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Die

German Pop Art in der Ludwig Galerie Oberhausen

Zwischen Provokation und Mainstream

Wenn wir an Pop-Art denken, haben wir Inkunabeln wie „Look Mickey“ (1961), Mickey Mouse und Donald Duck auf einem Bootssteg im Comic-Stil, und „Crying girl“ (1963) von Roy Lichtenstein, Teilnehmer der beiden für Europa stilbildenden Kasseler documenta-Ausstellungen 1968 und 1977, im Kopf. Und natürlich die überdimensionalen Skulpturen von Alltagsegenständen von Claes Oldenburg, etwa seine „Spitzhacke“ auf der documenta 1982, seinen Gartenschlauch (1983) im Freiburger Eschholzpark oder seinen Berliner „Houseball“ von 1997.

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Nun macht eine großartige Ausstellung in der Oberhausener Ludwig Galerie mit der deutschen Pop-Art bekannt mit 120 Grafiken und Multiples der Sammlung Heinz Beck sowie 50 Werken aus dem eigenen Kunstbesitz: Peter und Irene Ludwig haben diese aus dem angelsächsischen Raum kommende populäre Kunstrichtung, die hierzulande in den 1960er und 1970er Jahren verschiedenen Einflüssen wie Fluxus, Neo-Realismus, Op-Art und Zero-Kunst unterlag und keinen eigenen homogenen Stil entwickelte, zuerst bekannt gemacht.

Unterschiede von den britischen und amerikanischen Varianten

Die German Pop Art, so der Titel der vom 25. Januar bis zum 3. Mai 2026 im Oberhausener Schloss gezeigten Ausstellung mit dem Untertitel „Zwischen Provokation und Mainstream“, unterschied sich vor allem in der Themenwahl deutlich von den amerikanischen und britischen Varianten. Vordergründig zwar ebenfalls an Massenkultur und Werbung orientiert, liegt den Arbeiten der hier vertretenen 46 deutschen Künstler von Joseph Beuys und Sigmar Polke über Gerhard Richter und Klaus Staeck bis hin zu Timm Ulrichs und Wolf Vostell aber nicht der ungebrochene Optimismus ihrer englischsprachigen Kollegen zugrunde.

Alltags- und Konsummotive sind zwar ebenfalls Gegenstand, doch sind diese hauptsächlich geprägt durch eine provokative Haltung sowie Kritik am politischen Zeitgeist, Anti-Kriegs-Haltungen und deutscher Vergangenheitsbewältigung. Die Devise der radikalen Demokratisierung von Kunst verfolgen die Künstler mit beeindruckender Konsequenz. Indem sie sich der Druckgrafik und Multiples bedienen, also kostengünstige weit verfügbare Kunst mit hohen Auflagen herstellen, erreichen sie eine breite Öffentlichkeit.

Das Wirtschaftswunder

Themen sind das Wirtschaftswunder in einer kleinbürgerlich-konservativen deutschen Gesellschaft (Joseph Beuys: „Ich kenne kein Weekend“), die kritische Auseinandersetzung mit dem American Way of Life (Wolf Vostell), dem Vietnamkrieg und der Verbindung von Gewalt und Sex (Peter Sorge) oder der kollektiven Verdrängung der jüngsten deutschen Geschichte, aber auch eine dezidiert anti-museale Haltung eines Timm Ulrichs, der sich konsequent dem kommerziellen Kunstmarkt verweigert.

Der VW Käfer von 1969 von Thomas Bayrle.

Im Erdgeschoss wird die gesellschaftlich relevante Arbeit von Künstlerinnen wie Maina-Miriam Munsky, Almut Heise oder Mary Baumeister präsentiert. Blickfang im 1. Obergeschoss ist die 1967 entstandene Figurengruppe „Die Bürger von B.“ von Siegfried Neuenhausen, die zur Sammlung des Ludwig-Forums für Internationale Kunst Aachen gehört. Und um 2. Obergeschoss gibt es mit einer Dokumentation der Aktion „Red Heels“ von Heiner Meyer aus dem Jahr 2020 einen Blick auf die German Pop Art 2.0.

Ein begleitender Soundwalk

Begleitend dazu lässt ein Soundwalk mit der Musik jener Jahre das Zeitgefühl lebendig werden. So ist etwa der Kraftwerk-Hit „Autobahn“ von 1974 zu Peter Brünings Siebdruck „Autobahndenkmal“ aus dem Jahr 1968 zu hören. Auf dem zu sehen ist, dass die heute vor der Raststätte Ehrenberg stehende monumentale Skulptur ursprünglich auf dem begrünten Mittelstreifen der A 1 platziert werden sollte. Nach Ausstellungen zur amerikanischen (2016) und zur britischen Pop Art (2019), zu Roy Lichtenstein (2011) und zu Andy Warhol(2014) ermöglicht die herausragende Sammlung des 1923 im sächsischen Meerane geborenen Düsseldorfer Bankers und Rechtsanwalts Heinz Beck (1923–1988), die im Ludwigshafener Wilhelm-Hack-Museum bewahrt wird, erneut eine große Überblickschau in der Oberhausener Ludwig Galerie.

Nach der Ausstellungseröffnung am Samstag, 24. Januar 2026, um 19 Uhr kann die Ausstellung „German Pop Art“ bis zum 3. Mai 2026 zu folgenden Öffnungszeiten besichtigt werden: Dienstag bis Sonntag jeweils von 11 bis 18 Uhr (Mo geschlossen; feiertags sowie Oster- und Pfingstmontag geöffnet). Der Eintritt kostet 12, ermäßigt 6 Euro, das Kombiticket mit dem Gasometer Oberhausen 19 Euro.

Öffentliche Führungen werden jeden Sonn- und Feiertag um 11:30 Uhr angeboten. Die beliebten Kuratorinnenführungen, hier mit Dr. Sarah Hülsewig, finden jeweils sonntags um 15 Uhr statt am 8. Februar 2026, am 8. März 2026, am 29. März 2026 sowie am 19. April 2026. Auf keinen Fall entgehen lassen sollte man sich die Führung der Galerie-Direktorin Dr. Christine Vogt am Sonntag, 22. Februar 2026, um 15 Uhr. Zur Ausstellung ist ein Katalog erhältlich, hrsg. von Dr. Sarah Hülsewig und Dr. Christine Vogt; 208 S., 34,90 Euro an der Galerie-Kasse.

Weitere Informationen unter ludwiggalerie.de.

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Sonntag, 8. Februar 2026, um 15 Uhr Ludwiggalerie Schloss Oberhausen, Konrad-Adenauer-Allee 46, 46049 Oberhausen
Weitere Termine (4) anzeigen...
  • Sonntag, 22. Februar 2026, um 15 Uhr
  • Sonntag, 8. März 2026, um 15 Uhr
  • Sonntag, 29. März 2026, um 15 Uhr
  • Sonntag, 19. April 2026, um 19 Uhr
Vergangene Termine (1) anzeigen...
  • Samstag, 24. Januar 2026, um 19 Uhr
Freitag, 23. Januar 2026 | Autor: Pitt Herrmann