Ergebnisse der Frühjahrs-Konjunkturumfrage der HWK Dortmund
Handwerk: Jeder zweite Betrieb erhöht Preise
Das Handwerk im Kammerbezirk Dortmund, zu dem auch Herne gehört, zeigt sich im Frühjahr 2026 robust, hat aber mit einigen Problemen in der Wirtschaft zu kämpfen. Der Gegenwind wird größer, ebenso steigen bei jedem zweiten Betrieb die Preise. Insgesamt bewerten jedoch 81 Prozent der Firmen die aktuelle Lage als gut oder zumindest zufriedenstellend. Das sind die wesentlichen Erkenntnisse aus der aktuellen Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Dortmund (HWK), die am Dienstag (28.4.2026) vorgestellt wurden.
Zudem berichten bei zentralen Kennzahlen wie Aufträgen, Umsatz, Investitionen und Beschäftigung deutlich mehr Betriebe von Rückgängen als von Zuwächsen. HWK-Präsident Berthold Schröder ordnet die wichtigsten Zahlen ein: „Die Geschäftslage verschlechtert sich zwar nur langsam, aber stetig. Insgesamt sind die Umfragewerte mit einer geraden, leicht nach unten geneigten Linie, seit 2018 ein Spiegelbild der deutschen Wirtschaft. Es gibt nur wenige Ausreißer.“
Auswirkungen vom Iran-Krieg noch nicht absehbar
Außerdem fügt er an, dass die Umfrage von Mitte März bis Anfang April lief, demzufolge also der Iran-Krieg in den Antworten mit reinspielt. „Welche Auswirkungen die Blockade der Straße von Hormus hat, bis dort alles wieder mal normal läuft, sind aber noch nicht sichtbar“, erläutert Schröder. Trotzdem schlagen sich erste Beobachtungen schon nieder oder sind Folge der vergangenen Monate seit der vergangenen Umfrage, die Anfang November 2025 vorgestellt wurde (halloherne berichtete).
Der auffälligste Befund der aktuellen Konjunkturumfrage ist die Preisentwicklung: 50 Prozent der Betriebe haben in den vergangenen sechs Monaten ihre Verkaufspreise erhöht (nur neun Prozent meldeten Preissenkungen). Mit Blick auf das kommende Halbjahr rechnen 40 Prozent der Betriebe mit weiteren Preiserhöhungen. Viele Unternehmen sehen sich durch gestiegene Energie-, Material- und Lohnkosten zu Preisanpassungen gezwungen, um wirtschaftlich stabil zu bleiben.
Fast täglich Mails mit Preissteigerungen im eigenen Betrieb
„Auch in meinem eigenen Betrieb bekomme ich fast täglich Mails von Lieferanten, die Preiserhöhungen von fünf bis 15 Prozent ankündigen“, berichtet der Dortmunder HWK-Präsident, der ein Unternehmen für Schreinerei in Hamm führt. Besonders betroffen sei auch das Kfz-Handwerk: Hier würden sogar 63 Prozent aller Firmen von Preissteigerungen berichten. Gabor Leisten, Abteilungsleiter Unternehmensberatung der HWK Dortmund, erklärt, dass mittlerweile zehn Prozent von dem, was verdient wird, für Energiekosten aufgewendet wird. Vor fünf Jahren wären Unternehmen noch bei der Hälfte, also rund fünf Prozent, gewesen.
Ferner zeigt sich bei den Betrieben eine Zurückhaltung bei Investitionen. In den vergangenen sechs Monaten haben 29 Prozent der Betriebe ihre Investitionen reduziert, 18 Prozent erhöht. Für die kommenden sechs Monate planen 32 Prozent eine weitere Reduzierung, nur 13 Prozent rechnen mit steigenden Investitionen. „Insgesamt rechnen die Firmen auch nicht mit einer deutlichen Verbesserung der Lage in naher Zukunft, so werden sich die wichtigen Kennzahlen auch nicht signifikant verändern“, so Schröder weiter.
