen Charakter ihrer Wanderung ab - daraufhin hätten die Beamten Verstärkung angefordert und es sei zu einem Handgemenge gekommen.

'Kreuzweg für die Schöpfung - von Gorleben nach Garzweiler': Kreuzweg-Gruppe machten Halt in Herne. Start nach dem Frühstück im Ev. Gemeindehaus Eickel.
'Kreuzweg für die Schöpfung - von Gorleben nach Garzweiler': Kreuzweg-Gruppe machten Halt in Herne. Start nach dem Frühstück im Ev. Gemeindehaus Eickel. Foto: Barbara Rohde

Nach der Absage für den Steag Standort bat Kai Thörmer Negen Jansen zumindest eine Sprecherin zum Standort Steag zu schicken, damit die örtlichen Unterstützer des Kreuzweges - Mitglieder der Grünen, der BI Stadtwald, des Bündnisses „Herne Goes Future“, des Eine Welt Zentrums, der Kath. Gemeinde St. Marien Baukau und der Ev. Kirchengemeinde Eickel - quasi aus "erster Hand" informiert wurden. Gerhard Kalus von den Herner Grünen sagt im Gespräch mit halloherne: „Gegen 16 Uhr kam eine Sprecherin der Kreuzweg-Gruppe zu uns und erklärte, dass die gesamte Gruppe auf Grund der Erfahrungen in Hamm, direkt in ihre Übernachtungsherberge, dem katholischen Gemeindezentrum St. Marien Baukau, wandert.“

Gerhard Kalus: „Wir konnten alle nicht glauben, was wir über die Aktion in Hamm gehört haben, erst recht nicht, wenn man sich die einzelnen Menschen der Gruppe anschaut. Der Gruppe besteht zum großen Teil aus älteren Menschen. In Hamm soll eine ältere Sprecherin durch die Polizei am Kopf verletzt worden sein", erzählt er. „Das sind Menschen, die im Vorfeld noch nie etwas mit der Polizei zu tun hatten und dementsprechend geschockt waren.“

Kalus weiter: „Natürlich ist der 'Kreuzweg für die Schöpfung' in gewisser Weise auch ein politischer Protest, aber hier sollte man doch die Verhältnisse wahren.“

Gerhard Kalus kann sich nicht erklären, wie es zu den Aktionen in Hamm gekommen sei. „Von Gorleben bis zur Station in Hamm, verlief auf der Strecke eigentlich alles reibungslos. Die Polizeibeamten waren bis dahin dabei, um die Pilger zu schützen. So sorgten sie zum Beispiel an stärker befahrenen Straßen für eine sichere Überquerung.“ Die nächste Station nach Hamm war Datteln. „Hier verlief zwar alles friedlich, aber mit einer großen Polizei-Präsenz, dass die Teilnehmer nicht mehr das Gefühl hatten, dass sie durch die Beamten gesichert wurden, sondern eher überwacht wurden", erzählt Kai Thörmer.

'Kreuzweg für die Schöpfung - von Gorleben nach Garzweiler': Kreuzweg-Gruppe machten Halt in Herne. Im Bild vor der Brache der ehemaligen Zeche General Blumenthal.
'Kreuzweg für die Schöpfung - von Gorleben nach Garzweiler': Kreuzweg-Gruppe machten Halt in Herne. Im Bild vor der Brache der ehemaligen Zeche General Blumenthal. Foto: Barbara Rohde

Nach der Übernachtung in St. Marien Baukau wanderte die Gruppe am Dienstagmorgen zum Evangelischen Gemeindezentrum an der Sennestraße. Hier wurden die Wanderer mit einem Frühstück, das vom Eine Welt Zentrum gestiftet wurde, verwöhnt. „Die Schilderungen der Geschehnisse in Hamm lösten bei allen Hernern noch im Nachhinein eine große Betroffenheit aus“, erzählt Kai Thörmer, „bisweilen sogar Entsetzen. Die Handlung der Polizei dort, die steht in keinem Verhältnis.“

So hätte der Aufenthalt in Herne quasi hauptsächlich als eine Aufbaustation fungiert. „Gerne hätten wir uns mehr der Sache gewidmet“, erzählt Kai Thörmer.

Nach dem Frühstück am Dienstagmorgen sei man anschließend geschlossen zu der Brache der ehemaligen Zeche General Blumenthal gewandert. „Allerdings haben wir uns hier ganz bewusst nur vor das Gelände gestellt und es nicht betreten“, sagte Kalus abschließend. Damit wollte die Gruppe verhindern, einen neuen Polizeieinsatz auszulösen.

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