Wie Schmerzen sich auf das Gehirn auswirken

Gamma Knife-Bestrahlung möglich

Prof. Dr. Jan Boström (l.), Leitung der Abteilung für Radiochirurgie und Präzisionsstrahlentherapie der Klinik für Strahlentherapie und Radio-Onkologie des Marien Hospital Herne und Leitung des Gamma Knife Zentrum Bochum, zusammen mit Jonas Kolodziej Medizinstudent der Ruhr-Uni Bochum.
Prof. Dr. Jan Boström (l.), Leitung der Abteilung für Radiochirurgie und Präzisionsstrahlentherapie der Klinik für Strahlentherapie und Radio-Onkologie des Marien Hospital Herne und Leitung des Gamma Knife Zentrum Bochum, zusammen mit Jonas Kolodziej Medizinstudent der Ruhr-Uni Bochum. Foto: St. Elisabeth Gruppe

Heftige Schmerzen im Gesicht durch eigentlich harmlose Auslöser wie eine Berührung oder Kauen – so geht es Betroffenen, die an der chronischen Schmerzerkrankung Trigeminusneuralgie leiden. Eine mögliche Behandlungsoption ist die Gamma Knife-Bestrahlung der Trigeminusnerven, die durch das gesamte Gesicht verlaufen. Dabei werden Gammastrahlen aus 192 einzelnen Quellen in einem Punkt gebündelt und auf den Zehntelmillimeter genau auf das Nervenfaserbündel am Hirnstamm gerichtet.

Forscher untersuchten nun die Veränderungen im Gehirn von Betroffenen vor und nach der Schmerztherapie mit dem Gamma Knife und zeigten, dass diese nicht nur die Schmerzen lindert, sondern auch das Gehirn positiv verändert.

Viele Betroffene ziehen sich zurück

Die heftigen Schmerzattacken bei einer Trigeminusneuralgie können wenige Sekunden, aber auch minutenlang andauern und schränken Betroffene im Alltag stark ein. Viele ziehen sich zurück, das Risiko für Depressionen und Angststörungen ist hoch. Im Laufe der Erkrankung kommt es bei Patienten häufig zu einer Veränderung bestimmter Hirnregionen. Besonders durch Zurückgezogenheit und Depressionen sind bestimmte Bereiche des Gehirns in ihrer Funktion weniger aktiv, aber auch unabhängig davon kann es zu Hirnveränderungen kommen.

Die Frage ist: Inwiefern hängt dies mit den Schmerzen zusammen? Dem ging Jonas Kolodziej, Medizinstudent der Ruhr-Universität Bochum, gemeinsam mit Prof. Dr. Jan Boström, Leitung der Abteilung für Radiochirurgie und Präzisionsstrahlentherapie der Klinik für Strahlentherapie und Radio-Onkologie des Marien Hospital Herne und Leitung des Gamma Knife Zentrum Bochum sowie Ärzten der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Bergmannsheil Bochum unter der Leitung von Prof. Dr. Burkhard Pleger im Rahmen eines Dissertationsprojektes auf den Grund. Die Mediziner untersuchten, inwiefern die Schmerzlinderung durch die Behandlung mit Gamma Knife mit einer Reaktivierung der betroffenen Hirnregionen einhergeht.

Hirnscans werden angefertigt

Dafür wurden bei 25 Trigeminusneuralgie-Patienten – im Rahmen der Diagnose und Behandlung – vor und nach der Therapie Hirnscans angefertigt. „Auf diesen war zu sehen, dass die Gamma Knife-Bestrahlung bei 23 Patienten zu einer Schmerzverbesserung und damit zu einer signifikanten Zunahme der Dichte der grauen Substanz geführt hat,“ fasst Jonas Kolodziej zusammen.

Die graue Substanz ist im Gehirn für die Reizaufnahme und -verarbeitung verantwortlich. „Dies ist ein möglicher Hinweis darauf, dass die Funktion der weniger aktiven Hirnregionen durch die Bestrahlung wieder verbessert werden kann“, ergänzt Prof. Boström. Schmerzreduktion geht also mit einer Verbesserung der Hirnfunktion einher. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass sich Schmerzen negativ auf die Gehirnfunktion auswirken. Diese Ergebnisse leisten einen Beitrag zum Verständnis der Schmerzverarbeitung im Gehirn – nicht nur bei der Trigeminusneuralgie.

Das Projekt zeichnete die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) im Rahmen der diesjährigen Jahrestagung in Stuttgart mit dem Hochpräzisions-Strahlentherapie-Preis aus. Prämiert wurde der Preis mit 2.000 Euro.

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