Dudda zu Maßnahmen: 'Signal soll deutlich sein'

Lage ist ernst, Kontaktnachverfolgung auf Hochtouren, Appell an Vernunft

Nur noch sechs Personen dürfen sich zusammen im öffentlichen Raum in Herne aufhalten.
Nur noch sechs Personen dürfen sich zusammen im öffentlichen Raum in Herne aufhalten. Foto: Stefan Kuhn

Seit Freitag (9.10.2020) ist Herne Corona-Risikogebiet (halloherne berichtete). Am frühen Nachmittag gab die Stadt mit Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda, Dr. Frank Burbulla (Leiter des Krisenstabs), Dr. Katrin Linthorst (Leiterin Fachbereich Gesundheitsmanagement) und Werner Friedhoff (Leiter Fachbereich öffentliche Ordnung) eine Pressekonferenz zu den aktuellen Maßnahmen.

„Die Situation ist uns nicht unbekannt, auch wenn ein besonderer Schwierigkeitsgrad derzeit vorherrscht. Wir sind aber der festen Überzeung, dass wir nicht überfordert, sondern gut vorbereitet sind. Seit Mittwoch wurde uns immer mehr abverlangt, weil die Infektionszahlen stiegen“, sagte OB Dudda. Ihm zufolge stiegen seit Mittwochnachmittag vor allem die Fälle, in denen Hausarztpraxen positive Patienten meldeten. Aber er stellte klar: „Bis jetzt gibt es keinen Hotspot, an dem zentriert besonders viele Fälle auftauchen.“

Oft wären Schulen betroffen, jedoch sei dort oft nicht klar, ob die Ansteckungen dort passiert seien oder aus dem familiären Umfeld hinein getragen worden sein. Dazu kämen immer mal wieder Fälle in Pflegeheimen oder Krankenhäusern, jedoch nicht in außergewöhnlicher Höhe. Er rechnet damit, dass sich der Inzidenzwert am Samstag, 10. Oktober 2020, wahrscheinlich erhöhen werde. „Wir sind am Anschlag, das Signal von uns soll deutlich sein. Zum ersten Mal haben wir kein transparentes Infektionsgeschehen“, wurde Dudda deutlich.

Über 400 Personen in Quarantäne

Derzeit befinden sich acht Personen im Krankenhaus, 426 sind in Quarantäne (Stand Freitagnachmittag, 9.10.2020). Rund die Hälfte davon sind Schüler, berichtete Dudda. „Wir haben aber genügend Möglichkeiten, um dagegen zu steuern. Das Personal zur Nachverfolgung wurde drastisch aufgestockt, auch das Kommunale Integrationszentrum (KIZ) wurde eingebunden, um Sprachbarrieren zu überwinden. Ebenso wurde das Personal für die Kontrollen erhöht“, erläuterte Dudda. Rund 100 zusätzliche Kräfte seien mobilisiert worden. Jedoch werden die Jugendfreizeiten und die Kitas nicht eingeschränkt.

„Wir bitten die Bevölkerung eindringlich, Abstände und Hygienemaßnahmen einzuhalten“, appellierte Frank Burbulla an die Herner Bürger. Für Partys gilt nun die Grenze von 25 Personen. „Ausnahmen für mehr Personen sind momentan nicht denkbar, aber auch nicht ausgeschlossen. Diese müssen dann schon in sehr großen Räumlichkeiten stattfinden und benötigen ein genehmigtes Hygienekonzept“, so der Leiter des Krisenstabs.

Die neuen Regelungen gelten vorerst bis zum 31. Oktober 2020. Darunter fällt auch, dass sich nur noch sechs Personen im öffentlichen Raum zusammen aufhalten dürfen. Weiter gilt: Im privaten Raum gibt es keine Begrenzung. „Da können wir nur an die Vernunft appellieren, nicht in der eigenen Wohnung mit dutzenden Personen zu feiern. Wenn, dann nur im kleinen Rahmen und Abstand.“

Veranstaltungsräume werden kontrolliert

Werner Friedhoff sagte, dass beim Ordnungsamt für das Wochenende 35 Feiern angemeldet waren. Diese könnten mit der geplanten Anzahl der Gäste nicht mehr stattfinden. „Wir werden da relativ restriktiv vorgehen und bei den angekündigten Veranstaltungsorten vorbeischauen und kontrollieren.“ Je nach Gästezahl seien bei Missachtung zusammengerechnete Bußgelder im fünfstelligen Bereich möglich. Für Beerdigungen und das Standesamt gibt es vorerst keine Änderungen. „Dort gibt es je nach Größe des Raumes und Gebäudes schon Beschränkungen, zusätzlich sind beide Arten nicht als Corona-Hotspot in Erscheinung getreten“, sagte Frank Burbulla.

Das kürzlich genannte Beherbergungsverbot für Herner in anderen Bundesländern stieß auf wenig Gegenliebe bei der Stadtspitze. „Das hat für Verunsicherung gesorgt, die Regelung ist sehr unglücklich“, fand OB Dudda. „Wir haben keine freien Kapazitäten mehr, um Urlauber vor Reiseantritt noch zu testen. Ebenso dauern die Ergebnisse aufgrund der Menge nun länger.“

(v.li.) OB Dr. Frank Dudda und Dr. Frank Burbulla, Leiter des Krisenstabs, erläuterten die neuen Corona-Maßnahmen.
(v.li.) OB Dr. Frank Dudda und Dr. Frank Burbulla, Leiter des Krisenstabs, erläuterten die neuen Corona-Maßnahmen. Foto: Marcel Gruteser

Dr. Katrin Linthorst ergänzte: „Wer nun kurzfristig auf der Suche nach einem Test für einen Urlaub ist: Viel Erfolg dabei. Derzeit haben überall wo getestet wird, die Personen mit Symptomen sowie Kontaktpersonen Priorität.“ Abstriche werden derzeit an sechs Tagen die Woche, über den ganzen Tag verteilt, gemacht. Zu Beginn waren es noch zwei bis drei Tage mit wenigen Stunden.

Eine externe Hilfe mit der Bundeswehr bezeichnete OB Dudda als „ultima ratio", weil auch damit nicht sicher sei, ob dies helfen würde. „Wir haben aber alle Unternehmen im Konzern der Stadt Herne informiert, dass Personalreserven bereit gehalten werden müssen.“

Zu Weihnachtsmärkten ließe sich derzeit keine verlässliche Auskunft treffen, so Dudda. Problematisch ist zudem das Thema Schulen, weil das Land dort die Spielregeln vorgibt. „Dazu wird es erst in der zweiten Ferienwoche Näheres geben können“, sagte der Oberbürgermeister hinsichtlich möglicher Entzerrungen beim Schulstart morgens mit Hilfe des ÖPNV und der Schulen.

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