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Niklas Jendrics und Sara Giovanelli setzen in „Threshold of a Fall“ einen mit Ovationen gefeierten Schlusspunkt.

„Grey Area“ begeistert in Duisburg

Zwei Uraufführungen und ein Klassiker

Mit zwei Uraufführungen von Bridget Breiner und Lesley Telford sowie einem preisgekrönten „Klassiker“ von David Dawson unternimmt das Ballett am Rhein zum Jahresauftakt eine hochspannende, da äußerst vielfältige Reise in getanzte Zwischenwelten. Namensgeber für den dreiteiligen, einschließlich zweier Pausen knapp zweieinhalbstündigen Abend, der am 16. Januar 2026 im Theater Duisburg heftig umjubelte Premiere feierte, ist Dawsons Stück „The Grey Area“, mit dem ihm vor fast 25 Jahren der Durchbruch als Choreograph gelang. Grey Area steht im Englischen für Übergänge, für Zwischenzustände, in deren Unsicherheit und Ungewissheit häufig ein großes kreatives Potenzial verborgen liegt.

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Bridget Breiners „Shards“

Nami Ito und ihr außergewöhnlicher Punchingball in „Shards“ von Bridget Breiner.

Bridget Breiner eröffnet die Reise mit „Shards“ – „Scherben“. Die siebenköpfige Gruppe zerfällt in Einzelteile, läuft auseinander, rennt im Kreis, findet sich zu synchronen Pas de deux. Die stark rhythmische Musik Jeff Buckleys ist eine Herausforderung für die Harmonie der zunächst dreiteiligen, von stummen Soli und raffinierten, ständig wechselnde Ein- und Ausblicke gewährenden Vorhängen nach Art der Filmblenden strukturierten Etüde. Sie geht nach einem hauchzarten Finale über in den Schlussteil, der ganz Leonhard Cohens Song „Hallelujah“ und dem Prozess diverser Bearbeitungen gewidmet ist. Ein roter Luftballon als Punchingball setzt nicht nur einen farblichen, sondern auch einen spielerisch-heiteren Akzent für eine letztlich doch noch narrative Choreographie fließend ineinander übergehender Konstellationen über Nähe und Distanz, Verlust und Erinnerung, Männer und Frauen mit versöhnlichem Ausgang.

David Dawsons „The Grey Area“

David Dawson erforscht in seinem 2002 für das Amsterdamer Het Nationale Ballet choreographierte und mit dem renommierten Prix Benois de la Danse ausgezeichneten abstrakten Werk „The Grey Area“ vordergründig das Verhältnis von Raum und Zeit zwischen zwei gegensätzlichen Polen: Schwarz und Weiß, Anfang und Ende, Leben und Tod. Und zwar ganz autobiographisch: Zu dieser Zeit befand er sich in einer Phase des Umbruchs, nachdem er seine Karriere als Erster Solist am renommierten Ballett Frankfurt/Main unter William Forsythe beendet hatte und noch sehr unsicher war, ob er die Seiten wechseln sollte. Mit „The Grey Area“ gelang dem gebürtigen Londoner ein dickes Ausrufezeichen als noch junger Choreograph: Purer Tanz in seiner vielfältigsten Form ohne jede Bühnen-Ausstattung, unterlegt mit einer Collage des in Offenbach geborenen Forsythe-Sounddesigners Niels Lanz, die – offenbar eine Generationsfrage – zumindest der Tochter an meiner Seite ganz und gar nicht auf die Nerven ging.

Sophie Martin und Skyler Maxey-Wert im seit über 20 Jahre frischen Evergreen „The Grey Area“.

Lesley Telfords „Threshold of a Fall“

Ein größerer Kontrast zum mit Ovationen gefeierten Schlussteil ist kaum vorstellbar: In „Threshold of a Fall“, sinngemäß übersetzt mit „Schwelle zum Kippen“, spielen Ausstattung und Lichtregie wie zu Beginn bei Bridget Breiner eine konstituierende Rolle. Die kanadische Choreographin Lesley Telford widmet sich bei ihrem Rheinopern-Debüt dem menschlichen Streben nach immer Mehr, nach einem Weitergehen über die Grenzen der Natur hinaus. In futuristisch anmutenden halbtransparenten Kostümen lotet das 13-köpfige Ensemble in furiosen Gruppenchoreographien inmitten der bisweilen bedrohlich über den Köpfen hängenden Stangen eines stilisierten Waldes den Kipp-Punkt vor einem potentiellen Absturz aus. Wobei sich die einmal sogar zum Pole-Dance genutzten metallenen Stangen als fragil erweisen, als sie selbst zu tanzen beginnen. Dabei gehen die Tänzer u.a. zur Musik Volker Bertelmanns aka Hauschka an die Grenzen ihrer Balance und offenbaren, dass kleinste Veränderungen scheinbar Unzerstörbares zum Zusammenbruch bringen können.

Karten

Karten unter operamrhein oder an der Theaterkasse Duisburg unter Tel. 0203 – 28362100.

Die weiteren Vorstellungen im Theater Duisburg

  • Samstag, 24. Januar 2026, 19.30 Uhr
  • Donnerstag, 29. Januar 2026, 19.30 Uhr
  • Samstag, 14. Februar 2026, 19.30 Uhr (anschl. Nachgefragt)
  • Samstag, 21. Februar 2026, 19.30 Uhr
  • Mittwoch, 25. Februar 2026, 19.30 Uhr
Januar
29
HEUTE
Donnerstag, 29. Januar 2026, um 19:30 Uhr Theater Duisburg, Opernplatz (Neckarstraße) 1, 47051 Duisburg
Weitere Termine (3) anzeigen...
  • Samstag, 14. Februar 2026, um 19:30 Uhr
  • Samstag, 21. Februar 2026, um 19:30 Uhr
  • Mittwoch, 25. Februar 2026, um 19:30 Uhr
Vergangene Termine (1) anzeigen...
  • Samstag, 24. Januar 2026, um 19:30 Uhr
Dienstag, 20. Januar 2026 | Autor: Pitt Herrmann