Für die Kreishandwerkerschaft Ruhr, zu der auch Herne zählt, sagt der zuständige Kreishandwerksmeister Wolfgang Hoffmann: „Im Bezirk Ruhr bewerten 78 Prozent der Betriebe ihre Lage als gut oder befriedigend. Das ist solide, liegt aber etwas unter den anderen Teilregionen. Gleichzeitig sind die Erwartungen ausgewogen: 60 Prozent erwarten eine gleichbleibende Entwicklung, 20 Prozent eine Verbesserung und 20 Prozent eine Verschlechterung.“
Stabilität festigen
Folgendes Fazit zieht er: „Im Ruhr-Bezirk kommt es jetzt besonders darauf an, die aktuelle Stabilität zu festigen: Indem Projekte zügig in die Umsetzung kommen und Betriebe bei Modernisierung und Investitionen nicht ausgebremst werden. Dann kann sich die eher nüchterne Lageeinschätzung auch wieder nach oben bewegen.“
Helfen beim Thema Modernisierung kann oder könnte auch Künstliche Intelligenz (KI), die kürzlich auch schon bei der Ausbildungsmesse der Agentur für Arbeit in den Flottmann-Hallen Thema war (halloherne berichtete). Dazu erläutert Berthold Schröder: „KI ist für das Handwerk ein ganz wichtiges Handwerk, auch wenn sie keinen Hammer hält. Sie hilft aber heute schon bei der Angebotserstellung, lernt aus bisherigen Kalkulationen und kann so die Betriebe zeitlich entlasten. Bis aber ein Roboter einen Siphon oder einen Dachstuhl repariert, wird es noch einige Jahre oder gar Jahrzehnte dauern.“
KI hilft im Bäckerhandwerk
Praktische Beispiele gibt es aber auch schon. So werden im Bäckerhandwerk durch Erfahrungswerte sowie Einschätzungen, die Lage, das Wetter, den Wochentag und weitere Faktoren betreffen, genutzt, um Prognosen für die Herstellung von Backwaren am nächsten Tag zu schaffen, damit nicht zu viel oder wenig gebacken wird.
Die aktuell parallel geführte Sonderumfrage drehte sich um das Thema Betriebsnachfolge im Handwerk. Rund 33 Prozent der Handwerksbetriebe im Kammerbezirk der HWK planen innerhalb der kommenden fünf Jahre eine Betriebsübergabe. Davon wollen 14 Prozent bereits in den nächsten zwei Jahren übergeben, 19 Prozent innerhalb von fünf Jahren. Rund 590 Betriebe aus dem Kammerbezirk Dortmund haben sich beteiligt.
Generationswechsel ist eine zentrale Herausforderung
„Der Generationswechsel zählt derzeit zu einer der zentralen Herausforderungen im Handwerk und betrifft nahezu alle Gewerke. Besonders im Fokus stehen dabei die Gewerke, in denen der größte Anteil der Handwerksbetriebe im Kammerbezirk angesiedelt ist, also vor allem das Bau- und Ausbaugewerbe“, betont Gabor Leisten. „Besonders anspruchsvoll gestaltet sich die Nachfolge in kapitalintensiven Betrieben, in denen hohe Investitionen oder umfangreiches Anlagevermögen erforderlich sind, etwa bei Tischlereien, Metallbau-, Feinwerkmechaniker- sowie Kfz-Betrieben mit größeren Immobilien oder Werkstatthallen. Für potenzielle Nachfolger stellen hier insbesondere Finanzierungsfragen eine große Hürde dar."
Zudem seien auch kleinere Handwerksunternehmen häufig betroffen, da deren wirtschaftliche Ertragslage nicht immer eine tragfähige Basis für eine Übernahme bietet. In solchen Fällen bleibt eine Nachfolge oftmals aus, was zur Aufgabe des Betriebs führen kann. Da die Betriebsnachfolge oft nur einmalig vorkomme und emotional geprägt sei, würde die Beratung durch die HWK dabei unterstützen, geeignete Nachfolger zu finden.