Vorstand Arnd Lattenkamp über sein erstes Jahr und die Zukunft
wewole-Stiftung in Zeiten des Umbruchs
Fast zehn Monate ist Arnd Lattenkamp nun schon Vorstand der wewole-Stiftung und seitdem ist einiges passiert (halloherne berichtete). Mit halloherne lässt der 55-jährige Sozialwissenschaftler und Betriebswirt seine erste Zeit in der Stiftung Revue passieren.
'Wurde unheimlich nett aufgenommen'
Gut eingelebt habe er sich. Dies sei schon nach rund zwei Wochen im Betrieb der Fall gewesen. „Dies lag zum einen auch daran, dass mich alle unheimlich nett aufgenommen haben und zum anderen daran, dass ich die Eingliederungshilfe in- und auswendig kenne“, erläutert Arnd Lattenkamp.
Lattenkamp hat nämlich vor seiner wewole-Zeit zehn Jahre lang bei der Diakonie Ruhr in Bochum Führungspositionen im Bereich der Eingliederungshilfe innegehabt, bevor er dann für rund neun Jahre als einer von zwei Geschäftsführern bei der Caritas Wohn- und Werkstätten Niederrhein gGmbH in Moers arbeitete.
Überhaupt lobt der Bochumer den städtischen Zusammenhalt und das Betriebsklima zwischen den Menschen mit Behinderung sowie den Angestellten. Für ihn sein es wichtig, für alle Beschäftigten des Unternehmens und alle Bewohner ansprechbar zu sein, da unterscheide er nicht zwischen den Menschen mit Behinderung und den angestellten Beschäftigten.
'Mehr als nur ein Job'
„Für diese Arbeit muss man Herzblut mitbringen. Ich persönlich halte es für den falschen Ansatz meine Tätigkeit nur als Job anzusehen. Mir ist es wichtig, dass alle meine Mitarbeiter wissen, dass sie mich jederzeit ansprechen können und ich mir ihre Sorgen und Nöte anhöre“, macht Stiftungsvorsitzende deutlich.
Plötzlich alleiniger Vorstand
Doch bei der wewole-Stiftung stehen große Veränderungen ins Haus. Die zweite Vorständin Anne Krüger hat aus persönlichen Gründen um die Aufhebung ihres Vorstandsvertrages gebeten, um sich künftig neuen beruflichen Herausforderungen widmen zu können. Einvernehmlich mit dem Kuratorium wurde beschlossen, dass sie zum 30. Juni 2026 aus dem Vorstand der wewole Stiftung ausscheidet (halloherne berichtete). Mit Stiftungsbeschluss von Freitag (24.4.2026) wurde Lattenkamp zum alleinigen Vorstand bestellt.
„Dies habe ich so nicht geplant, als ich mich um den Job beworben habe. Ich habe mich ja bewusst für eine Doppelspitze entschieden, da ich dies schon aus meiner vorherigen Tätigkeit kannte“, sagt der 55-Jährige. Fachlich kann Lattenkamp dies ohne Probleme abdecken, da er auch berufsbegleitend Volks- und Betriebswirtschaft in Hagen studiert hat.
Doch der Wegfall der zweiten Vorständin bedeute vor allem mehr Arbeit und lange Arbeitstage. „Momentan komme ich eigentlich nur zum Schlafen nach Hause“, resümiert der Bochumer.
'Auf Kernkompetenzen konzentrieren'
Überhaupt stehe die wewole-Stifung momentan in Zeiten des Umbruchs. Es habe in der Vergangenheit vor Lattenkamps Zeit viele Wechsel in der Führung gegeben und auch Unzufriedenheiten bei den Beschäftigten. Dazu kommen auch Schließungen wie die des wewole-Forums oder der Kantine „Schmackofatz“ (halloherne berichtete).
„Die Schließungen waren zum einen aus finanzieller Sicht notwendig, aber auch deshalb, weil die Interessenlage der Menschen mit Behinderung sich verschoben hat und die Nachfrage nach einer Mitarbeit nicht mehr so groß war“, erklärt der Stiftungsvorsitzende.
Weiter führt er aus: „Wir erleben gerade eine kleine Konsolidierung. Das heißt, wir müssen unsere Kräfte bündeln, die fachliche Arbeit stärken und uns vor allem auf unsere Kernkompetenzen besinnen.“
Inklusion und neue Partnerschaften
Damit meint er vor allem die Inklusion der Werkstattbeschäftigten. So soll es fähigen Beschäftigten mit Hilfe von Jobcoaches ermöglicht werden, den Weg in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu finden oder auch Praktika zu vermitteln.
Ferner gehe es auch darum, neue Partner und Kunden für die wewole-Stiftung zu gewinnen - auch vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands und den globalen Unsicherheiten. Bisher sei die Stiftung gut durch die weltweiten Krisen gekommen, da sich Firmen bewusst zu einer Zusammenarbeit mit der Stiftung für Menschen mit Behinderung entscheiden und so jahrelange Partnerschaften entstanden seien. Ob dies auch mittelfristig so bleibe, werde sich erst zeigen.
Viel Arbeit also, der sich Arnd Lattenkamp nun als Vorstand allein stellen muss. „2026 kann man als Jahr des Change-Prozesses sehen. In 2027 können wir dann hoffentlich wieder mit voller Kraft die Segel setzen“, so Lattenkamp abschließend.